Sturm und Sonne - traumhaft jeck in Düsseldorf 2014/2015

In Düsseldorf feierten die Narren ausgelassen.
In Düsseldorf feierten die Narren ausgelassen.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Gelungener Start der Düsseldorfer Narren in den Straßenkarneval. Zigtausende feierten die Altweiberfastnacht ausgelassen.

Düsseldorf.. Um punkt 11 Uhr ertönt das erste fröhliche Gibbeln aus dem Pulk der wilden Weiber, die fest entschlossen vor der Rathaustür ausharren. Denn in diesem Moment bahnt sich die Sonne zielsicher ihren Weg durch die Wolken. Wenige Minuten später tritt Thomas Geisel auf den Balkon des Jan-Wellem-Saals. Fein gewandet, fast ganz in Grau, mit Zylinder, Schnurrbart und roter Krawatte präsentiert er sich den tausenden Narren auf dem Vorplatz.

Dann blickt er herab auf die unruhig wartenden Möhnen. „Habt ihr nix Besseres zu tun? Wenn ihr glaubt, ihr kommt hier ‘rein, habt ihr euch geschnitten. Heute beginnt der Straßenkarneval, also bleibt ihr draußen“, mimt Geisel den Unerbittlichen. Doch dann ergreift Venetia Claudia die Initiative. Zwei Bützkes auf die OB-Backen: „Du hast verdammt starke Argumente“, räumt der Schwabe ein und kapituliert. Die Rathaustür öffnet sich. Sofort stürmen zwei Dutzend Möhnen die Treppe in den Jan-Wellem-Saal hinauf. Und: Schnipp, der Kutltur-Strick des OB ist gekappt, der erste Bürger symbolisch seiner Macht beraubt. Tusch und Applaus!

Doch die Möhnen drängen weiter. Zum Glück hat Geisel gleich 63 Schlipse mitgebracht, darunter ist auch ein Fortuna-Exemplar. Immer wieder Schnipp, und dafür verteilt der OB Bützkes. Dieses, für ihn neue Ritual, bereitet dem 51-Jährigen sichtlich vergnügen. Jetzt hat sich eine Squaw angeschlichen. Es ist Stadtsprecherin Kerstin Jäckel, die sich mit filigraner Fingerfertigkeit schnell ein Souvenir von der Krawatte ihres Chef erobert. „Acht Trophäen haben ich schon. Das ist ausbaufähig. Ich arbeite weiter an der Ausbeute“, meint sie und nähert sich Andreas Rimkus. Der SPD-Bundestagsabgeordnete ist aus Berlin angereist, zeigt sich in rotem Gewand mit grünem Käppi. „Ich bin eine scharfe Chillischote“, sagt er lächelnd.

Derweil herrscht draußen vor dem Rathaus beste Schunkelstimmung. Dafür sorgen die bekannten Mundartband mit Live-Musik auf der Bühne. Ja, sind wir im Wald hier...? Die Narren zeigen sich bunt kostümiert wie selten. Scheichs prosten Schornsteinfegern zu, Bienen bützen Bauarbeiter und Schmetterlinge tanzen mit Panzerknackern. Bei herrlichem Sonnenschein und zehn Grad ist fast alles dabei: von A wie Außerirdischer bis Z wie Zombie - traumhaft jeck.

Ab dem Mittag füllen sich die Straßen immer mehr, mittlerweile feiern in der Altstadt Zigtausende, der Alkohol fließt in Strömen. Hier hat sich das Glasverbot mit 16 Kontrollstellen bewährt. Nur vereinzelt sind Splitter von „Feigling“ und Co. zu finden. „Die meisten Karnevalisten wissen inzwischen, dass hier ein Glasverbot herrscht. Wir müssen viel weniger Flaschen einsammeln als in den ersten Jahren. Es gibt kaum Probleme“, betont Ordner Werner Gerhard.

Gegen Nachmittag lichten sich die Altstadtstraßen allmählich, die Massen strömen in die Kneipen rund um die längste Theke. Der Alkoholpegel steigt. Einige Jecken müssen dem Suff Tribut zollen, hier und da kommt es zu Reibereien. Doch am Abend heißt es in einer ersten Bilanz von Polizei und Feuerwehr: „Es gab viele Einsätze, doch bislang nichts ganz Gravierendes. Nur der ganz normale Wahnsinn.“