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Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf

22.09.2010 | 18:20 Uhr
Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf
Eine Gaslaterne an der Kiefernstraße in Düsseldorf-Flingern. Die Stadt will 1.400 Standartgasleuchten austauschen. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

Düsseldorf.Die Bürgerinitiative „Pro Gaslicht“ um Prominente wie Gabriele Henkel macht gegen die Pläne der Stadt aktiv, 1400 Gaslaternen abzuschalten. Die Leuchten seien, so die Stadt, zu teuer und benötigen zudem leicht radioaktive Glühstrümpfe aus Indien.

Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

Die Stadt Düsseldorf will in den nächsten fünf Jahren 1400 Gaslaternen abschalten und für den Elektrobetrieb umrüsten. Der jetzt vorgelegte Masterplan “Energieeffiziente Straßenbeleuchtung“ für die sieben Millionen Euro teure Umstellung stößt bei der Bürgerinitiative „Pro Gaslicht“, die von Prominenten wie Gabriele Henkel tatkräftig unterstützt wird, auf heftigen Widerstand.

Würde der Rat dieses Vorhaben Ende des Jahres beschließen, dann verschlechtern sich die Chancen, Düsseldorfs einmaliges Netz von 16.800 Gaslaternen in die Unesco-Denkmalliste eintragen zu lassen.

„Der kulturelle Wert ist nicht geklärt“

Initiativen-Sprecher Georg Schumacher bemängelt, dass im Masterplan, der in den kommenden Wochen in Ausschüssen und Bezirksvertretungen diskutiert wird, „der kulturelle Wert der Gaslaternen nicht geklärt wurde“. Er forderte eine „zweijährige Denkpause“, bevor über das Schicksal der Gas-Laternen entschieden werde. In der Zwischenzeit will sich die Initiative weiter für ein „Weltkulturerbe“ stark machen..

Und: Die Stadt sollte an anderer Stelle mit der Modernisierung der Straßenbeleuchtung beginnen. „Wir haben genauso viele veraltete elektrische Laternen, die man bald mit besonders sparsamen Leuchtdioden ausstatten kann“, betonte Schumacher, der auf ein entsprechendes Pilotprojekt in Wien verweist. Das wäre um ein Vielfaches ökologischer, als jetzt Gaslaternen durch Natriumdampfhochdrucklampen zu ersetzen, die wegen der rasanten LED-Entwicklung bereits in einigen Jahren technisch überholt seien, so der Sprecher.

Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

Zudem wäre eine Umrüstung der Elektro-Leuchten deutlich preisgünstiger, weil keine Erdleitungen ausgetauscht und damit keine Straßen aufgerissen werden müssen. Die Umstellung von Gas auf Strom sei dagegen „ökonomischer Unsinn“. Zudem würden die Anlieger zur Kasse gebeten. An Wohnstraßen müssten sie gar 50 Prozent der Kosten selbst tragen.

Die Stadt will langfristig nur die historischen Gaslaternen vom Typ „Alt Düsseldorf“ und „Modell Frankfurt“ erhalten. Lampen in der Altstadt, in der City und in alten Gründerzeit-Wohnvierteln sind nicht auf der ersten Streichliste. Betroffen sind 63 Straßenzüge in Flingern, Niederkassel, Lohausen, Rath, Mörsenbroich, Grafenberg, Gerresheim, Lierenfeld, Holthausen, Benrath, Bilk und Golzheim.

Nur ein Importeur für die Glühstrümpfe aus Indien

Ein wesentliches Argument der Umrüstungsbefürworter: Der Betrieb der Gaslaternen sei zu teuer. Obwohl sie nur etwas mehr als ein Viertel der Stadtbeleuchung ausmachen, liegt deren Anteil an den Energiekosten bei über 50 Prozent (im Jahr 2008: über 3,8 Millionen Euro). Außerdem muss Düsseldorf jährlich 80.000 „Glühstrümpfe“ aus Indien importieren. Aber wie lange produziert der weltweit einzige Hersteller noch? Auf Vorrat kann nicht eingekauft werden, weil eine Lagerung zu großer Mengen hier verboten ist. Der Grund: Die Strümpfe bestehen aus aus schwach radioaktiven Thoriumoxid.

Michael Mücke

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Kommentare
30.11.2010
20:58
Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf
von Gaslicht-Fan | #10

Wer hat denn das Argument mit der Strahlung ausgepackt?
Die Stadtwerke haben extra einmal die Strahlung im Glühkörperlager messen lassen - kaum nachweisbar, weit unterhalb irgendwelchen Grenzwerten!!
Darüberhinaus ist das alles kalter Kaffee: Es gibt in Düsseldorf schon Glühkörper im Einsatz, die völlig ohne Thorium hergestellt sind.
Damit dürfte das Thema als Argument abgeschlossen sein.

30.09.2010
11:49
Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf
von Szenekenner | #9

Zitat : Die Keule der Radioaktivität wird von ...

