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Tagespflege gefordert

09.07.2008 | 22:10 Uhr

SOZIALES. Das Hildener Demenz-Info-Center möchte Pflegebedürftigen die umständliche Anfahrt in andere Gemeinden ersparen. Stadtrat wird sich demnächst mit dem Thema befassen.

HILDEN. Das Hildener Demenz-Info-Center (DIC) ist in die Offensive gegangen, um einen Mangel zu beseitigen. Die Forderung: Einrichtung einer Tagespflege. DIC ist der Meinung, dass in einer Stadt mit mehr als 56 000 Einwohnern eine Tagesbetreuung für Pflegebedürftige über 60 Jahre dringend notwendig ist, damit diese Menschen im Alter in ihrer Heimatstadt gepflegt werden können. DIC-Sprecherin Hedwig Braun, Reiner Bracht, Mitglied des Leitungsteams und Ulrike Mundt, Leiterin des Klön-Treffs für Demenz-Kranke, präzisieren ihre Kritik: Es gebe keine Tagespflege in Hilden, nur "eingestreute Plätze für die Kurzzeitpflege" und gar keine mit einem Reha-Angebot.

Der Pflegebedürftige müsse in die Nachbargemeinden ausweichen. Er könne nicht den Hol- und Bringdienst in Anspruch nehmen, da dies nur innerhalb der Gemeinden möglich sei. Der Angehörige habe also zu seinen sonstigen Belas-tungen, die die Pflege eines Demenzkranken mit sich brächte, auch noch die Fahrzeiten in seinen Tagesablauf einzubauen und müsse die Zusatzkosten zahlen.

Für die Zeit zum Aufatmen

Mit dem Antrag des Demenz-Info-Centers auf Einrichtung einer Tagespflege wird sich demnächst der Rat der Stadt auseinander setzen. Für Hedwig Braun und Reiner Bracht besteht berechtigte Hoffnung, dass ihr Wunsch erfüllt wird.

Hedwig Braun ist Initiatorin des Hildener Demenz-Info-Centers. Anlass und Beweggrund waren ihre leidvollen Erfahrungen bei der vierjährigen Pflege ihres an Alzheimer erkrankten und 1999 gestorbenen Ehemanns. Damals habe es auch in der Gesellschaft noch wenig Verständnis für die Alzheimer-Krankheit gegeben. Da dominierten eher Scham, Schweigen und Unwissen. Hilfen gab es kaum.

Weil sie dies ändern und ihre Erfahrungen weitergeben wolte und will, habe sie nach dem Tod ihres Mannes das Demenz-Info-Center gegründet. Zehn Personen arbeiten derzeit in Hilden für das DIC ehrenamtlich. Es ist organisatorisch der Düsseldorfer-Kreis Mettmann Alzheimer Gesellschaft angeschlossen.

Was die Finanzierung betrifft, stellt Reiner Bracht fest: "Wir gehen letztendlich betteln, leben von Sponsoren, zu denen auch die Stadt Hilden und der Kreis zählen." Bracht kam durch die Pflege seiner an Alzheimer erkrankten Mutter mit dem DIC in Kontakt und gehört zu den Initiatoren beim im Jahr 2002 begonnen Aufbau der Selbsthilfegruppe "Alzheimer-Angehörigen-Treff" (AAT).

Die selbstständig als bezahlte Teilzeitkraft arbeitende Altenpflegerin Ulrike Mundt , seit 20 Jahren im Pflegebereich, leitet den vom Demenz-Info-Center seit einem Jahr angebotenen Klön-Treff Stadtmitte. Zwischen fünf und acht demenzkranke Senioren werden hier fachkundig für zweieinhalb Stunden betreut - Zeit für die Angehörigen zum "Aufatmen."

Infos zum Angebot des Demenz-Info-Centers gibt es bei Hedwig Braun, Tel: 02103/6 49 54, hedwigbraun@arcor.de, und bei Reiner Bracht: Tel: 02103/25 40 80, reinerbracht@arcor.de

KLAUS-DIETER KRUPP

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