Stornierungen nach dem Schock

Die Menschen am Airport haben ihre Gedanken auf Zettel geschrieben und an eine Pinnwand geklebt.
Die Menschen am Airport haben ihre Gedanken auf Zettel geschrieben und an eine Pinnwand geklebt.
Foto: Siegel
Was wir bereits wissen
Zahlreiche Umbuchungen in Düsseldorfer Reisebüros. Oberbürgermiester Geisel liest am Freitag beim Gottesdienst Fürbitten.

Düsseldorf..  Zwei Tage nach dem Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525: Es ist ein ruhiger Tag am Flughafen. Die Fahnen hängen auf Halbmast. Schwarze Trauerschleifen überall. In der Abflughalle B haben Menschen Kerzen aufgestellt. Sie haben ihre Gedanken auf Zettel geschrieben und an eine Pinnwand geklebt. Passagiere bleiben stehen und halten inne. Um 10.53 Uhr wird zur Schweigeminute aufgerufen. Am Airport gibt es eine Durchsage, mit der Einladung, sich daran zu beteiligen. Alle bleiben stehen. Schließen die Augen. Halten sich in den Armen.

Nur einer von vielen bewegenden Momenten an diesem Vormittag. Als eine Stewardess von Germanwings Blumen ablegt, erstarren die Umstehenden. Die Frau hat Tränen in den Augen. „Es ist so schlimm“, sagt ein älterer Mann zu seiner Frau, die nur noch nickt und ihren Blick dann schnell abwendet.

Seelsorger machen weiter ihre Arbeit

Zu diesem Zeitpunkt wussten die Menschen Airport noch nicht, dass das Flugzeug bewusst zum Absturz gebracht worden war. Eine Kabinenchefin der Lufthansa aus Düsseldorf sagt später fassungslos zur NRZ: „Die Sicherheitstür zum Cockpit sollte uns schützen. Jetzt hat sie ein Flugzeug ins Verderben gestürzt.“

Nach dem Schock kamen die Stornierunngen: Die Telefone in den Reisebüros standen gestern nicht still. Es gab massenweise Umbuchungen. Eine Mitarbeiterin des „Derpart City Reisebüros“ an der Berliner Allee berichtete von „zahlreichen Anrufen“. Viele Kunden würden „lieber auf eine andere Airline umsteigen“.

Gestern hat der Krisenstab am Airport, der unmittelbar nach dem Absturz eingerichtet worden war, seine Arbeit eingestellt. Geschulte Spezialkräfte des Flughafens, der Fluggesellschaft sowie der Stadt hatten seit Dienstag Angehörige der Opfer im Sicherheitsbereich des Airports abgeschirmt von der Öffentlichkeit psychologisch betreut. Ab jetzt werden ankommende Angehörige seelsorgerisch von Fachleuten der Airlines außerhalb des Flughafens weiter betreut.

Wie berichtet haben die Katholische und die Evangelische Kirche in Düsseldorf heute zum Gedenkgottesdienst für die Opfer der Katastrophe eingeladen. Der Gottesdienst findet um 18.30 Uhr in der Basilika St. Lambertus am Stiftsplatz statt und wird von Superintendentin Henrike Tetz und Stadtdechant Rolf Steinhäuser geleitet. Oberbürgermeister Thomas Geisel wird eine Fürbitte halten.

Das Kondolenzbuch, das nach dem Absturz im Rathaus, Marktplatz 2, Erdgeschoss, für alle Bürger ausgelegt wurde, bleibt auch am kommenden Wochenende zugänglich, teilte die Stadt gestern mit. Samstag und Sonntag von zehn bis 16 Uhr können Menschen dort ihr Beileid bekunden. Das Kondolenzbuch, das im Terminal ausliegt, wird zur kommenden Woche in den Gedenkraum auf der Galerieebene des Terminals gebracht, so dass dort weiterhin das Mitgefühl mit den Opfern ausgedrückt werden kann.