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Studenten machen in Düsseldorf Lust auf Beuys

13.12.2010 | 19:19 Uhr
Studenten machen in Düsseldorf Lust auf Beuys

Duisburg.16 Studenten der Kunstgeschichte rücken in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf Joseph Beuys ganz nahe. Jeden Samstag schwärmen sie aus und machen mit Charme dem Museumspublikum das Angebot, auf Beuys einzusteigen.

Samstag, früher Abend, bei Beuys: Die „Cicerone“ sind unter uns! Sie sind jung und gut informiert. Sie haben ein feines Gespür für die Fragezeichen in den Gesichtern der Kunstsammlungsbesucher und die Lizenz zum unaufdringlichen, spontanen Aufklären. Die rote Rose, Beuys’ Zeichen für direkte Demokratie, baumelt um ihren Hals. Sie wollen nicht belehren, sie sind auf Austausch aus, bieten Hintergründe an, Ideen-Futter, nehmen Hemmschwellen, öffnen Augen für ihren Blick auf die Installationen und Zeichnungen des ebenso vielschichtigen wie polarisierenden Ausstellungshelden.

16 Studentinnen- und Studenten der Kunstgeschichte aus Düsseldorf, Bonn, Köln und Bochum schwärmen jeden Samstag von 18 bis 21 Uhr in der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz in Düsseldorf aus und machen mit individuellem Charme dem Museumspublikum, insbesondere jungen Besuchern, das Angebot, auf Beuys einzusteigen.

Mit der intensiven Auseinandersetzung kam der Wandel

Michael Stockhausen (mit dem Magister-Thema Gerhard Richter) ist einer von ihnen. Um Beuys habe er früher einen Bogen gemacht, eher einen negativen Geruch in der Nase gehabt wegen seiner Materialen wie Fett und Co., gesteht der Student aus Bonn. Mit der intensiven Auseinandersetzung kam der Wandel im (Vor-)Urteil. „Die unglaubliche gedankliche Tiefe“, die vielen Bezüge, ob religiös, philosophisch, ökologisch, politisch und die grundsätzliche Erdung des Künstlers beeindrucken ihn jetzt. Seine frühere Skepsis hilft ihm beim Vermitteln. „Das kann ich auch! Der hat doch alle nur an der Nase herumgeführt...!“ Besucher mit dieser Haltung sind eine besondere Herausforderung. „Wenn diese Leute sich dann dennoch auf ein Gespräch einlassen, einem langsam folgen und sich nachher für die Erkenntnisse bedanken“, dann macht die (Vermittler-)Kunst erst richtig Spaß - und ist zudem ein guter Praxis-Test für den möglichen beruflichen Ernstfall für Kunsthistoriker.

Hintergrund zur Honigpumpe

Teilt sich Beuys ohne Beuys also nicht mit? „Werke wie das Rudel“, sagt Lucia Wolf, „erklären sich eher selbst“. Andere, wie etwa die Aktionsrelikte der Honigpumpe am Arbeitsplatz, „gewinnen, werden voller, wenn sie nicht erklärt, vielmehr mit Hintergrundinformationen beleuchtet werden.“ Eine Besucherin ist der 25-Jährigen, die soeben über Maurizio Cattelan ihre Magisterarbeit geschrieben hat, besonders im Gedächtnis geblieben. „Sie schwärmte von diesem wunderbaren Mann wie ein Teenager, der einen Star anhimmelt.“ Pro oder kontra: Unvoreingenommene Ausstellungsbesucher sind die Ausnahme, weiß die „Cicerone“ aus Erfahrung.

Julia Baumgartl macht gerade auf die besondere Anziehungskraft von Beuys’ Filzanzug aufmerksam. Der Kunstfreund an ihrer Seite ist mit seiner Frau eigens aus Belgien angereist, um sich die Schau anzusehen und freut sich über die Erläuterungen in Englisch unmittelbar am Objekt und das lockere Eingehen auf im Moment aufkommende Fragen: Warum ist der Anzug so hoch angebracht, dass wir nicht dran können?“

Der Künstler bedarf der Diskussion

Beuys bedarf der Diskussion, da ist die 28-Jährige sicher. Und ihr Kollege Michael Stockhausen bezieht sich auf den Meister selbst, wenn er sagt: „Das einzige Zeichen, das der Kunst entspricht, ist das Fragezeichen.“

Die für das Projekt Beuys an NRW-Hochschulen rekrutierten „Cicerone“ (antiker Begriff für Fremdenführer) sind eine Antwort der Kunstsammlung auf die von Direktorin Marion Ackermann ausgerufene Betonung der Bildungsarbeit des Hauses. In einem Vorbereitungsseminar haben sich die Kunsthistoriker über Beuys und das Konzept der Ausstellung schlau gemacht, zudem den Schamanen aus der Sicht seines Jüngers Johannes Stüttgen kennen gelernt und schließlich den eigenen Zugriff erarbeitet. Rund 70 000 Neugierige hat Beuys bislang angelockt. Auch für alle Künftigen gilt: Wer mehr weiß, sieht mehr!

Ulrike Merten

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Kommentare
15.12.2010
09:47
Studenten machen in Düsseldorf Lust auf Beuys
von Michael Stockhausen | #2

Sehr geehrter RitchieBoy

Dass Beuys (Kunst) noch heute polarisiert, wie Ihr Kommentar zeigt, findet ein braver Student bemerkenswert und beruhigend für sein Studium.
Ich lade Sie herzlich ein, am Samstag in die Ausstellung zu kommen (16:00 Uhr) und Beuys Dilettantismus und ein Minimum an Aufwand und Ideen zu entdecken.
Finde Kritik wichtig und spannender als dieses Ja Ja Ja Ja Ja, Nee Nee Nee Nee Nee
Bis Samstag, freu mich!

14.12.2010
16:14
Studenten machen in Düsseldorf Lust auf Beuys
von RitchieBoy | #1

Joseph Beuys steht für Dilettantismus und ein Minimum an Aufwand und Ideen. Brave Studenten der Kunstgeschichte würdigen diesen Antikünstler, der mit seinen sogenannten Ideen der Türöffner gewesen ist für Geröll und Gerümpel, welches heute in vielen Museen in Deutschland dem ahnungslosen Laienpublikum als Kunst präsentiert wird.

Und das die meisten Menschen sich von diesem Schmierentheater abwenden interessiert auch kaum noch jemand!

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