Staatsanwaltschaft ermittelt gegen U-Bahn-Poliere
09.03.2010 | 12:16 Uhr 2010-03-09T12:16:00+0100
Düsseldorf.Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft im Düsseldorfer U-Bahn-Skandal gegen zwei namentlich bekannte Poliere des Bauunternehmens Bilfinger Berger. Sie sollen Bauprotokolle gefälscht haben.
Der Düsseldorfer U-Bahn-Skandal ist ein Fall für die Justiz geworden. Die Staatsanwaltschaft leitete am Montag ein Ermittlungsverfahren gegen zwei namentlich bekannte Poliere von Bilfinger Berger und gegen Unbekannte ein, weil sie technische Aufzeichnungen gefälscht haben sollen. Die Beschuldigten stehen unter Verdacht, Messprotokolle für die Schlitzwände an mehreren U-Bahnhof-Baustellen manipuliert zu haben. Den Verdächtigen droht im Falle einer Verurteilung eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft. Einer der Poliere ist auch in den Kölner U-Bahn-Skandal verwickelt.
Die beiden Sonderdezernenten der Staatsanwaltschaft, Uwe Kessel und Andreas Stüve, ließen sich am Montag bei einem Ortstermin an der U-Bahn-Baustelle das Messverfahren erklären. Dabei werden an den Greifern der Bagger, die die Schlitzwände bis zu 30 Meter senkrecht in die Tiefe lassen, Mess-Sensoren angebracht, mit denen kontrolliert werden soll, ob die Wände, die die Baugrube schützen sollen, nicht schief liegen. Toleriert wird nur eine Abweichung von 30 Zentimetern.
26 auffällige Protokolle vor Mai 2009 erstellt
Die Messdaten werden an ein Gerät am Steuerstand des Baggers weitergeleitet und mit Hilfe eines USB-Sticks später im Bau-Container gelesen. Nur dort, davon geht zurzeit die Staatsanwaltschaft aus, könnte es zu den Manipulationen gekommen sein.
„Wir wissen jetzt, wie das Verfahren funktioniert“, erklärt Johannes Mocken, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Allerdings ist seit Mai vergangenen Jahres eine neue Software eingeführt worden. Ob mit der alten auch Fälschungen möglich waren, muss jetzt untersucht werden. 26 der 27 auffälligen Messberichte wurden vor Mai 2009 erstellt.
Wie berichtet, soll ein Bauarbeiter das Fälschen von Protokollen eingeräumt haben. Da die Messgeräte gelegentlich ausgefallen seien, habe man aus Bequemlichkeit fehlende Daten per Hand eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft beginnt jetzt mit der Zeugenvernehmung.
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