„Tatort“-Villa ist jetzt denkmalgeschützt

Benrath..  Manchmal kommt es anders, als man denkt. So auch für die Eigentümergemeinschaft einer Doppel-Villa am Benrather Schloßufer. Die Villa stand bereits leer, als die Drehort-Sucher des ARD-Tatorts sie 2013 entdeckten. Für sie war das Haus genau das, wonach sie Ausschau gehalten hatten: Groß, repräsentativ, unbewohnt und direkt am Rhein gelegen.

Tagelang gestalteten die Menschen vom Film die Villa um und verwandelten sie in ein Gebäude mit großem Brandschaden. Sie rissen Tapeten von den Wänden, ließen mehrere Zimmer völlig verrußt aussehen und färbten Teile der Außenfassade schwarz – in der Kölner Tatort-Folge verloren mehrere Kinder bei einem Brand in der Villa ihr Leben.

Für die Eigentümer waren die vom Filmteam extra angerichteten Schäden kein Problem, denn die Doppel-Villa sollte nach dem Dreh sowieso abgerissen werden, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Doch der Antrag auf einen Abriss rief die Denkmalbehörde auf den Plan. „Wir überprüfen bei jedem Abrissantrag, ob das Haus auf unseren Inventarlisten steht“, erklärt Jörg Heimeshoff, Leiter der Denkmalbehörde: „Und dieses Haus stand darauf.“

Wie Häuser auf diese Liste kommen ist unterschiedlich: Viele Gebäude wurden bereits vor 1980 auf die Listen des Landschaftsverbandes aufgenommen, andere kamen später hinzu. Die Liste wird ständig aktualisiert. Manchmal sehen sich die Mitarbeiter der Denkmalbehörden auch gezielt nach schützenswerten Häusern um.

Dass ein Haus auf die Liste aufgenommen wird, heißt nicht, dass es damit automatisch denkmalgeschützt ist. „Wir überprüfen nach und nach, ob die Objekte den Kriterien des Denkmalschutzes entsprechen“, sagt Heimeshoff. Viele Hausbesitzer wüssten gar nicht, dass ihr Haus sich auf dieser Liste befindet. Auch die Eigentümergemeinschaft aus Benrath dürfte überrascht gewesen sein, dass sich plötzlich die Denkmalbehörde für ihr Haus interessierte. Das Ergebnis der Prüfung: Es gibt keinen Abriss, stattdessen muss saniert werden. „Die Eigentümergemeinschaft hat sich zunächst dagegen gewehrt, letztlich aber vor Gericht verloren“, erzählt Heimeshoff.

Das Haus wurde zwischen 1934 und 1935 für die Westdeutschen Kraftfutterwerke Arnold Höveler GmbH gebaut. Architekt war Hans Scheffels aus Immigrath. „Die Doppel-Villa, die einen repräsentativen Charakter aufweist, stellt ein qualitätsvolles, weitgehend unverändert erhaltenes Beispiel für den Wohnbau der 1930er Jahre dar und dokumentiert die Wohnform des gehobenen Bürgertums in dieser Epoche“, heißt es in der Begründung, warum die Villa nun unter Denkmalschutz steht.

Die Eigentümer haben inzwischen einen Architekten beauftragt, der die Sanierung des Objekts begleiten wird - in enger Kooperation mit der Denkmalbehörde. Seit dem Wochenende ist es eingerüstet. Heimeshoff weiß: „Das Haus muss substanziell instand gesetzt werden.“ Auch wenn die vom Tatort-Team genutzten Räume schlimm aussehen - insgesamt wird dieser Schaden wahrscheinlich nur einen kleinen Teil der gesamten Summe für die Renovierungsarbeiten ausmachen. Die Kosten werden in Millionenhöhe liegen.