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Prozess

Schwieriger Streit um Immendorffs Erbe

23.03.2011 | 06:00 Uhr
Schwieriger Streit um Immendorffs Erbe

Düsseldorf. Der 2007 verstorbene Maler Jörg Immendorff hat ein schweres Erbe hinterlassen. Immer wieder beschäftigt es die Gerichte. Gestern begann der Prozess um den Erbanspruch seines Sohnes. Er will seinen Anteil ausgezahlt haben, ist mit 1,1 Millionen Euro nicht zufrieden.

Der heute Zwölfjährige hat seinen Vater nie persönlich kennengelernt. Der Künstler stritt sogar seine Vaterschaft ab, bis sie durch einen Test bewiesen war. Folgerichtig hat er den Jungen auch in seinem Testament nicht erwähnt. Darin vermachte er alles seiner Frau Oda Jaune.

Doch der Junge hat einen Anspruch auf einen Pflichtteil von einem Achtel des Erbes. Dafür muss man wissen, was der Nachlass wert ist.

Die Vertreter des Jungen haben dafür mit der Witwe verhandelt, sie hat ein Nachlassverzeichnis erstellen lassen, 1,1 Millionen Euro ge-zahlt. Doch die Anwälte glauben den Jungen übervorteilt.

„Mehr als großzügig“

Im Verzeichnis fehlten Bilder, die Werte von Werken halten sie für manipuliert: „Wenn eine Grafik in der Liste mit 100 Euro bewertet wird, unsere Sekretärin am Telefon als Käuferin aber die Auskunft be-kommt, sie sei 1400 Euro wert, macht das schon misstrauisch“, erklärte Anwalt Lothar Böhm gestern vor dem Landgericht.

Dort hatte man sich getroffen, weil die Anwälte des Jungen Klage eingereicht haben. Die verläuft streng juristisch in Stufen: Erst muss Oda Jaune Auskunft über die vorhandenen Werke geben, die Kläger können von ihr eine eidesstattliche Versicherung verlangen, erst dann einen entsprechenden Wert einfordern.

Doch in der Verhandlung ging es immer wieder um Summen. Die Forderung des Klägers von insgesamt 4,5 Millionen Euro sei viel zu hoch, so der Anwalt von Oda Jaune. Die gezahlten 1,1 Millionen Euro seien „mehr als großzügig“. Eher müsse der Kläger noch etwas zurückzahlen.

Man stritt um Abschläge vom Kaufpreis an Galerien, Abschläge dafür, dass der Nachlass als Paket gewertet wird. Es ging um offene Forderungen an Galeristen, die die Witwe aber nicht eintreiben könne.

„Mehr als mein Kind“

Oda Jaune hörte lange zu. Dann konnte sie nicht mehr an sich halten, erklärte nachdrücklich mit leiser Stimme: „Drei Jahre dauert das schon. Ich beantworte alle Ihre Fragen, erfülle alles, was Sie er-warten. Ich habe schon mehr gezahlt, als mein Kind hat.“ Damit meinte sie die Tochter, die sie mit Immendorff hat.

Auch das Gericht hält die vorhandene Liste mit 539 Ge-mälden, 147 Skulpturen, 1767 Zeichnungen und 4000 Grafiken für ausreichend. Die Witwe müsse auch sagen, wie ‘Werke in Ausstellungen versichert waren. Die Klägeranwälte haben Zweifel.

Einen Vergleich lehnten sie ab. Das Gericht hatte vorgeschlagen, für den Gesamtwert des Nachlasses Verkäufe von 2007 bis 2009 hochzurechnen. Danach habe der Junge genug Geld erhalten. Darüber hinaus könnte er noch einige Werke seines Vaters bekommen.

Am 5. Mai verkündet das Gericht, wie es weitergeht.

Katharina Rüth



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