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Solidarität für Neandi

22.07.2008 | 16:56 Uhr

ECHO. Mit seinem vernichtenden Urteil über die Skulptur im Tal haben die Denkmalpfleger eine Gegenbewegung ausgelöst, denn: Viele mögen den alten, urigen Kerl.

Der alte Herr hat bereits gut 78 Jahre auf dem Buckel. Dass er kein Denkmal sein darf, bewegt derzeit die Gemüter. "Die Erkrather" und die Hochdahler SPD kämpfen für ihn. (Foto: Roth)

ERKRATH. Für seine gut 78 Jahre hat sich der Neandertaler vis a vis des Museums prima gehalten: breite Schultern, schmale Hüften, grimmiger Blick - alles sehr macho. Über Schönheit und Wert des alten Jungen lässt sich trefflich streiten. Denkmalwürdig sei er jedenfalls nicht, urteilte jetzt das Rheinische Amt für Denkmalpflege (die NRZ berichtete). Seitdem bekommt der Neandertaler Solidaritätsbekundungen von vielen Seiten.

Zwar ist die Figur dem Zweckverband Neandertal nicht modern genug - der Urmensch war längst nicht so affenähnlich, wie Künstler Franz Moch ihn dargestellt hat. Dennoch will ihn aktuell offenbar niemand von seinem angestammten Platz vertreiben. Doch das Votum des Denkmalamtes ruft seine Freunde auf den Plan. So will der Verein "Die Erkrather" die Skulptur vehement verteidigen: Sie ist über Jahrzehnte beliebtes Fotomotiv und ziert Ansichtskarten aus dem Tal. Die Erkrather, die eine Unterschutzstellung beantragt hatten und nun einen Korb kassierten, wollen den alten Gesellen weiter pflegen, versprechen sie. Er steht auf Erkrather Grund und ist ein Stück der Stadtgeschichte.

Auch die Sozialdemokraten hat das vernichtende Urteil getroffen. Im Internet startet der Hochdahler Ortsverein eine Aktion "Kein Liebesentzug für den Neandertaler". Humorig stellt die SPD die Frage, die wohl Lehrer Bommel in der "Feuerzangenbowle" gestellt hätte: "Da stelle' mer uns mal janz dumm und fragen, wat is en Denkmal?" Die SPD hat sich schlau gemacht und einen Blick in den Brockhaus geworfen. Dort heißt es: Ein Denkmal ist ein zur Erinnerung an bestimmte Personen oder Ereignisse errichtetes Werk. Von ausreichenden künstlerischen Eigenschaften steht da nichts zu lesen - genau die hatte das Denkmalamt bei Neandi vermisst. Anders als die amtlichen Bedenkenträger, sehen die Hochdahler Sozialdemokraten die Kriterien erfüllt: Für unzählige Menschen hänge Erinnerung an der Statue. "Daher hat der steinerne Neandertaler weiterhin unsere ganze Liebe - mit und ohne amtliches Zertifikat über seine kulturhistorische Bedeutung", so der Ortsverein. Er lässt auf seiner Internetseite http://www.spd-hochdahl.de/ über den Neandertaler abstimmen. Wer ihn gar nicht mag, darf gar dafür stimmen, ihn zu entfernen. So weit wird es kaum kommen.

SUSANNE ZIMMERMANN

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