Schulleiter, Elternversteher, Gestalter

Oberbilk..  Wer an einen Schulleiter denkt, stellt sich meist eher einen Pädagogen im gesetzteren Alter vor. Kornelius Knettel ist 33 Jahre. Fraglich, dass er jemals gesetzt wirken wird, als großer schlaksiger Typ, der er ist. Seit dem Sommer 2013 leitet er kommissarisch die Grundschule an der Sonnenstraße. Auf diese übergangsweise Lösung werden in Düsseldorf derzeit 14 Grundschulen von insgesamt 86 geleitet. Auf eine Stelle als regulärer Schulleiter kann sich Knettel erst bewerben, wenn er vier Jahre verbeamtet auf Lebenszeit ist. Die anderthalb Jahre bis dahin will er aber nicht mit bloßem Warten verbringen.

Viel außerschulische Erfahrung

„Ich habe mich für diese Arbeit bewusst entschieden, weil ich denke, dass man in dieser Funktion viel bewegen kann“, sagt Knettel. Finanzielle Vorteile hat er von diesem Schritt keine, er erhält weiterhin sein Lehrergehalt. „Die Erfahrungen, die ich sammle, sind mein Vorteil“, sagt Knettel. Diese Haltung hat sich bei ihm bewährt. Denn in seiner Leitungsfunktion profitiert er beispielsweise auch von Erfahrungen, die er außerhalb der Schule gemacht hat.

Nach dem Abitur absolvierte er bei Henkel eine Ausbildung zum Informationskaufmann. Die Kenntnisse, die er dort erworben hat, helfen ihm zum Beispiel bei organisatorischen und bürotechnischen Angelegenheiten. Die Schulhomepage gestaltete er selbst. Und auch Fragen der Kommunikation spielten in seinem Ausbildungsbetrieb eine größere Rolle als im Lehramtsstudium.

Knapp 270 Kinder besuchen die Schule im Stadtteil Oberbilk, etwa 80 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Allein in den vergangenen drei Monaten hat die Schule 15 neue Kinder aufgenommen, deren Familien aus Heimatländern wie Syrien, Irak und Bulgarien geflüchtet waren.

„Viele kamen mit nichts an, nur mit den Kleidern, die sie am Leib hatten“, sagt Knettel. Die Schule startete deshalb eine Spendenaktion für Spielsachen und Bücher, Geld für Schulmaterialien kam von der Düsseldorfer Tafel. Hilfe kommt auch von der Bürgerstiftung. So sorgen Ehrenamtler dafür, dass Kinder am Nachmittag in die Schulbücherei kommen, sich Bücher leihen oder etwas malen können. Außerdem lesen sie den Jungen und Mädchen etwas vor. „Es ist ganz wichtig, dass sich die Kinder hier wohlfühlen. Und auch die Eltern, die vielleicht schlechte Erfahrungen mit Schule gemacht haben, sollen sich willkommen fühlen“, sagt Knettel.

Kurz nachdem er an die Schule kam, setzt er sich für einen Bolzplatz an der Schule ein. Möglich wurde das Projekt, weil die Bezirksvertretung den Bau des Kunstrasenplatzes mit 23 000 Euro unterstützte. „Man muss dahinter sein und darf sich nicht zu schade sein, Initiative zu ergreifen, sonst wird man nichts bewegen“, sagt Knettel.

Er weiß, dass so ein Fußballplatz für viele Kinder ein Grund ist, sich auf die Schule zu freuen. Die Fußball AG an der Schule leitet Knettel selbst. Schließlich war er lange Zeit Jugendtrainer bei der Fortuna, mittlerweile ist er beim DFB Stützpunktleiter. Und wenn Eltern berichten, dass ihre Kinder nie die Hausaufgaben machen wollen, dann weiß er, wovon sie sprechen. Schließlich ist er selbst Vater von fünf Söhnen im Alter von acht, sieben, vier und zwei Jahren, der jüngste ist drei Monate.

Den Draht zu den Eltern möchte er im Übrigen ausbauen. Schon jetzt helfen einige mit, beispielsweise indem sie in die Schule kommen, um für das Frühstück Obst zu schälen. Deshalb möchte Knettel die Eltern künftig häufiger ansprechen und ins Boot holen. „Auch die haben Ideen.“