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Malerei

Sensationelles Werk von George Grosz entdeckt

23.08.2010 | 19:40 Uhr
Sensationelles Werk von George Grosz entdeckt
George Grosz,Ein Wintermärchen,Aquarell 1917/18

Düsseldorf.Den Düsseldorfer Galeristen Herbert Remmert und Peter Barth ist eine spektakuläre Entdeckung gelungen: die äußerst detaillierte aquarellierte Vorstudie zu einem der berühmtesten Werke von George Grosz: „Deutschland, ein Wintermärchen“ von 1918.

Von „einer kleinen Sensation“ sprechen die beiden, etwas bescheidener. In einem Mappenschrank in Oberbayern entdeckten sie dieses bisher unbekannte, bedeutende Aquarell.

Jenes großformatige Ölgemälde, „eine Inkunabel der zeitkritischen Kunst des 20. Jahrhunderts“, so die Galeristen, ist seit 1933 verschollen. Und in keinem Werkverzeichnis - Kontobuch nannte es Grosz selbst - ist das erst Mitte Juli gefundene, vermutlich 1917/18 entstandene Vorstudien-Blatt zu diesem Bild verzeichnet. „Eine großartige Entdeckung“, bestätigte auch der George Grosz-Experte Ralph Jentsch, der eigens aus Rom anreiste, um das Aquarell mit dem mit Messer und Gabel bewaffneten deutschen Spießbürger im Zentrum, umzingelt von der schwankenden Mietshauswelt, Fabriken, Huren sowie Pfarrer, General und Oberlehrer als Stützen der Gesellschaft im Original in Augenschein zu nehmen.

Jubiläumsschau zum 30. Bestehen der Galerie

Das Blatt, hochkarätiger Lohn ihrer unermüdlichen Forschungsarbeit (auch finanziell: der Wert des Blattes ist im „höheren sechsstelligen Bereich“ angesiedelt), präsentieren Herbert Remmert und Peter Barth am 5. September an der Mühlenstraße 1. „Wir sind glücklich, dass wir es haben, und erst einmal steht natürlich im Vordergrund, dass es gezeigt wird!“ sagt Remmert. Zugleich feiern die Kunst-Enthusiasten und Expressionismus-Spezialisten das 30-jährige Bestehen ihrer Galerie mit einer Jubiläumsschau: 30 Werke von 30 Künstlern - von Jankel Adler über Käthe Kollwitz und Emil Nolde bis Gert Wollheim.

Doch wie kamen die Galeristen an jenen oberbayerischen Mappenschrank? Seit mehr als zehn Jahren sind sie dem Düsseldorfer Arzt und Sammler Hans Koch auf der Spur, stellten ihn 2000 in einer Galerie-Ausstellung vor. Koch, Schwager von Otto Dix, hatte an der Blumenstraße eine Galerie und zeigte dort Werke von Nolde, Schmidt-Rottluff, Dix und Co. „Er war damals selbst sein bester Kunde“, erzählt Remmert. „Wir wussten, dass er eine große Sammlung hatte.“

90 Jahre in Oberbayern

So kaufte der Kunstliebhaber Koch auch jene Vorstudie von Grosz zu „Deutschland ein Wintermärchen“, die er im März 1919 in seinem „Graphischen Kabinett“ präsentiert hatte. Der vermutlich letzte Auftritt des Blattes, das für neun Jahrzehnte in nie geöffneten Nachlass-Mappen bei Kochs Enkelin abtauchte. Zu den in Oberbayern gehobenen Schätzen gehört übrigens auch das verschollen geglaubte Aquarell von Otto Dix „Nächtens“ von 1923, das in der Jubiläumsschau zum 30. ebenfalls ans Licht geholt wird.

„Meine Stimmung setzte ich in ein großes politisches Bild um“, notierte George Grosz in seinen Memoiren zur Entstehung des nach Heine benannten Gemäldes „Deutschland, ein Wintermärchen“ aus dem Kriegsende-Jahr 1918 - und hinterließ seine tiefe, ebenso satirisch saftige wie visionäre Skepsis gegenüber der jungen deutschen Demokratie. Für dieses kapitale Leinwand-Werk gilt leider immer noch der Fahndungsruf: Wanted!.

Ulrike Merten

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Kommentare
24.08.2010
17:41
Sensationelles Werk von George Grosz entdeckt
von Bernd Hofmann | #1

Toller Fund! Dieses Bild ist ein Stück deutscher Geschichte. Deutschland, ein Wintermärchen hatte George Grosz im Kriegsendjahr 1918 gemalt. Heute noch fehlt es in kaum einem Schulbuch als Beleg dafür, dass der erste Demokratieversuch in Deutschland von Anbeginn an zum Scheitern verurteilt war: Ein Pfarrer, ein General und ein reaktionärer Oberlehrer bilden das Fundament der Gesellschaft, in dessen Mittelpunkt zwischen Kirche und Kaserne, Mietshaus und Bordell unerschütterlich der deutsche Spießbürger sitzt. Nach dem Krieg war vor dem Krieg, so die Botschaft.

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