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Gericht

"Sie hat ok gesagt"

11.08.2009 | 16:54 Uhr

Zwölfjährige vergewaltigt? Angeklagter bestreitet.

Richter Werner Arendes hatte mit einem relativ einfachen Prozess gerechnet, doch daraus wurde nichts: Der Pizzabäcker (26) bestritt gestern, das zwölfjährige Mädchen im Schlaf vergewaltigt zu haben. Sondern erklärte, alles sei einvernehmlich geschehen. Und er habe geglaubt, sie sei 18 Jahre alt. Nun müssen Zeugen gehört und ein Gutachter beauftragt werden. Der Prozess ist vertagt.

Das Mädchen aus schwierigen sozialen Verhältnissen war damals aus einem Heim ausgerissen, hatte sogar am Telefon durchgegeben, sie komme nicht zurück. Am Morgen des 21. März tauchte sie in einem Geschäft auf, erklärte, vergewaltigt worden zu sein. Die Polizei nahm den 26-Jährigen in seiner Wohnung fest. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

Wodka getrunken

Den Beginn des Geschehens räumte der zurückhaltend wirkende junge Mann asiatischer Abstammung so ein, wie in der Anklage beschrieben. Das Mädchen sei gegen 1.30 Uhr nachts in die Pizzeria gekommen, in der er arbeitet, habe mit ihm und seinem Freund bis 6 Uhr morgens zusammengesessen. Zu dritt seien sie in seine Wohnung im Nachbarhaus gegangen.

Dort hätten sie gemeinsam eine Flasche Wodka geleert. Dem Mädchen sei schlecht geworden, ihm auch. Laut Anklage ist sie dann eingeschlafen, was er ausnutzte, um sie zu missbrauchen. Sie soll aufgewacht sein, als er Sex mit ihr hatte. Von ihrem Schreien sei der schlafende Freund wach geworden, habe den Angeklagten gestoppt.

Der widersprach gestern: „Von Gewalt kann gar keine Rede sein”, übersetzte sein Dolmetscher. Er habe ihr Sex vorgeschlagen und sie habe „ok” gesagt. Dann seien sie ins Bett gegangen. Sie habe nicht geschlafen. „Ich wusste, nicht, dass sie so jung war, jetzt sitze ich in diesem Schlamassel.” Gekannt habe er sie seit zwei Monaten, weil sie öfter in die Pizzeria kam. Dabei habe sie ihm einmal gesagt, sie sei 18 Jahre alt.

„Ich ruiniere dein Leben”

Und schließlich ergänzte der Pizzabäcker noch etwas: Sie habe schon bei einem der Pizzeriabesuche 300 Euro von ihm verlangt. Als er ihr die nicht gab, habe sie gedroht: „Ich ruiniere dein Leben!” 300 Euro habe sie auch nach dem Sex haben wollen. Doch er habe keine 300 Euro gehabt.

Die Kammer hatte dem Mädchen eine Aussage vor Gericht ersparen wollen, erwartete nach Zusage des Verteidigers ein Geständnis. Jetzt muss sie möglicherweise doch gehört werden. Der Staatsanwalt beantragte zudem, sie auf ihre Glaubwürdigkeit hin begutachten zu lassen. Wann es einen neuen Termin gibt, ist noch offen.

Katharina Rüth

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