So weit die Füße tragen

Düsseltal..  Es ist ein Schauspiel, das morgens an vielen Düsseldorfer Schulen zu beobachten ist: Autos stauen sich, Türen fliegen auf, Dutzende Grundschüler nehmen die letzten Meter zwischen Bordstein und Klassenraum ins Visier. Doch Lehrer und Verkehrserzieher finden das nicht gut. Nicht nur die Bewegung komme zu kurz, auch das Unfallrisiko steige bei den meist improvisierten Aktionen. Gegensteuern lautet also die pädagogische Devise. Beispiel: die Aktionswoche „Pänz per pedes“ (Düsseldorfer Platt/Latein für: „Kinder zu Fuß“) der katholischen Carl-Sonnenschein-Schule an der Graf-Recke-Straße. Die Vorgabe: Schüler kommen nicht mit Bus oder Bahn und entsagen dem „Elterntaxi“.

„Wir hatten eine Mitmachquote von 100 Prozent“, sagt Schulleiterin Brigitte Rost. Sämtliche 115 Schüler seien zu Fuß gekommen. Ausnahmen waren nur erlaubt, wenn ein Kind eine besonders weite Anreise hat. Aber auch in diesen Fällen mussten die Grundschüler zumindest einen Teil der Strecke selbst gehen. Als Anreiz bekamen die Kinder eine Karte, in der jeder Tag, an dem sie zu Fuß kamen, abgestempelt wurde. Die Karten füllten sich ebenso schnell wie die Stellflächen vor der ersten Stunde, denn auch Fahrräder und Roller durften die Jungen und Mädchen für ihren Weg nutzen. „Wenn Eltern ihre Kinder immer mit dem Auto bringen, bleiben sie unselbstständig“, warnt Rost. Die Aktionswoche habe sie in die Frühlingszeit gelegt, um das Wetter auszunutzen, aber auch, um den Erstklässlern, die erst seit September zur Schule gehen, erst einmal Zeit zur Eingewöhnung zu lassen.

Seit langem bemüht sich auch die Stadt um das Thema. Zur Abschlussveranstaltung steuerte das Amt für Verkehrsmanagement kleine Preise wie Sicherheitsmanschetten und Lesezeichen bei. „Sicherheit auf dem Schulweg ist für uns schon immer ein wichtiges Thema gewesen“, sagt Amtsleiterin Andrea Blome. Seit zehn Jahren unterstützt die Stadt Grundschulen bei einem „Walk to School Day“ im September, hinter dem derselbe Gedanke wie bei der Aktionswoche der Sonnenschein-Schule steckt. „Einige Schulen machen das schon viele Jahre.“ Blome freut sich daher über die Ankündigung der Schule an der Graf-Recke-Straße, zukünftig auch an diesem Tag teilzunehmen und ermuntert alle Schulen teilzunehmen.

Rektorin Rost wäre der „Walk to School Day“ allein aber zu wenig. „Das funktioniert einen Tag, danach versickert das wieder.“ Nach der Projektwoche an ihrer Schule hätten sich viele Kinder gemeldet, die auch weiterhin zu Fuß kommen wollen. „Die sind ganz stolz, das geschafft zu haben“, sagt Rost. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, müssten ihr zufolge aber gerade auch die Eltern umdenken. „Es ist einfach bequem, sein Kind vor der Arbeit rasch abzusetzen.“ Kinder, die allein zur Schule gingen, könnten aber gerade auch berufstätige Eltern entlasten.

Viele Eltern sind überzeugt

Einige Mütter und Väter sind längst überzeugt; sie setzen sich für sichere Schulwege ein. „Wir wollen den Schülern Mut machen“, sagt Dagmar Jansen, die den Lotsendienst vor der Carl-Sonnenschein-Schule organisiert. „Es ist manchmal schon ein echtes Chaos. Die Eltern kommen gleichzeitig mit dem Auto, viele auch noch von den benachbarten Kindergärten“, sagt Jansen. Den Erfolg der Projektwoche spürten auch die Lotsen. „Es kamen definitiv mehr Schüler zu Fuß“, hat Jansen beobachtet.