Sibirische Pfeifente und Kanadagans

Hilden..  Der Elbsee wird als Naherholungsgebiet von Spaziergängern, Hundebesitzern und Wassersportlern viel genutzt. Jetzt im Winter zieht es aber noch viele andere weit gereiste Individuen dorthin: seltene Wasservogelarten, wie die Schell-ente aus Skandinavien oder die Pfeifente aus Sibiren.

Dass sie sich nach 5000 bis 6000 Kilometern gerade den Elbsee als Zwischenstopp in den Süden oder als Winterquartier aussuchen, hat verschiedene Gründe, weiß Holger Pieren, stellvertretender Leiter der Biologischen Station Haus Bürgel: „Zum einen ist es so, dass der Elbsee mit seinen Gegebenheiten wie Größe und Tiefe schon mal generell die Vögel anzieht. Dann liegt das Rheintal auf der so genannten Flyway-Achse Richtung Süden. Dass heißt, der Elbsee bietet eine Zwischen-stop-Möglichkeit, ohne dass die Vögel einen Umweg nehmen müssten, wenn sie in die Wärme ziehen. Und drittens bieten die zahlreichen Inseln Schutz vor Füchsen und anderen Jägern. Dazu kommt noch der Klimawandel. Das bedeutet, dass einige Vögel bei uns jetzt überwintern können und nicht mehr weiterziehen müssen, weil die Winter hier nicht mehr so extrem kalt sind.“

Elmar Kottolinsky beobachtet seit Jahrzehnten nahezu wöchentlich die Vögel am Elbsee, registriert fast jeden neu angekommenen Wintergast: „Derzeit sind es so etwa 500 Tiere, die sich hier tummeln, darunter der Zwergsäger, die Reiher- und die Tafelente oder die Kanadagans.“

Vom neu angelegten Ausguck können Spaziergänger die zahlreichen Arten besonders gut beobachten, ist der Blick von dort aus doch frei auf den nördlichen Teil des Elbsees. Dieser Bereich bietet besonders kalkreiches und nährstoffarmes Stillwasser, in dem spezielle Algenarten hervorragend gedeihen – für viele Vögel eine besondere Nahrungsquelle. Seltene Uferpflanzen und die Hauptinsel bieten zudem Schutzraum.

Außerdem sei die große, offene Fläche und damit die Übersichtlichkeit für die Tiere überlebenswichtig, so Kottolinsky. „Der Menzelsee ist nahezu komplett umwaldet. Das ist extrem gefährlich für Wasservögel, da sie Gefahren nicht frühzeitig erkennen können. Deshalb leben dort auch wesentlich weniger Tiere.“

Viele Gründe, die dazu führten, dass der nördliche Elbsee 2010 fast komplett unter Naturschutz gestellt wurde. Einzig das angrenzende Hildener Wassersportzentrum nutzt diesen Bereich – aber nur im Sommer. Im Winter steht den Kanuten, Seglern oder Windsurfern nur der restliche Seeteil zu. „Das Gesamtkonzept weist jedem seine Bereiche zu und wir wissen, dass wir uns auf die Sportler verlassen können“, freut sich Naturschützer Pieren.

Aus Erfahrung weiß Pieren, dass Wasservögel eine enorme Anziehungskraft auf die Menschen haben. Viele meinten es allerdings zu gut, wenn sie die Tiere füttern. Denn damit schadeten sie den Wasservögeln langfristig. „Das Brot beginnt zu schimmeln, irgendwann kippt das Wasser, das wäre fatal“, erläutert der Fachmann. Was aber, wenn es, so wie momentan, richtig kalt wird und der See eventuell komplett zufriert ?

Vogelliebhaber Elmar Kottolinsky weiß, wie sich die Tiere dann verhalten: „Sie ziehen weiter zu fließenden Gewässern, meistens an den Rhein. Dort finden sie immer genügend Nahrung. Natürlich gibt es auch vereinzelte Tiere, die die Überwinterung nicht schaffen. Das aber ist völlig normal, im Sinne der natürlichen Selektion.“