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Kö-Bogen

Streit um Umleitung der Linie 715 vorbei an der Altstadt

19.02.2010 | 12:18 Uhr
Streit um Umleitung der Linie 715 vorbei an der Altstadt

Düsseldorf. Der Streit um die Verkehrsumleitungen wegen der Großbaustelle Kö-Bogen nimmt kein Ende. Erst wetterten Kritiker gegen eine provisorische Straße durch den Hofgarten, jetzt regen sich Grüne und SPD auf, weil die Straßenbahn-Linie 715 bald nicht mehr durch die Altstadt fährt.

Die Baustellen zur Realisierung dieses 300-Millionen-Euro-Jahrhundertprojektes in der Düsseldorfer Innenstadt stellen alle verkehrsteilnehmer auf die Geduldsprobe. Auf die Nerven ging Baumschützern und Bürgern zuletzt eine provisorische Baustraße im Hofgarten. Nun kritisieren SPD und grüne, dass die Straßenbahnlinie 715 der Rheinbahn vorerst nicht mehr durch die Altstadt fahren soll.

Kein Anschluss wegen Bau des Tunnel-Deckels

Der Grund ist ein kurzes Stück Gleis, das stört. Am Jan-Wellem-Platz müssen die Schienen, die vom Jan-Wellem-Platz in die Kaiserstraße führen, wegen des Deckelbaus für den Ost-West-Autotunnel entfernt werden. Doch ohne Linksabbiegespur wird die Trasse für die Linien 715 und 706 gekappt. Kein Anschluss!

Deshalb wird voraussichtlich am 8. März die Linienführung verändert. Die 706 (Richtung Brehmplatz) fährt ab Jan-Wellem-Platz geradeaus über Schadowstraße, Jacobistraße, Duisburger Straße. Die Linie 715 (Unterrath-Eller) wird nicht mehr die Haltestellen Graf-Adolf-Platz, Benrather Straße und Heinrich-Heine-Allee anfahren. Sie macht einen großen Bogen um die Altstadt und wird über die Berliner Allee umgeleitet. Eine entsprechende Informationsvorlage erhielt die Politik für die Sitzung des Ordnungs- und Verkehrsausschusses am kommenden Mittwoch (16 Uhr, Rathaus, Marktplatz).

Die einzige Niederflurbahn von Eller in die City

Die 715 muss der Baustelle ausweichen.

„Das ist eine Frechheit”, moniert Ausschussvorsitzender Martin Volkenrath (SPD). „Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt.” SPD-Ratsherr Harald Walter betont, dass die 715 die einzige Niederflurbahn aus Eller in die Altstadt sei und gerade für Gehbehinderte die einzige Möglichkeit sei, problemlos das Herz der City zu erreichen.

Auch die Grünen wollen auf die Altstadt-Verbindung nicht verzichten. Die Linienführung der 715 soll so lange wie möglich aufrecht erhalten werden. „Wir haben in der Vergangenheit schon mehrere Vorstöße der Verwaltung verhindert.”

In der Tat ist die 715 dem städtischen Verkehrsdezernat ein Dorn im Auge. Sie sorgt auf der nur einspurigen Benrather Straße , wo sich der U-Dax für den Bau der Wehrhahnlinie breit macht, für zusätzliche Staus. Insofern wäre die Verwaltung nicht unglücklich darüber, wenn die jetzige Umleitung von Dauer sein würde.

Muss sie aber nicht. Theoretisch könnte die alte Linienführung zum Ende des Jahres mit der Fertigstellung des Tunneldeckels am Jan-Wellem-Platz wieder hergestellt werden. Dann lässt sich das fehlende Gleisstück wieder einbauen.

Neue U-Bahn verdrängt 2014 City-Straßenbahn

Aber spätestens nach Fertigstellung der neuen U-Bahn-Strecke im Jahre 2014 wird man sich von der „liebgewordenen Linie” durch die Altstadt verabschieden müssen, erklärt der Verkehrsexperte der CDU, Andreas Hartnigk. Eine Paralleltrasse oberhalb der Wehrhahnlinie kommt für ihn nicht in Frage.

Das sehen Grüne und SPD anders. Sie stellen einen Prüfantrag für eine City-Linie zwischen Heinrich-Heine-Allee, Graf-Adolf-Platz und Hauptbahnhof.

