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Sinnlose Tierversuche an der Universität in Düsseldorf

25.04.2012 | 22:00 Uhr
Sinnlose Tierversuche an der Universität in Düsseldorf
Bereits am 21.4.2012 gab es auf der Königsallee in Düsseldorf eine Protest- und Gedenkkation zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche. Foto: Uwe Schaffmeister

Düsseldorf.   Grausame Vorgänge in Gebäude 22.22 auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf: Möglichst wenige Menschen sollen erfahren, was in der Tierversuchsanstalt der Uni vor sich geht. Lokale Tierschützer protestieren - unter anderem am Freitag um 14 Uhr.

Es ist ein bestialischer Gestank, der an manchen Tagen aus dem Gebäude 22.22 auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität (HHU) dringt. Der Zugang zu dem grauen, eingezäunten Betonklotz ist gesichert, die Fenster teilweise abgehängt. Möglichst wenige sollen erfahren, was dort vor sich geht.

Am Freitag, 27. April, um 14 Uhr wird es dort allerdings eine Protestkundgebung von lokalen Tierrechtlern geben. Denn es ist die Tierversuchsanstalt der Uni, dort werden Mäuse, Ratten, Meerschweinchen, Hühner, Katzen, Hunde, Schweine – und nach Augenzeugenberichten bis mindestens ins Jahr 2005 auch Affen – gehalten. Eingepfercht in Zwinger und Käfige, verteilt auf Zwischenetagen, da auf den Hauptetagen die Studenten lernen.

Wie viele Tiere dort genau ein unwürdiges, artfremdes Leben führen müssen, ist nicht zu erfahren. Bundesweit wurden im Jahr 2010 rund 2,9 Millionen Tiere bei Versuchen getötet, circa 441 000 davon in NRW. Die Uni mauert bei Detailanfragen der NRZ. „Wir werden nichts dazu sagen, die Diskussionen um das Thema sind zu ideologisch geprägt“, so Sprecher Joachim Tomesch.

Seit 1998 für die Uni exemplarisch 135 Studien mit Tierversuchen registriert

Die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“, in der rund 800 Fachleute organisiert sind, führt traurige Zahlen an: Seit 1998 sind für die Uni exemplarisch 135 Studien mit Tierversuchen registriert. Belegt durch Publikationen, die die Forscher selbst veröffentlichten.

Damit liegt die Stadt mit der HHU in NRW an der Spitze, bundesweit auf Rang 7 im Ranking der Tierversuchshochburgen. „Düsseldorf ist besonders schlimm, was die Zahl und die Art der Versuche angeht“, sagt Diplom-Biologin Silke Bitz von „Ärzte gegen Tierversuche“.

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Die Organisation führt auf Basis der Veröffentlichungen Beispiele auf. So gibt es seit mindestens 2007 zahnmedizinische Versuche an Beagle- und Foxhound-Hunden. Den Tieren wurden bis zu 20 Backenzähne gezogen und Teile des Kieferknochens zerstört, um Knochenschäden beim Menschen zu simulieren und Titan-Implantate einer Schweizer Firma im Vergleich mit herkömmlichen Produkten zu testen. Später wurden die Hunde getötet, um die Kieferknochen zu untersuchen.

Das Sinnlose, „neben“ den Schmerzen, die die Tiere erleiden: Die Ergebnisse sind im Prinzip unbrauchbar, weil die Knochenbeschaffenheit und der Heilungsprozess bei Hunden anders als bei Menschen ist. Dies geben die Autoren in ihren Fachartikeln sogar selbst zu.

Chinchilla-Kaninchen wurden 2008 fluorhaltige, chemische Substanzen sowie Luft in die Augen gespritzt, in der Folgezeit der Augeninnendruck gemessen. Bei einigen Tieren bildete sich Grauer Star, bei anderen Blasen, drei verloren ein Auge. „Völlig sinnlos“, sagt Silke Bitz. „Das Auge dieser Tiere ist nachweislich physiologisch ganz anders aufgebaut als das menschliche.“

Zusammenhang zwischen Testosteron und Depressionen

Am Institut für Physiologische Psychologie der HHU gibt es qualvolle Experimente an Ratten. In einem Versuch wird der Zusammenhang zwischen dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron und Depressionen getestet. Die Tiere müssen in einem Wasserbecken schwimmen. Eine Ratte, die sich treiben lässt, wird als depressiv gewertet. Unabhängig von ihrer körperlichen Erschöpfung. Viele Tiere werden im Gebäude 22.22 erst gezüchtet und dann getötet, um „Material“ für die Forschung an Primärzellen zu haben.

Warum diese Versuche dennoch gemacht werden? Die Uni ließ die Antwort offen. Des Geldes wegen, sagt Bitz. „Tierversuche sind ein sich selbst erhaltendes System, das aus Steuergeldern finanziert wird. Die Forschungen werden in Fachzeitschriften publiziert. Je mehr Veröffentlichungen, desto höher sind die Forschungsgelder. Zudem geht es den Autoren ums Prestige.“

Vor allem die aus Steuermitteln finanzierte Deutsche Forschungsgemeinschaft gibt Gelder, genehmigt werden die Versuche in der Regel vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz.

Es gebe sinnvollere Alternativen

Dabei gibt es laut „Ärzte gegen Tierversuche“ sinnvollere Alternativen. So seien Forschungsmethoden, die zum Beispiel menschliches Gewebe aus Krebs-Operationen nutzen, aufgrund der gegebenen Vergleichbarkeit der Ergebnisse besser geeignet. Auch bildgebende Verfahren, Computersimulationen und Zellkulturen müssten in der Forschung stärker eingesetzt werden und Tierversuche ablösen.

Weitere Details und Infos:

www.aerzte-gegen-tierversuche.de

www.paktev.de/index.php?artnr=415

www.datenbank-tierversuche.de

Protestkundgebung, organisiert von lokalen Tierrechtlern: 27. Mai, ab 14 Uhr, am Gebäude 22.22 auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität

Oliver Schaal


Kommentare
27.04.2012
10:28
Sinnlose Tierversuche an der Universität in Düsseldorf
von jamesbondao | #3

Die Verweigerung von informationen seitens der Uni ist total inakzeptabel. Die Tierversuchslobby versucht im geheimen zu agieren und die Bevölkerung in unwissenheit zu belassen. Das MUSS sich ändern. Mehr Transparenz und Einblick in die Arbeit und Entscheidungen der Tierschutzkomissionen ist nötig. Weiterhin, dürfen Tierversuche nicht mehr mit Pauschalbegründungen durchgehen. Zudem muss der Staat mehr Geld in Förderung von Alternativmethoden fliessen lassen und z.B. Lehrstühle an den Unis fuer diesen Bereich einrichten.

26.04.2012
16:44
Sinnlose Tierversuche an der Universität in Düsseldorf
von vegan_unplugged | #2

Übrigens werden auch am Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Sonderforschungsbereich 728 "Umweltinduzierte Alterungsprozesse", Teilprojekt C1 "Die Rolle des mitochondrialen Genoms bei der Lichtalterung der Haut", Tierversuche durchgeführt, und zwar mit Mäusen.

26.04.2012
09:48
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Name von Moderation entfernt | #1

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