Schnitzel mit Klebstoff
15.10.2010 | 18:45 Uhr 2010-10-15T18:45:00+0200
Düsseldorf.Ausdauer und Aufnahmebereitschaft fordert dieser Tage das zweite Vierwände-Festival der Off-Szene. Neben einem Parcours de Force durch 30 Orte der Subkultur gibt es Vorträge, Symposien und Rückschauen.
So zeigen die bildenden Künstler Präsenz in einer Stadt, deren Museen immer mehr auf massenkompatible Ausstellungen setzen. Die Aktion wollen sie daher auch als politisches Statement verstanden wissen. Heute ist der letzte Festivaltag. Die Abschlussparty startet um 23 Uhr im Salon des Amateurs am Grabbeplatz.
Mit den Arbeiten der Berliner Künstlerin Sandra Bruns präsentiert sich der „reinraum“ an der Aderstraße. Es ist ein Verein, der die ehemalige öffentliche Herrentoilette, die unter dem Jahnplatz liegt, zum 60 Quadratmeter-Ausstellungsraum umfunktioniert hat. Die Raumcollagen von Sandra Bruns entwickeln in dieser Umgebung eine spannungsreiche Situation, die den Betrachter Teil der Aktion werden lässt. „Es entsteht ein Raum, welcher nicht die Gegenwart abbildet und doch mit dieser kommuniziert“, beschreibt Bruns ihre Arbeit. Der „reinraum“ ist zwischen 17 und 23 Uhr geöffnet.
Zurück zu Umweltschutz
und Jägermeister
„Klebstoff“ heißt die Ausstellung, die der Verein „Metzgerei Schnitzel“ in seinem Vereinsheim „Brause“ an der Bilker Allee 233 zeigt. In dem Raum einer früheren Tankstelle wird mittels zahlreicher Aufkleber aus den 80er und frühen 90er Jahren der Blick in die „Früher-war-alles-anders-Zeit“ gelenkt. Die Stickersammlung des Musikers Jens Bumper entführen in die Ära von „Umweltschutz, Jägermeister und Disco“, so die Veranstalter.
Das „damenundherren“ ist ein Off-Raum, der ebenfalls einen ehemaligen gewerblichen Raum mit neuen Inhalten füllt. Dieser Kulturverein bespielt seit 2003 einen früheren Friseursalon an der Oberbilker Allee 33. Im Rahmen des Vierwände-Festivals heißt es heute ab 20 Uhr: „Exil und Määr“. Hinter diesem Titel verbirgt sich eine Lesung mit Musik. Vorgestellet werden Texte aus dem deutschsprachigem Exil, geschrieben zwischen 1933 bis 1945 sowie Literatur von Autoren, die aktuell im Exil leben müssen. „Määr“ (ja, mit zwei ä) ist eine Improvisationsband aus Köln. Der Eintritt beträgt drei Euro.
Zu den weiteren Kunsträumen der Sektion „Süd/West“, die heute ab 17 Uhr ihre Türen öffnen, zählen die Galerien Ninasagt und Pretty Portal, Estemp, das Institut für skulpturelle Peripherie, Interim, der Raum für Malerei sowie der Provisionäre Salon.
Die Hauptanlaufstelle des Festivals ist der ConSum an der Ronsdorfer Straße. Dort ist die Ausstellung „Unter dem Radar“ aufgebaut. Sie dokumentiert die Struktur der Düsseldorfer Kunsträume und geht dabei bis zu den ersten Ausstellungen der ZERO Gruppe zurück: Künstlerinitiativen haben in der Landeshauptstadt Tradition.
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