Spiel’s noch mal, Seikyo: Die Eroica zum Schluss

Mit Beethovens „Eroica“ geht für die Symphoniker eine der erfolgreichsten Spielzeiten der vergangnen Jahre zu Ende. Nach bejubelten Gastspielen in Musikmetropolen in Japan, in Rotterdam und München (zusammen mit dem Schläpfer-Ballett) und mit einer Reihe von Pultstars von gestern und morgen (wie Eliahu Inbal und Aziz Shokakimov) steht beim letzten Abokonzert vor der Sommerpause die dritte Symphonie des Wiener Klassikers auf dem Programm. Und auch hier beweisen die Musiker erneut, in welch guter Klang-Verfassung sie sich derzeit befinden.

Der Dirigent: der 45jährige Seikyo Kim. Der japanische Maestro überzeugt zwar im ersten Teil des Konzerts nur wenig. Zu verwaschen und unentschlossen führt Kim durch „Three Places in New England“ von Charles Ives und durch die dritte Symphonie des Schweden Franz Berwald. Erst im Finale der „sinfonie singulière“ aus der Feder des vor 150 Jahren verstorbenen Romantikers finden die Symphoniker zu einer zündenden Leuchtkraft und zu konturenscharfen Bildern aus der amerikanischen Folklore. Kantige und groteske Ironie dominiert in den aufgekratzten Passagen, die an US-Marschkappellen erinnern. In den schleichenden Klangschwaden des Amerikaners Charles Ives rudern und dümpeln sie vor sich hin – der Dirigent aus Fernost zeigt wenig Mut zum Experiment, geht auf Nummer Sicher und erzeugt Langeweile.

Die Ohrwurm-Symphonie

Mehr bei der Sache ist Herr Kim bei Beethoven. Vordergründig knallig klingen zunächst die Akzente in dieser Ohrwurm-Symphonie, die Beethoven angeblich Napoleon widmen wollte (aber, so die Legende, die Widmung 1805 wegen dessen Kaiserkrönung zurückgezogen haben soll). Beim Trauermarsch, zu dessen Klängen häufig und gerne Potentaten zu Grabe getragen werden (zuletzt 2005 Fürst Rainier von Monaco), finden Streicher, Holz- und Blechbläser zu angemessener Schwere und ausdruckstarker Dunkelheit. Herr Kim versteht es hier, seine sonst so zügigen und forschen Tempi zu verlangsamen. Satz für Satz lässt er den Musikern genügend Freiraum, um sich in Ruhe zu entwickeln und Spannung aufzubauen. Sie sind überwiegend sauber intoniert, setzen gleichzeitig auf durchsichtigen Klang und wagnersche Schwere, vermeiden aber allzu düsteres Pathos.

Im Scherzo und Finale trumpfen sie noch einmal so richtig auf, ziehen alle Register und verabschieden sich in Topform in die Sommerpause. Herzlicher, dankbarer Applaus.