Semesterticket steht auch an der Uni Düsseldorf vor dem Aus

Eine Studentin wartet auf einen Regionalexpress.
Eine Studentin wartet auf einen Regionalexpress.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität hat neuen Vertrag für das Semesterticket noch nicht unterzeichnet. Zurzeit ist keine Einigung in Sicht.

Düsseldorf.. Es gibt Studenten an der Heinrich-Heine-Universität und an anderen Hochschulen Deutschlands, die gar nicht wirklich studieren. Sie sind eingeschrieben und zahlen den Semesterbeitrag, besuchen aber keine einzige Veranstaltung. Grund dafür: das Semesterticket.

Denn Studiengebühren und Beitrag für das Ticket, das in ganz Nordrhein-Westfalen gültig ist, betragen zusammen in diesem Semester 251,81 Euro. Monatlich zahlen Studenten also rund 42 Euro. Zum Vergleich: Das günstigste Ticket für Auszubildende kostet 45 Euro im Monat, gilt aber nur in einer Stadt und am Wochenende im Gebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR).Für Fahrten durch ganz NRW müssen Inhaber weiterhin voll bezahlen. Ein tolles Angebot also für Studenten, die ohnehin oft mit wenig Geld auskommen müssen. Doch das könnte sich bald ändern.

Auch Düsseldorfer Heine-Uni hat neuen Vertrag noch nicht unterzeichnet

Der Verkehrsverbund will die Preise erhöhen – in den nächsten drei Jahren monatlich um 3,80 Euro. Aktuell verhandelt der VRR mit den Universitäten und Hochschulen – bisher haben nur 14 von 31 Institutionen den neuen Vertrag unterschrieben, darunter aber keine bekannten Namen, auch die Heine-Uni nicht. Laut Asta haben fast lediglich Hochschulen unterschrieben, die keine Studentenvertretung haben. In diesen Fällen wird der Vertrag mit der Verwaltung abgeschlossen, nicht mit der Asta.

Semesterticket Sollten die Universitäten, beziehungsweise die Studentenvertreter dem Vertrag nun nicht zustimmen, wird es das Semesterticket bald nicht mehr geben. „In diesem Fall können Studierende natürlich das Auszubildenden Ticket nutzen“, sagt VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik.

Bei der Studierendenvertretung Asta heißt es, der VRR würde die Zahlen klein rechnen. Man befürchte, dass das Ticket schon nach den drei Jahren etwa 50 Prozent teurer wird. So sei man bereit zu verhandeln, könne die aktuellen Konditionen des Vertrags jedoch nicht akzeptieren. Gerade Studenten haben oft ein sehr eingeschränktes Budget, heißt es, das Semesterticket sollte den jungen Menschen entgegenkommen.

Das Scheitern des Tickets würde nicht nur viele Studenten vor finanzielle Probleme stellen, sondern vermutlich auch den Verkehrsverbund. „Viele Studenten haben ein Auto und nutzen ihr Ticket kaum. Das Ticket finanziert sich durch das Solidarprinzip“, räumt die VRR-Sprecherin ein, „alle Studenten müssen ja den Beitrag zahlen“.

VRR plant Preissteigerung um 43 Prozent

Laut Deutschem Studentenwerk haben etwa 37 Prozent der eingeschriebenen Studenten ein Auto. „Im Verhältnis zu allen anderen Fahrkarten wurde das Studententicket bis her kaum teurer“, so Tkatzik, „das Azubi-Ticket wurde 2014 um 4,33 Euro erhöht, der Fahrschein für Studenten nur um etwa 59 Cent. Diese Preise können wir auf Dauer nicht halten.“

Der hochschulpolitlsche Sprecher der FDP-Ratsfraktion, Rainer Matheisen, wendet sich entschieden gegen die „massive Preiserhöhung“ und die dadurch drohende Abschaffung des Semestertickets für Studierende. „Eine moderate Erhöhung auf dem Niveau anderer Tickets würde auch von den Studierendenvertretungen akzeptiert werden.

Die jetzigen Pläne des VRR sehen jedoch eine Preissteigerung von satten 43 Prozent in den kommenden vier Jahren vor. Dass sich der Verkehrsverbund seit Monaten nicht an den Verhandlungstisch setzt, sondern mit Abschaffung des Tickets droht, ist ein Affront gegenüber den Studierenden. Hier muss jetzt endlich gehandelt werden, statt die Probleme auszusitzen!“

Abschaffung des Semestertickets würde auch Wohnungsmarkt belasten

Neben der Schwächung des Hochschulstandorts Düsseldorf sieht Matheisen im Falle des Scheiterns des Semestertickets auch weitere Probleme: Heinrich-Heine-Universität und Fachhochschule mit zusammen rund 38.000 Studierenden sind klassische Einpendler-Standorte. Neben der massiven Zunahme des Pkw-Verkehrs würde bei einer Abschaffung des Semestertickets auch der Druck auf den Düsseldorfer Wohnungsmarkt deutlich zunehmen und in Folge die Mieten steigen.

Bei durchschnittlichen monatlichen Einnahmen in Höhe des Hartz IV-Satzes wäre ein Großteil der Studierenden zudem kaum in der Lage, weitere Zusatzausgaben zu schultern.