Es mag zutreffen das ein Pfund Kaffee eine höhere
radioaktive Strahlung hat als Glühkörper. Was den Import nach Deutschland betrifft ist anzumerken das es sich um Gefahrgut der Klasse 7 handelt, Untergruppe UN2909. Das bedeutet, das zwar nicht alle Bestimmungen in Bezug auf den Transport von Gefahrgut Anwendung finden - aber finden Sie erstmal einen Transporteur der nicht gleich bei Nennung der Gefahrgutklasse abwinkt. Insgesamt verteuert das den Tranport erheblich mit dem Resultat, das die Preise für die Glühkörper entsprechend hoch sind. Dazu kommt, dass Indo als einziges Unternehmen weltweit diese Dinger produziert.
(Veritas Malta und andere wurden ebenfalls von Indo aufgekauft und eingestampft) Und diese Position nutzt man s c h a m l o s aus.

23.09.2010
19:29
Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf
von michaalb | #8

Erstaunlich, wie umweltfreundlich unsere momentane Stadtregierung denkt, wenn es darum geht, Historie zu beerdigen.

Mein Vorschlag: Gaslaternen weg - und dafür gaanz kleine Bürotürmchen mit LED-Beleuchtung auf dem Dach bauen.

Tausendfüßler, Straßenbahndepot Steinberg, Gaslaternen - alles Schrott von gestern - zumindest nach Ansicht unseres OBs und Co.

Ach, lasst uns doch am besten die Innenstadt komplett einreißen, um dort schicke Büro- und Appartementsbauten zu errichten. Aber dann soll bitte das Rathaus zuerst abgerissen werden.

23.09.2010
18:38
Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf
von Fernzünder | #7

Die Keule mit der Radioaktivität wird von den Gaslicht-Gegnern immer gern geschwungen, wenn andere Argumente ausgehen. Tatsache ist: 1 Pfund Kaffee hat mehr radioaktive Strahlung als ein Glühkörper. Die Einfuhr wurde schon vor Jahren von der zuständigen Bundesbehörde genehmigt. Die Dinger sind völlig unbedenklich, wenn man sie nicht zusammen mit dem Frühstück in eine Brotbüchse packt. Und der Abfall (verbrannte Glühkörper-Asche) von etwa 1 Kilogramm jährlich passt in eine kleine Schachtel. Interessant, dass man das Thema umweltschädlicher Rückstände bei den Elektroleuchten nicht thematisiert. Dieser Abfall von Elektroschrott, teilweise mit Quecksilber und anderen Stoffen belastet, fällt jedes Jahr mit mehreren Tonnen an. Die Entsorgung kostet einen Haufen Geld.

23.09.2010
15:29
Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf
von kritischer beobachter | #6

Im Jahr 2004 wurde die letzte in Deutschland verbliebene Glühstrumpfproduktion der Berliner Firma MSA AUER GmbH an die indische Firma Indo, eine Tochter des Konsortiums Prabhat Udyog Limited, verkauft und die Produktion nach Indien verlagert. Indo bietet sowohl radioaktive als auch nicht-radioaktive Glühstrümpfe an.
Auf Vorrat kann nicht eingekauft werden, weil eine Lagerung zu großer Mengen hier verboten ist. Der Grund: Die Strümpfe bestehen aus aus schwach radioaktiven Thoriumoxid. Da ist offenbar etwas nicht bekannt, oder?
aus http://de.wikipedia.org/wiki/Glühstrumpf

23.09.2010
15:21
Blockierter Kommentar.
von dieZecke | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.09.2010
14:50
Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf
von Schwafheimer | #4

Ich möchte auch Gaslaternen, aber nicht in Düsseldorf, lieber in Schwafheim. :)

23.09.2010
13:48
Stadt will Laternen abschalten
von Cunera | #3

Ja ja, das liebe Geld. Heute gilt nur der schelle Euro. Keiner macht was extra ohne zu fragen was für ihn dabei rausspringt. Mich kostet dieser Brief Zeit. Und ein bischen Strom. Meine Vorschreiber auch. Wir bekommen nichts dafür und machen es trotzdem - vielleicht weil wir einigen Leuten aus der Seele reden. Gasbeleuchtung ist halt teurer - na und? Dafür ist es fast einzigartig in Deutschland überhaupt noch so etwas zu haben. Wer daran rüttelt kann kein Düsseldorfer sein. Oder hat kein Traditionsbewusstsein. So oder so sollte er schnellstens ausgewechselt werden - wie ein defekter Glühstrumpf.

23.09.2010
13:16
Stadt will Laternen abschalten
von Friedlicher Nachbar | #2

Ich komme nicht aus Düsseldorf aber es ist immer wieder ein Erlebnis diese Gasbeleuchtung die es in meiner Kindheit auch in der Stadt gab, in der ich lebe, zu sehen.
Ich kann nur sagen: Leute, kämpft um euer Gaslicht - wenn´s einmal weg ist kommt es nie wieder!
Interessant übrigens die Bemerkung über die Glühstrümpfe - radioaktiven Müll kann man überall verbuddeln und versenken, kräht kein Hahn nach- aber so ein paar Glühstrümpfe verpesten angeblich die Umwelt - verlogener geht´s nicht

23.09.2010
03:03
Stadt will Laternen abschalten
von Lobotomie auf Kassenrezept | #1

Hat eigentlich schon jemand von den Energiespardogmatikern bemerkt, daß die Gaslaternen ein Stück Lebensqualität bedeuten? Im Gegenatz zu anderen Lichtquellen wirkt das Gaslicht behaglicher und angenehmer. Ich möchte kein schnödes Metalldamplampenlicht in meiner Straße haben. So wird es bestimmt auch vielen anderen Düsseldorfern gehen.

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