Streit um 1400 Gaslaternen in Düsseldorf

Eine Gaslaterne an der Kiefernstraße in Düsseldorf-Flingern. Die Stadt will 1.400 Standartgasleuchten austauschen. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
Eine Gaslaterne an der Kiefernstraße in Düsseldorf-Flingern. Die Stadt will 1.400 Standartgasleuchten austauschen. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool
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Düsseldorf.. Die Bürgerinitiative „Pro Gaslicht“ um Prominente wie Gabriele Henkel macht gegen die Pläne der Stadt aktiv, 1400 Gaslaternen abzuschalten. Die Leuchten seien, so die Stadt, zu teuer und benötigen zudem leicht radioaktive Glühstrümpfe aus Indien.

Die Stadt Düsseldorf will in den nächsten fünf Jahren 1400 Gaslaternen abschalten und für den Elektrobetrieb umrüsten. Der jetzt vorgelegte Masterplan “Energieeffiziente Straßenbeleuchtung“ für die sieben Millionen Euro teure Umstellung stößt bei der Bürgerinitiative „Pro Gaslicht“, die von Prominenten wie Gabriele Henkel tatkräftig unterstützt wird, auf heftigen Widerstand.

Würde der Rat dieses Vorhaben Ende des Jahres beschließen, dann verschlechtern sich die Chancen, Düsseldorfs einmaliges Netz von 16.800 Gaslaternen in die Unesco-Denkmalliste eintragen zu lassen.

„Der kulturelle Wert ist nicht geklärt“

Initiativen-Sprecher Georg Schumacher bemängelt, dass im Masterplan, der in den kommenden Wochen in Ausschüssen und Bezirksvertretungen diskutiert wird, „der kulturelle Wert der Gaslaternen nicht geklärt wurde“. Er forderte eine „zweijährige Denkpause“, bevor über das Schicksal der Gas-Laternen entschieden werde. In der Zwischenzeit will sich die Initiative weiter für ein „Weltkulturerbe“ stark machen..

Und: Die Stadt sollte an anderer Stelle mit der Modernisierung der Straßenbeleuchtung beginnen. „Wir haben genauso viele veraltete elektrische Laternen, die man bald mit besonders sparsamen Leuchtdioden ausstatten kann“, betonte Schumacher, der auf ein entsprechendes Pilotprojekt in Wien verweist. Das wäre um ein Vielfaches ökologischer, als jetzt Gaslaternen durch Natriumdampfhochdrucklampen zu ersetzen, die wegen der rasanten LED-Entwicklung bereits in einigen Jahren technisch überholt seien, so der Sprecher.

Zudem wäre eine Umrüstung der Elektro-Leuchten deutlich preisgünstiger, weil keine Erdleitungen ausgetauscht und damit keine Straßen aufgerissen werden müssen. Die Umstellung von Gas auf Strom sei dagegen „ökonomischer Unsinn“. Zudem würden die Anlieger zur Kasse gebeten. An Wohnstraßen müssten sie gar 50 Prozent der Kosten selbst tragen.

Die Stadt will langfristig nur die historischen Gaslaternen vom Typ „Alt Düsseldorf“ und „Modell Frankfurt“ erhalten. Lampen in der Altstadt, in der City und in alten Gründerzeit-Wohnvierteln sind nicht auf der ersten Streichliste. Betroffen sind 63 Straßenzüge in Flingern, Niederkassel, Lohausen, Rath, Mörsenbroich, Grafenberg, Gerresheim, Lierenfeld, Holthausen, Benrath, Bilk und Golzheim.

Nur ein Importeur für die Glühstrümpfe aus Indien

Ein wesentliches Argument der Umrüstungsbefürworter: Der Betrieb der Gaslaternen sei zu teuer. Obwohl sie nur etwas mehr als ein Viertel der Stadtbeleuchung ausmachen, liegt deren Anteil an den Energiekosten bei über 50 Prozent (im Jahr 2008: über 3,8 Millionen Euro). Außerdem muss Düsseldorf jährlich 80.000 „Glühstrümpfe“ aus Indien importieren. Aber wie lange produziert der weltweit einzige Hersteller noch? Auf Vorrat kann nicht eingekauft werden, weil eine Lagerung zu großer Mengen hier verboten ist. Der Grund: Die Strümpfe bestehen aus aus schwach radioaktiven Thoriumoxid.