Teppichhändler aus Düsseldorf wegen falscher Fransen verurteilt

Ein Teppichhändler musste sich vor dem Amtsgericht Düsseldorf wegen Betrugs verantworten. Die Kundin erwartete fachmännische Arbeit - doch sie bekam billige Massenware.
Ein Teppichhändler musste sich vor dem Amtsgericht Düsseldorf wegen Betrugs verantworten. Die Kundin erwartete fachmännische Arbeit - doch sie bekam billige Massenware.
Foto: dpa
Ein Düsseldorfer Teppichhändler wurde vom Amtsgericht wegen Betrugs zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte bei der Erneuerung kaputter Fransen eine vorgefertigte Fransenleiste verwendet. Die Kundin fühlt sich betrogen, denn die Vereinbarung sah anders aus.

Düsseldorf.. „Ich habe alles richtig gemacht“, beteuerte der Teppichhändler (49). Doch das glaubte ihm gestern die Richterin am Amtsgericht nicht. Dort musste er sich wegen versuchten Betrugs verantworten: Er hatte bei der Erneuerung von Teppichfransen getrickst.

Eine Kundin hatte ihm vier Orientteppiche zum Waschen gebracht, drei hatten lädierte Fransen. Sie vereinbarten, dass er die Fransen erneuert, indem er jeden Faden einzeln anknüpft. Als sie die Teppiche zurückerhielt, wurde sie enttäuscht: Die Verzierung bestand aus einer vorgefertigten Fransenleiste.

Deshalb zahlte sie nichts. Der 49-Jährige klagte. Das Gericht sprach ihm aber nur 500 Euro fürs Waschen zu, die 3500 Euro für die Fransen brauche sie nicht zu zahlen. Denn ein vereidigter Gutachter für Orientteppiche stellte fest, dass er die Fransen mit einer Leiste ersetzt hatte.

Gutachter bestätigte unfachmännische Arbeit

Weil der Zivilrichter die Akte an die Staatsanwaltschaft weitergab, landete der Teppichhändler jetzt vor dem Strafgericht. Und versuchte erneut, das Gericht zu überzeugen. Er präsentierte ein Album mit Fotos einer Fransenreparatur: „Allen Kunden zeigen wir das, um sie zu klären, wie wir arbeiten sollen“, erklärte er. So sei es auch mit der Kundin gewesen. Er habe dann alles so gemacht wie vereinbart: „Wir haben alles mit der Hand geknüpft!“ Zwei seiner Mitarbeiter könnten das bezeugen.

Urteil Der Gutachter im Zivilprozess verstehe als Fachmann für Orientteppiche nicht genug davon. Ein erstes Gutachten stamme von einem Knüpfer, der das besser beurteilen könne. Doch auch dieser hatte festgestellt, dass er unfachmännisch gearbeitet habe. „Im Vertrag steht nur ,neue Fransen’!“, beharrte dann der Angeklagte.

Urteil ist gesprochen

Die Richterin erklärte, eine Fortführung des Prozesses mit Gutachter und Zeugen werde länger dauern. Jetzt könne sie ein Geständnis noch strafmildernd werten. Die Staatsanwältin sagte, sie werde dann eine Geldstrafe von 1200 Euro (30 Tagessätzen) fordern.

„Ich bin jetzt in einer Ecke!“, jammerte der 49-Jährige. Seit 30 Jahren sei er in der Branche, habe über 1500 Kunden: „Ich habe immer versucht, sauber zu arbeiten!“ Die Richterin bestätigte, dass er nicht vorbestraft ist. Als sie sagte, dass auch diese Strafe nicht als Vorstrafe gilt, willigte er ein. Nun muss er 1200 Euro zahlen.