Scharia-Polizei läuft jetzt als "Pro Halal" durch Düsseldorf

Wohnt jetzt offenbar in Düsseldorf und will seine Ideologie nun unter dem Motto "Pro Halal" verbreiten: Salafist Sven Lau.
Wohnt jetzt offenbar in Düsseldorf und will seine Ideologie nun unter dem Motto "Pro Halal" verbreiten: Salafist Sven Lau.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Wuppertaler "Scharia-Polizei" hat in der vergangenen Woche für Schlagzeilen gesorgt. Mittlerweile haben die Salafisten um Sven Lau ihre Westen niedergelegt. Fortan wollen sie ohne Uniform als "Pro Halal" durch die Straßen der Republik ziehen. Ein aktuelles Video zeigt die Gruppe in Düsseldorf.

Essen.. Auch nach dem Aus für die Wuppertaler "Scharia-Polizei" will Salafist Sven Lau seine Ideologie anscheinend weiter auf der Straße verbreiten. Ein neues Video zeigt, wie der 33-Jährige mit zwei Mitstreitern durch die Düsseldorfer Innenstadt läuft und erklärt, dass er sein "Projekt" fortsetzen will.

"Wir werden weiterhin rausgehen und auf der Straße nach Jugendlichen Ausschau halten", erklärt Lau. Er und seine Leute würden "von Stadt zu Stadt gehen". In Wuppertal sprachen die Salafisten Passanten an, luden sie zu Predigten ein, gingen aber auch in Geschäfte, um Bürger auf ihren Verhaltenskodex aufmerksam zu machen, in dem kein Platz für Alkohol oder Musik ist.

Salafisten verzichten auf Weste

Die orangefarbenen Uniformen mit der Aufschrift "Sharia Police" werde er aber nicht mehr benutzen, sagt Lau. "Ich brauche für diese Arbeit keine Weste." Ein Grund für den Verzicht könnte aber auch sein, dass die Westen von der Polizei in Wuppertal als Verstoß gegen das Uniformierungsverbot gewertet wurden.

Ohne die Westen dürfte es für die Polizei deutlich schwieriger werden, Lau und seinen Mitstreitern strafrechtliche Grenzen aufzuzeigen. Zumal der 33-Jährige und seine Mitstreiter den provokanten Name "Scharia-Polizei" ebenfalls abgelegt haben.

"Scharia-Polizei" Denn Lau hat sein selbsternanntes "Projekt" anscheinend in "Pro Halal" umgetauft. Halal ist eine Bezeichnung für alle Handlungen, die nach dem islamischen Recht erlaubt sind. Stolz erzählt Lau in dem Video, dass sich viele Menschen bei ihm gemeldet hätten und "dieses Projekt" in anderen Städten umsetzen wollen. Auch in Düsseldorf habe er zahlreiche Muslime angetroffen. Lau scheint mittlerweile sogar in der Landeshauptstadt zu wohnen. "Das ist die Stadt, in der ich jetzt lebe", sagt Lau zu Beginn des Videos.

Staatsanwaltschaft will das Video prüfen

"Wir wissen, dass Herr Lau in Düsseldorf aktiv ist", sagt Andreas Czogalla von der Düsseldorfer Polizei. Allerdings würden nach seiner Einschätzung weder Lau noch seine Mitstreiter in dem neuen Video eine Straftat begehen. Die Staatsanwaltschaft prüfe den Sachverhalt natürlich trotzdem. "Wir werden nicht zulassen, dass in Düsseldorf irgendwelche strafbaren Aktionen einer solchen Gruppe stattfinden."

In Wuppertal ist Laus Gruppe laut Polizei seit einigen Tagen nicht mehr aktiv. Allerdings hat die öffentlichkeitswirksame Aktion der Salafisten dafür gesorgt, dass sich Mitglieder der Partei "Die Rechte" seit einigen Tagen als "Stadtschutz" inszenieren - angeblich als Reaktion auf die "Scharia-Polizei". Die Rechtsaktivisten patrouillierten mindestens zwei Mal als selbsternannte Ordnungshüter durch die Stadt. Die Polizei leitete vergangenen Woche deshalb mehrere Verfahren gegen Mitglieder der Partei "Die Rechte" ein.

Wie gefährlich sind die Aktionen von Salafisten und rechtem "Stadtschutz" wirklich?

Salafisten patrouillieren durch Wuppertal und Rechtsaktivisten der Partei "Die Rechte" inszenieren sich als ordnungsliebender "Stadtschutz". NRWs CDU-Chef Armin Laschet spricht von der unterschätzten "Salafistengefahr", der NRW-Landtag diskutiert am Freitag in einer Aktuellen Stunde über die islamistische Patrouille und Volker Kauder, CDU-Fraktionschef im Bund, forderte in der "Welt am Sonntag" sogar neue Gesetzte, um gegen Islamisten vorzugehen.

Ist die Lage wirklich so ernst, dass wir uns Sorgen um das Entstehen einer Paralleljustiz durch Rechte und Salafisten machen müssen? Wohl eher nicht.

"Die Aufmerksamkeit, die diese Gruppen gerade bekommen, steht in keinem Verhältnis zu ihren wahren Möglichkeiten", sagt Extremismusforscher Alexander Häusler von der Fachhochschule Düsseldorf. Der Stadtschutz sei ebenso wie die "Scharia-Polizei" lediglich "eine PR-Aktion um im Gespräch zu bleiben."

Salafisten und Rechte brauchen sich als Feindbild

Mit minimalen Aufwand würden die Gruppen versuchen, maximale Aufmerksamkeit bekommen. Sowohl Salafisten als auch Rechte konnten für ihre Aktionen schießlich kaum mehr als ein paar Teilnehmer organisieren. Und als "Die Rechte" auf ihrer Facebook-Seite fragte, wo der "Stadtschutz" als nächstes patrouillieren soll, nahmen gerade einmal 14 Menschen an der Umfrage teil.

Ermittlungen "Salafisten und Rechte brauchen sich gegenseitig als Feindbild", glaubt Häusler. Durch Aktionen wie den "Stadtschutz" könnten sie ihren Anhängern außerdem zeigen, dass sie sich vom Staat nichts gefallen lassen. Trotzdem wecken die Aktionen bei vielen Bürgern Ängste. Der Druck liegt deshalb bei der Polizei. Sie muss den Bürgern zeigen, dass sie den Extremisten entschieden entgegen tritt.

"Stadtschutz" patrouilliert weiter durch Wuppertal

"Wir haben unsere Präsenz in der Stadt vergrößert", sagt André Schwanicke von der Wuppertaler Polizei. Die Scharia-Polizei habe sich aber seit dem Vorfall in der vergangenen Woche nicht mehr blicken lassen.

Anstatt dessen zogen Mitglieder der Partei "Die Rechte", gekleidet in pinke T-Shirts, am Mittwochabend wieder als sogenannter "Stadtschutz" durch Wuppertal. "Sie können sich sicher sein, dass wir diese Leute im Auge behalten", sagt Schwanicke. Mit Ordnungshütern hätten die Rechten im Übrigen wenig zu tun. Ihnen ginge es vorrangig darum, die eigene Ideologie zu verbreiten, sagt Schwanicke. "Diese Leute wollen in der Bevölkerung Ängste schüren. Das können wir nicht tolerieren."