Schuh-Fans stehen tagelang für Sneakers an

Tausende Menschen auf der Rheinpromenade, Schlangen vor den japanischen Geschäften an der Immermannstraße, Gedränge während des großen Feuerwerks – der Japantag bewegt die Massen in und nach Düsseldorf. Doch schon drei Tage vorher strömten Menschen an einen Ort, der auf den ersten Blick gar nichts mit dem großen Fest zu tun hat: einen Schuhladen an der Oststraße. 200 Sneaker-Fans warteten hier Tage und Nächte vor „A Few“, um ein Sondermodell zum Japantag zu ergattern.

„Ich war selbst überrascht, was das für Kreise gezogen hat“, sagt Andreas Birgen, der in seinem Laden auf einer Couch direkt am Schaufenster sitzt. Auf der anderen Seite der Scheibe stehen seit Mittwoch Campingstühle, Liegen und sogar ein Zelt. „Was dazu geführt hat, dass hier 200 Leute warten? Ich habe keine Ahnung“, sagt der Inhaber von „A Few“. Seit 2008 verkauft Andreas mit seinem Bruder Marco Sportschuhe, viele davon sind Sondermodelle, die nur in kleinen Stückzahlen erscheinen. „So voll war es aber noch nie“, erzählt er. Grund für den Auflauf an der Oststraße ist eine Kooperation von „A Few“ mit dem Hersteller Asics. Zum Japantag hat die Firma das Modell „Gel Lyte III“ in einer Farbkombination produziert, die von Andreas und seinem Team angeregt wurde: Weiß und Rot, dazu die Logos von „A Few“. Kein anderer Händler in Deutschland hat das Modell. Gleichzeitig mit den Schuhfreunden in Düsseldorf campen Menschen auch in Mailand, Wien, Stockholm, Toulouse und sogar in Sidney für den „Koi“, so lautet der Spitzname des Modells. 1990 Paare werden weltweit verkauft, denn 1990 erschien der „Gel Lyte III“ zum ersten Mal. Knapp über 200 davon gehen in Düsseldorf über die Ladentheke.

Seit Donnerstagnachmittag ist die Warteliste, auf der die Namen der Kaufinteressierten stehen, voll: ausverkauft vor dem Verkaufsstart. Doch mit einem Eintrag in die Liste und der Angabe der Wunschgröße ist es noch längst nicht getan. Morgens um 8 Uhr gehen Marco und Andreas die Namen durch. Dann um 12, um 16, um 20 und um 24 Uhr. Die Wartenden müssen beim „Check“ kurz den Arm heben und bestätigen, dass sie noch da sind. „Campout“ wird dieses Spielchen genannt. Wer auch nur einmal fehlt, wird von der Liste gestrichen.

Sammler macht 4000 Euro locker

Aus Bremen, Berlin, München, den Niederlanden und Belgien sind die Sneaker-Fans angereist, um sich ihr Paar zu sichern. Verzweifelt steht ein junger Mann aus England am Freitagmittag vor dem Geschäft, er ist eigens für den Schuhkauf von London aus mit dem Flugzeug gekommen – doch zu spät. Sein Schicksal spricht sich schnell herum. Chris aus Hamburg steht mit einem Bekannten aus dem Ruhrgebiet vor dem Laden, sie warten gemeinsam, denn Chris möchte zwei Paare mitnehmen. Er redet mit dem jungen Mann aus London, tritt ihm schließlich seinen zweiten Platz in der Schlange ab. Dafür bekommt Chris Geld – so viel, dass er die Fahrtkosten von Hamburg nach Düsseldorf wieder raus hat. Das ist fair, finden die Sneaker-Freunde drum herum.

Deutlich mehr Geld hat ein unbekannter Sammler locker gemacht, um ein Sondermodell des Sondermodells zu bekommen: Vom „Koi“ gibt es nur ein einziges Paar, dessen Zehenkappe schwarz ist. „A Few“ hat es im Internet versteigert – für 4000 Euro. Die Einnahmen spendet das Geschäft an das Kinderhospiz „Regenbogenland Düsseldorf“.

Die 200 Menschen vor dem Laden, die zum Teil drei Tage und Nächte hier gewartet haben, zahlen am Samstagmorgen schließlich 165 Euro für ihre Schuhe. Sie erfreuen sich an Details wie der Holzbox, den „A Few“-Essstäbchen und zusätzlichen Schnürsenkeln in kleinen Gläschen. Es ist ein Sammlerobjekt, das sie da ergattert haben. Und schon bald werden sie wahrscheinlich wieder vor einem anderen Laden sitzen und auf ein besonderes Modell warten, während der „Koi“ bei ihnen im Regal steht und darauf wartet, bei einer besonderen Gelegenheit ausgeführt zu werden.