Stellvertreter wollen Düsseldorfer CDU-Chef loswerden

Gegenwind gibt es  für CDU-Chef Thomas Jarzombek aus dem geschäftsführenden Vorstand der Düsseldorfer CDU.
Gegenwind gibt es für CDU-Chef Thomas Jarzombek aus dem geschäftsführenden Vorstand der Düsseldorfer CDU.
Foto: WAZ
Wenn am 22. Juni die Christdemokraten ihre Parteispitze wählen, wird es spannend: Die beiden Stellvertreter von Parteichef Jarzombek unterstützen Herausforderin Leinenbach.

Düsseldorf..  Ein Jahr nach der Kommunalwahl, bei der die CDU nach 15 Jahren die Macht im Rathaus verlor, zeigt sich die Spitze des Düsseldorfer Kreisverbands tief gespalten: Wenn die Delegierten in dreieinhalb Wochen ihre Parteispitze wählen, bekommt Thomas Jarzombek, Bundestagsabgeordneter und seit Januar 2014 Parteichef, heftigen Gegenwind. Nicht nur, weil er mit Heidrun Leinenbach eine Gegenkandidatin hat. Auch seine beiden Stellvertreter rücken von ihm ab.

„Thomas Jarzombek ist ein guter Bundestagsabgeordneter“, sagt seine Parlamentskollegin und Stellvertreterin Sylvia Pantel. Aber an der Parteispitze möchte die Chefin der Düsseldorfer Frauen Union dann doch lieber eine Frau sehen: „Ich unterstütze Heidrun Leinenbach.“ Die bringe als Führungskraft bei den Stadtwerken Managementqualitäten mit, sei motiviert und vor allem unabhängig von jeglichen Lagerkämpfen in der Partei. „Zusammenhalt ist genau das, was die CDU jetzt braucht“, ist Pantel überzeugt. Schließlich gehe es darum, sich in Düsseldorf in dieser schwierigen Phase wieder zurechtzufinden und sich für die 2017 anstehenden Wahlen ordentlich aufzustellen.

Genau das hat sich Leinenbach, Senior-Projektleiterin bei den Stadtwerken und Geschäftsführerin des Venetien-Clubs, vorgenommen: „Die Partei benötigt dringend einen neuen Aufschwung“, begründete sie ihre Kampfkandidatur. Die CDU müsse zu ihren ursprünglichen Stärken zurückfinden: Geschlossenheit, gemeinsame Vision, klare Linie. Mit dieser Botschaft ist sie seit Wochen bei der Parteibasis unterwegs, um sich bekannt zu machen und für sich zu werben.

Auch Jarzombek (42) ist bei vielen Terminen in Düsseldorf unterwegs - vom Schützenfest bis zum Pfingstempfang des CDU-Mittelstands. Er verweist auf viele neue Formate, bei denen die Basis mitdiskutieren kann - wie bei dem vierten Düsseldorfer Abend, bei dem jüngst Polizeipräsident Norbert Wesseler, immerhin SPD-Mitglied, Rede und Antwort stand. Doch manchen an der Basis reicht das nicht. Denn Jarzombeks Lebensmittelpunkt sei inzwischen in Berlin, ist oft zu hören, dort leben seine Lebensgefährtin und sein kleiner Sohn.

Auch Peter Preuß, ebenfalls Vize-Parteichef und seit vielen Jahren Vorsitzender des Düsseldorfer CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, will sich auf dem Parteitag nicht für Jarzombek erklären. Ein Grund ist, dass beide im Januar 2014 für den Parteivorsitz kandidiert hatten. „Aber ich sehe auch sonst keinen Anlass, so zu tun, als sei alles in Ordnung“, sagt Preuß. So gebe es nach der verlorenen Kommunalwahl viel Unzufriedenheit. Es fehlten außer dem Zusammenhalt eine klare Strategie und „vernünftige Oppositionsarbeit mit entsprechender Zuspitzung“. Die CDU müsse klar machen, dass sie es besser könne als die Ampel-Mehrheit im Rat. Und Leinenbach? „Eine tolle Kandidatin mit ordentlichem beruflichen Hintergrund“, sagt Preuß. „Die kann eine Partei managen.“

Falls es Leinenbach, was viele vermuten, nicht an die Spitze schafft, könnte sie einen Vize-Posten beanspruchen. Nicht ausgeschlossen ist, dass dies auf Pantels Kosten gehen wird. „Das nehme ich in Kauf, werde sie trotzdem unterstützen“, betont Pantel.

Die CDU in Düsseldorf hat etwa 3200 Mitglieder, zum geschäftsführenden Vorstand gehören der Vorsitzende Thomas jarzombek, seine Stellvertreter Sylvia Pantel und Peter Preuß, Schatzmeister Jens Petersen und Geschäftsführer Bernhard Herzog. Im Stadtrat stellt die CDU mit 31 Mandaten die größte Fraktion, ist aber in der Oppositionsrolle. Mit Friedrich Conzen stellt sie einen der Bürgermeister. (dr)

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