Schreck in der Morgenstunde

Schreck in der frühen Morgenstunde für Hunderte von Düsseldorfern: Explosionsartige Geräusche und wackelnde Wände sorgten gestern für Aufregung. Grund dafür waren zwei leichte Beben und ein Unwetter über Köln, dessen Donner bis in die Landeshauptstadt schallten. Verletzt wurde niemand, Schäden an Gebäuden hat es offensichtlich ebenfalls nicht gegeben. Polizei und Feuerwehr registrierten mehr als 200 Anrufe von besorgten Bürgern.

Den ersten Erdstoß gab’s um 5.53 Uhr, den zweitem um 6.13 Uhr. Es handelte sich um zwei leichte Beben mit den Werten 1,9 und 1,5 auf der Richter-Skala. Diese waren vor allem im Osten der Stadt zu spüren, das Epizentrum lag bei Erkrath. Die Stärke der Erdstöße liegt knapp über der für Menschen spürbaren Schwelle. „Doch gekoppelt mit dem Donner aus Köln hat das viele Menschen in Sorge versetzt“, sagt Feuerwehrsprecher Heinz Engels, der gestern früh das Beben auf der Leitstelle wahrgenommen hat, „auch bei uns haben die Wände leicht gezittert“.

Ähnlich erging es NRZ-Leser Hermann Hegenscheidt aus Lierenfeld. „Meine Frau und ich wurden von dieser Detonation aufgeschreckt. Die Wände haben deutlich gewackelt. Wir sind dann erst mal ans Fenster gegangen, um zu sehen, ob ein Feuer ausgebrochen ist. Danach haben wir die Heizungsanlage im Keller kontrolliert“, berichtet der Anwohner vom Anemonenweg. Später hat Hegenscheidt aus dem Radio von der Ursache erfahren. „Andere besorgte Bürger hatten einen Anschlag vermutet“, sagt Engels.

Normalerweise sind solche Erdstöße erst ab einem Wert von etwa 2 auf der Richterskala spürbar. „Weil’s in den frühen Morgenstunden meist noch sehr still ist, war dies wohl in Düsseldorf diesmal anders“, erläutert Klaus Lehmann, Leiter des Landeserdbebendienstes beim Geologischen Dienst NRW mit Sitz in Krefeld. Und weil’s eben zusätzlich gedonnert hat.

Wegen der besonderen Erd- und Bodenkonstellation zählt die Niederrheinische Bucht, in der auch Düsseldorf liegt, nach der Schwäbischen Alp zu den erdstoßgefährdetsten Gebieten in Deutschland. Zwei bis drei Beben registriert der Geologische Dienst pro Woche, die meisten liegen unterhalb von Richtwert 2. „Solche Stöße sind hier also durchaus üblich. Besondere Sicherheitsvorkehrung sind deshalb jetzt nicht notwendig“, beruhigt der Diplom-Physiker Lehmann. Der Geologische Dienst verfügt über 14 Überwachungsstationen. Die Düsseldorf am nächsten gelegene befindet sich in Velbert.

Das heftigste Beben in der Niederrheinischen Bucht gab’s 1992 in Roermond mit einem Richtwert von 5,9. Dabei wurden 30 Menschen verletzt, hinzu kam ein Sachschaden von etwa 100 Millionen Euro. Der Erdstoß war derart stark, dass damals auch die Wände in Düsseldorf erzitterten.