Rückkehr in alte Zeiten

Nur selten ist die Bergische Landstraße/B7 so schön frei wie hier. Um sie zu entlasten, soll eine neue Straßenbahn-Trasse gebaut werden.
Nur selten ist die Bergische Landstraße/B7 so schön frei wie hier. Um sie zu entlasten, soll eine neue Straßenbahn-Trasse gebaut werden.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Ampel will Straßenbahn bis Hubbelrath – das gab’s bis 1937 ist aber heute schwierig

Düsseldorf..  Bis 1937 fuhr die Straßenbahn zwischen Mettmann und Gerresheim. Diese Strecke soll teilweise wiederbelebt werden. So plant das Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP die Verlängerung der bisher bis zum Gerresheimer Krankenhaus reichenden Straßenbahn-Trasse bis Hubbelrath. So soll das ab 2020 entstehende Wohngebiet auf dem Gelände der Bergischen Kaserne angebunden werden.

Bereits bei der Vorstellung des Planes einer Verlängerung der Straßenbahn zur Kaserne vergangenen Sommer wurde auf die alte Strecke verwiesen. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Chefin der FDP-Fraktion im Stadtrat, sagte sogar, dass dort noch alte Schienen liegen. Und tatsächlich: Abseits von der Bergischen Landstraße am Gallberg sind auf einem heute genutzten Fußweg noch Gleise zu finden.

Doch die Wiederbelebung der Trasse von Geresheim hoch nach Hubbelrath zur Kaserne, oder wie es die SPD sich vorstellt sogar bis zur A 3, bringt Probleme. „Das wird verdammt schwierig“, sagt FDP-Ratsherr Manfred Neuenhaus. „Das ist wird schwierig, das ist aber nicht unmöglich“, sagt SPD-Verkehrsexperte Martin Volkenrath. Denn: Die neue Bahn werde man nicht einfach auf die Bergische Landstraße/B7 setzen, die von Gerresheim bis zur Mettmanner Stadtgrenze führt: Aufgrund der sowie schon vorhandenen Verkehrsprobleme und Staus auf einer der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen Düsseldorfs sei dies keine Option. „Wir wollen die Bahn nicht auch noch in den Stau schicken“, sagt Neuenhaus.

Eine Arbeitsgruppe der Ampel berät zur Zeit die Möglichkeiten. Drei Alternativen gibt es, sagte Neuenhaus. Eine davon aus, die Straßenbahn künftig, wie früher schon, abseits der Bergischen Landstraße laufen zu lassen (stadtauswärts gesehen links vorbei). Das Problem: Dort ist Landschaftsschutzgebiet, die Planungen können zehn bis 15 Jahren dauern – und dann doch abgelehnt werden. Für SPD-Ratsherr Volkenrath ist eine Tunnellösung nicht vom Tisch. Vorschläge der CDU, vom Gerresheim aus eine Seilbahn oder einen Skytrain den Gallberg hoch nach Hubbelrath zu schicken bezeichnete die SPD dagegen inzwischen als „Luftschlösser“.

Fraglich ist, ob das Wohngebiet Bergische Kaserne, wo rund 3000 Wohneinheiten entstehen könnten, kommt, wenn die schienengebundene Anbindung nicht klappt oder sich um Jahre verzögert: Denn die war für die Ampel-Partner eigentlich Voraussetzung für die Entwicklung des neuen Wohnquartieres.

Am 16. Dezember 1909 wurde die Straßenbahn-Linie 1 der Kreis Mettmanner Straßenbahn GmbH zwischen Mettmann bis Hubbelrath in Betrieb genommen, die im März 1910 bis Ludenberg/Gerresheim verlängert wurde. Die Fahrt auf der 10,7 Kilometer langen Strecke zwischen Mettmann und Gerresheim/Ludenberg dauerte 30 Minuten. Hier konnte man an der Haltestelle „Auf der Hardt“ dann umsteigen in die Straßenbahnlinie von Gerresheim bis zum Schadowplatz. Die geplante Weiterführung der Kreis Mettmanner Linie 1 über Gerresheim/Ludenberg hinaus bis zum Graf-Adolf kam jedoch nie zustande – die Reichsbahn vereitelte das aus Angst vor zu viel Konkurrenz. Von der Hardt aus fuhr die Straßenbahn später als Linie 1 über Metmann weiter nach Dornap und Vohwinkel, als Linie 2 über Mettmann bis Tönisheide. Am 9. Dezember 1936 wurde der Abschnitt Auf der Hardt – Hubbelrath – Mettmann eingestellt. Bis heute fahren Busse auf dieser Strecke.