Stammzellen aus Düsseldorf retten Brasilianer
03.08.2010 | 11:27 Uhr 2010-08-03T11:27:00+0200
Düsseldorf.Gabriel Santos ist sehr krank. Dank einer Stammzellspende aus der José-Carreras-Stammzellbank des Düsseldorfer Uniklinikums konnte sein Leben aber gerettet werden. Der 12-jährige Brasilianer bedankte sich jetzt bei seinem Spender.
Gabriel Santos hat überlebt. Dabei hatten ihm die Ärzte nur eine kurze Lebenserwartung gegeben. Er litt an einer angeborenen schweren Störung des Immunsystems (SCID). Zwei seiner Brüder hatte die teuflische Krankheit schon aus der Familie gerissen. Aber Gabriels Leben konnte gerettet werden. Dank einer Stammzellspende aus Nabelschnurblut der José-Carreras-Stammzellbank des Düsseldorfer Uniklinikums.
„Jetzt bin ich ein ganz normaler Junge“
„Eigentlich läuft die Spende anonym ab“, erklärt Gesine Kögler, Leiterin der Stammzellbank. Aber die brasilianische Familie aus Curitiba wollte unbedingt dem Lebensretter aus Deutschland danken. Und so wurde es möglich, dass der heute 12-jährige Gabriel gestern mit seiner Familie nach Düsseldorf an den Ausgangspunkt dieser besonderen Lebensgeschichte reiste und dort den 13-jährigen Spender Julian Blinne traf.
„Ich hätte mir seinerzeit nie träumen lassen, dass wir mit dem Nabelschnurblut ein Leben auf der anderen Seite der Welt retten können“, lacht Mutter Petra Blinne. Kurz vor Julians Geburt willigte sie ein, sein Nabelschnurblut zu spenden. Als beide Kinder noch Babys waren, schickte das Uniklinikum die passenden Stammzellen nach Brasilien. Gerade elf Monate war Gabriel bei der Transplantation.
Die Reise wird aus Spenden bezahlt
Ohne den vergleichsweise winzigen Eingriff hätte Gabriel, um zu überleben, in einer mikrobiologisch sterilen Umgebung leben müssen. Nun ist er „ein ganz normaler Junge“, wie er selbst sagt, der noch nicht einmal Medikamente braucht. Er spielt gern Basketball und ist von der fortschrittlichen Technologie in Deutschland begeistert. Neun Tage wohnt die brasilianische Familie nun bei den Blinnes. „Wir haben genug Platz“ lacht Petra Blinne. Die Hauptsache sei, dass sich die „Blutsbrüder“ kennen lernen könnten.
Die Reise der fünfköpfigen Familie Santos (Mama, Papa und drei Brüder) wird aus Spenden bezahlt, die in der Heimat-Gemeinde gesammelt wurden, wo Vater Santos als Pfarrer tätig ist. Zum Glück ist er bei der Regierung beschäftigt und hat eine Krankenversicherung, die die Transplantation bezahlte.
Gabriel ist das erste Kind in Lateinamerika, das gegen SCID mit einer Stammzellenspende auf Düsseldorf erfolgreich behandelt wurde. Nach ihm bekamen dann mittlerweile 190 Kinder im „Clinical Hospital“ von Curitiba eine Stammzelltransplantation. Darunter auch Gabriels kleiner Bruder André, der mit demselben Gendefekt auf die Welt kam.
„Vielleicht spiele ich dann auch Basketball“
Auf seine eingefrorenen Stammzellen kann der Spender Julian nun allerdings nicht mehr zurück greifen: „Die sind jetzt aufgebraucht“, erklärt Gesine Kögler. Die eigenen Stammzellen würden meist ohnehin nicht helfen, ergänzt Petra Blinne. Dafür hat sich zwischen Julian und Gabriel eine enge Freundschaft entwickelt. Im nächsten Jahr will Julian für fünf Wochen nach Brasilien reisen, das Land erkunden und Portugiesisch lernen. „Vielleicht spiele ich dann auch Basketball“, schmunzelt der Fußball-Fan.
Seit 1992 gibt es die José-Carreras Stammzellbank auf dem Gelände des Uniklinikums. Dort werden wertvolle Stammzelltransplantate aus Nabelschnurblut gewonnen, die vor allem bei Leukämie, genetischen- oder Stoffwechselerkrankungen eingesetzt werden. Über 18 800 aufbereitete Spenden werden derzeit an der Moorenstraße gelagert. Bisher wurden insgesamt 20 000 Transplantate an Patienten auf der ganzen Welt abgegeben.
Als erste Stammzellbank Deutschlands hat Düsseldorf die unbefristete Zulassung zur Herstellung eines Arzneimittels aus Nabelschnurblut bekommen.
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