Kommentar zum Thema

Michael Mücke

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Kommentare
22.02.2010
22:24
Streit um Umleitung der Linie 715 vorbei an der Altstadt
von Netzfan | #5

@ruetzc

Man sollte den Text genauer lesen. Man will nicht die ganze Strecke erhalten. Sondern nur den Teil, zwischen Jan-Wellem-Platz und Graf-Adolf- Platz. Der Rest würde dann dennoch stigelegt werden. So würde man zumindest noch die Altstadt mit der 715 und eventuell mit der 706 erreichen können.
Und solche kurzen Paralellstrecken, gibt es auch in Berlin zur U-Bahn und auch in München. Düsseldorf vergleicht sich ja gerne mit solchen großen Städten, von daher kann man dann auch im ÖPNV von denen lernen.

22.02.2010
18:32
Streit um Umleitung der Linie 715 vorbei an der Altstadt
von lobotomie auf kassenrezept | #4

Andere Städte, wie z.B. Duisburg bereuen mittlerweile bitter, die Straßenbahn aus der Innenstadt verbannt zu haben. Die Königstraße dort nach 20:00 Uhr gleicht einer Einkaufszone in der tiefsten Provinz. Sie ist menschenleer wie in einem Endzeitfilm. Insbesondere das Sicherheitsgefühl der Menschen leidet darunter.
Nun drohen in Düsseldorf abends nicht gerade verwaiste Straßen, doch geht ein Stück Lebenskultur mit der Straßenbahn in der Innestadt verloren. Aber in solchen Dimensionen denken Politiker ja nicht, es sei denn, die Haltestelle vor ihrer eigenen Haustüre wäre betroffen.

19.02.2010
20:38
Streit um Umleitung der Linie 715 vorbei an der Altstadt
von ruetzc | #3

Schade, dass die NRZ unvollständig berichtet:
Die CDU im Rathaus Eller hat als erste gegen die geplante neue Linienführung protestiert. Im B-Plan Kö-Bogen wurde ausgeführt, dass bis 2014 (Inbetriebnahme Wehrhahnlinie) die 715 wie bisher aus der Altstadt nach Norden abbiegen kann. Es verwundert schon, warum dies nun nicht der Fall sein soll.

Wir setzen uns dafür ein, dass bis zur Fertigstellung der Wehrhahnlinie auch Hochbahnsteige an der Vennhauser Allee, Schlesischen Straße (stadteinwärts) und Lierenfeld Btf gebaut werden, damit die Altstadt über die Stadtbahn U75 erreichbar bleibt.

Der SPD-Vorschlag eines oberirdischen Parallelverkehrs zur Wehrhahnlinie ist allerdings eine echte Schnapsidee. Für Millionen Euro eine U-Bahn, um die gleichen Strecken dann oberirdisch zu bedienen?? Zudem würde der Vorschlag bedeuten, dass die bisherigen Straßenbahnverkehrsflächen nicht ansprechend neu gestaltet werden könnten.

19.02.2010
14:56
Streit um Umleitung der Linie 715 vorbei an der Altstadt
von RK | #2

Liebe beteiligte Politikerinnen und Politiker, Sie wollen uns doch wohl nicht erzählen, dass die nach 2014 dauerhafte Umlegung einiger Linien, (715 und 706) und die fehlende Möglichkeit die Altstadt weiter zu bedienen Ihnen neu ist.

Jeder, der das Projekt Wehrhahnlinie seit Anbeginn verfolgt hat, mußte wissen, dass die Altstadt frei von Straßenbahnen sein wird.

Es war doch stets erklärtes Ziel und anderem den sehr beengt fahrenden Altstadtverkehr endlich los zu sein und dort die Fläche nur den Fußgängern zur Verfügung zu stellen.

Wo haben Sie bitte die letzten 15-20 Jahre gelebt oder geschlafen, wenn Ihnen das jetzt erst auffällt?

Bezüglich Kö-Bogen mag möglicher Weise nicht ausreichend informiert worden sein.

Andererseits mußte auch hier jeder, der die Planungen von Herrn Libeskind und Bauabschnitt 2 gesehen hat und halbwegs Vorstellungsvermögen besitzt wissen bzw. erkennen, dass bereits mit Baubeginn Einschränkungen möglich sein werden.

Es ist Ihr Job liebe Kommunalpolitiker, sich mal etwas vorbildlicher im Sinne der Bürgerinnen und Bürger mit Projekten zu befassen, anstatt loszubrüllen, wenn die Fakten geschaffen sind.

19.02.2010
09:58
Streit um Umleitung der Linie 715 vorbei an der Altstadt
von RoteSocke | #1

15 Meter Gleis sollen beim Tunnelbau im Weg sein? Dann müsste aber auch der Tausendfüßler weg, weil der dicht neben dem Gleiskörper steht.

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