"Sturmgeschichten" in Düsseldorf - Eine Sequenz Geisel zu viel

Filmemacher Christoph Böll (rechts) hat die „Sturmgeschichten“ über den Pfingstorkan Ela dokumentiert, Sergio Falaguerra komponierte die Musik.
Filmemacher Christoph Böll (rechts) hat die „Sturmgeschichten“ über den Pfingstorkan Ela dokumentiert, Sergio Falaguerra komponierte die Musik.
Foto: Neubauer
Was wir bereits wissen
Mit dem Film „Sturmgeschichten“ spürt Christoph Böll dem Pfingstorkan Ela nach. Aber der Düsseldorfer Oberbürgermeister kommt in der Doku ein bisschen zu oft vor.

Düsseldorf.. Künstlerin Anna Kleeberg sah eine smaragdgrüne Wand auf sich zukommen. Der Direktor des Filmmuseums Bernd Desinger spricht von einem „blutroten Himmel“. Polizeipräsident Norbert Wesseler radelte am Morgen danach zum Dienst und sagt noch heute: „Ein solches Chaos habe ich noch nie gesehen.“ Der Pfingstorkan Ela kostete im Jahr 2014 vier Menschen in Düsseldorf das Leben und knickte mehr als 30 000 Bäume. Christoph Bölls Dokumentarfilm mit dem Titel „Sturmgeschichten“ hatte am Sonntagvormittag Premiere in der Black Box, dem Kino im Filmmuseum. Er zeigt, welche Spuren der Sturm hinterlassen hat – in der Stadt und den Menschen darin.

Autor Manfred Breuckmann (Foto) hat im Rahmen der Dreharbeiten gelernt, dass sein Lieblingsbaum im Stadtteil Ludenberg – und der seines Hundes – eine Weide ist. Wenn jemand käme und die Axt an diesen „Titan vom Ludenberg“ legte, „dann würde ich mich sofort an den Baum ketten“, sagt Breuckmann. Inmitten der Ela-Böen war ihm nicht bang um diesen Baum: „Ich wusste, der hält das aus.“

Doris Törkel musste weinen

Gartenamtsleiterin Doris Törkel (Foto) erinnert sich, noch in der Sturmnacht zum Krisenstab am anderen Morgen beordert worden zu sein. Dann brauchte sie für die einfache Fahrt zum Büro mehr als vier Stunden und musste weinen, als sie den nahezu völlig zerstörten Rheinpark mit den zahlreichen dort umgestürzten, alten Bäumen sah.

Dokumentarfilmer Böll zeigt in seinem 80-minütigen Werk, dass dies alles Vergangenheit ist. Spontan und ohne Drehbuch hat er sich in die Aufzeichnungen der „Sturmgeschichten“ gestürzt, zu denen eben auch die Wochen und Monate danach gehören: Der Wiederaufbau. Das Zusammenwachsen der Stadtgesellschaft durch die Katastrophe. An den vielen, vielen grünen Dreiecksgestellen mit jungen, zehn-, zwölf Jahre alten Bäumen darin wird das deutlich. Noch bedürfen sie besonderen Aufmerksamkeit durch das Gartenamt, sind gegen die sengende Sonne mit weißer Schutzfarbe angestrichen, die sie vor der Austrocknung bewahren soll.

Mit der Sturmbrettchenaktion, den vielen Spenden und den Kunstaktionen von Anna Kleeberg sind bis heute knapp 2,6 Millionen Euro an Spenden für Düsseldorfs Wiederaufforstung eingegangen. Beim Thema „Baum“ ist sich die Stadt einig wie selten.

„Es ist nichts so schlecht, als dass nicht noch etwas Gutes daraus hervorgehen könnte“, fasst Oberbürgermeister Thomas Geisel zusammen. Er kommt im Film mit seinen langen, ruhigen Einstellungen zu häufig vor. Man muss sich auf Christoph Bölls Erzählstil schon einlassen. Dann macht auch das minutenlange Mantra einer Schamanin seinen Sinn.