Schwarzfahrer muss hinter Gitter

Mit Glück ist ein 21-jähriger Serientäter beim Amtsgericht einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung entgangen. Laut Anklage soll der notorische Schwarzfahrer im Juni 2014 einem anderen Fahrgast in einer Straßenbahn von hinten wuchtig gegen den Kopf getreten und die Attacke mit seinem Handy gefilmt haben. Das Opfer war durch den Tritt bewusstlos geworden. Doch ob der 21-Jährige der Täter war oder sein Bruder (22), blieb im Prozess unklar.

Ins Gefängnis muss der Angeklagte trotzdem: Für zehn Schwarzfahrten wurde der schon vorbestrafte Mann zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Auf dem Heimweg von der Arbeit war ein 53-jähriger Straßenbauer damals attackiert worden. Er sah den Täter nicht kommen, denn der Tritt gegen den Kopf kam von hinten. „Ich war sofort bewusstlos, war vier Monate krankgeschrieben und leide bis heute unter Kopfschmerzen“, so das Opfer.

Der Arbeitskollege hatte beobachtet, dass ein junger Mann urplötzlich auf das Opfer zukam: „Der hatte eine Kapuze auf, guckte nach unten und filmte seinen Tritt mit dem Handy.“ Auch zwei andere Fahrgäste hatten die unglaubliche Aktion beobachtet und gesehen, dass der Täter an der nächsten Haltestelle wieder ausstieg.

Zehn Zugfahrten ohne Ticket hat der Angeklagte gestern eingeräumt. Aber mit dem wuchtigen Kopftritt in der Bahn wollte er nichts zu tun haben: „Ich bin nicht so ein Mensch, der grundlos fremde Opfer angreift.“ Und sein Verteidiger bemerkte, dass der Angeklagte einen Bruder hat, der dem 21-Jährigen zum Verwechseln ähnlich sehe.

So konnte ein Zeuge, der mit einem der Brüder einst die Schule besuchte, gestern nicht sicher sagen, welchen der beiden er beim Kopftritt in der Bahn gesehen hatte. Das Gericht hat den 21-Jährigen aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Für seine neuesten Schwarzfahrten muss er aber für sechs Monate hinter Gitter. Wegen des Kopftritts in der Bahn will die Staatsanwältin jetzt gegen seinen Bruder ermitteln.