Das aktuelle Wetter Düsseldorf 17°C
Punk

Rückblick auf 30 Jahre Die Toten Hosen als Bonus-CD

27.05.2012 | 09:00 Uhr
Rückblick auf 30 Jahre Die Toten Hosen als Bonus-CD
Campino von den Toten Hosen.

Düsseldorf.   „Die Geister, die wir riefen“, heißt die Bonus-CD zum 30-jährigen Bestehen der Band, und es stimmt, sie lassen die Toten Hosen nicht mehr los. Denn wenn es eine Band gibt, die treu ist und sich treu geblieben ist, dann diese. Ein Rückblick auf 30 Jahre Bandgeschichte.

Schon auf „Learning English Lesson One“ (1999) haben Die Toten Hosen mit ihren englischen und amerikanischen Punk-Heroen deren Songs neu eingespielt, haben TV Smith von den Adverts tatkräftig unterstützt. Und haben immer geschwärmt, sei es von der Fortuna oder den Musikern, die sie geprägt haben.

Die vorlauten kleinen Brüder

Drehen wir die Uhr also zurück, ins Jahr 1982, als die Toten Hosen ihr erstes Konzert in Bremen spielten. Eigentlich müsste man ja 1978 beginnen, als sich der Vorläufer ZK (für Zentralkomitee) gründete, im Ratinger Hof, der Keimzelle der Düsseldorfer Punkbewegung. Unter anderem brachten ZK die Single „Tip für Twinky“ heraus, auf dem legendären „Rondo“-Label von Jochen Bielmeyer, der für Mittagspause spielte. Zu denen kommen wir auch noch.

ZK und auch die Toten Hosen waren zunächst die vorlauten kleinen Brüdern der „Älteren“, die damals etwas politischer, etwas intellektueller daherkamen. Dazu kamen die Klamotten, buntes billiges Zeug, aus Läden wie „Kauf´s im Kilo“. Bis zum dezenten Musiker-Schwarz sollte es noch Jahre dauern.

Vor diesem Hintergrund erschien auch die Single „Jürgen Engler gibt ne Party“ (und wir kommen nicht rein), ein ironisches Klagelied über den damaligen Sänger von Male. Die gelten als die erste „richtige“ Punkband Düsseldorfs, eiferten den Clash nach und brachten 1979 die LP Zensur & Zensur heraus, auf dem Label des Plattenladens Rock On. Der lag in einer Passage auf der Schadow-Straße, und am Wochenende pilgerten die Fans dorthin, um die neuesten importierten Scheiben zu ergattern. Jürgen Engler gründete später die Krupps und wurde mit Industrial-Rock erfolgreich. Der von den Hosen gecoverte Song „Sirenen“ stammt vom „Zensur“-Album, das heute hoch gehandelt wird. Mit „Clever & Smart“ haben Male auch eine Single auf Rondo veröffentlicht.

„Zurück zum Beton“

Mit „Das Model“ erweisen die Punks den Elektronikern von Kraftwerk Referenz. Irgendwie passt das Ganze nicht recht zusammen, so weit entfernt scheinen die Berührungspunkte. Auf der einen Seite die Enthusiastischen, auf der anderen die Kühlen, das kann nicht gut gehen. Über die Bedeutung von Kraftwerk für Düsseldorf und Welt ist ja schon genug gesagt worden.

Bei S.Y.P.H. liegen die Dinge schon anders. Die Solinger Band um den Künstler Harry Rag war in der Punk-Szene verankert, auch wenn die collagenartige Musik die Grenzen sprengte. Aber wer Songs wie „Zurück zum Beton“ oder „Industrie-Mädchen“ schrieb, passte in die Zeit. Und Campino singt „Unten beim Kraftwerk haben wir uns geliebt, neben uns hat leise der Schnelle Brüter gepiept“, als wäre es gestern gewesen.

Rochuskirche auf dem Cover

„Das, was ZK für die Hosen war, waren Mittagspause für die Fehlfarben“, heißt es im CD-Booklet zum Cover von „Innenstadtfront“. Der Song erschien auf der legendären Doppelsingle von Mittagspause, mit der Rochus-Kirche auf dem Cover. Ganz am Anfang quäkte noch ein altes Tonbandgerät auf der Bühne, und am Schlagzeug saß Künstler Markus Oehlen.

Die späteren Fehlfarben, die mit „Es geht voran“ einen ungeliebten Hit schrieben, haben mit „Herrenreiter“ ebenfalls eine Single auf dem, tja, Rondo-Label herausgebracht. Sänger Peter Hein gilt als einer der besten deutschsprachigen Texter, die Fehlfarben sind derzeit wieder auf Tour und haben ein neues Album herausgebracht. „Sturmangriff in Heerdt, das ist doch nur der Allkauf wert“, hieß es 1979, aber „alles ist ruhig an der Innenstadtfront!“

Soweit die Düsseldorfer. Die „Geister, die wir riefen“, versammelt allerdings auch Musiker, die man nicht so schnell mit den Toten Hosen assoziieren würde. Wer hätte gedacht, dass die auch Hannes Waders „Heute hier morgen dort“, spielen, wenn auch etwa dreimal so schnell und elektrisch. Dazu noch Falco, die Ärzte und einige andere „Geister“. Zu denen gehören auch die „Moorsoldaten“, die schon Ernst Busch besang. Ein langer Blick zurück, aber keiner im Zorn.

Thomas Hag



Kommentare
27.05.2012
19:13
Rückblick auf 30 Jahre Die Toten Hosen als Bonus-CD
von Timmy | #1

Der Mittagspause-Gitarrist und Gründer des Rondo-Labels heißt Franz (nicht Jochen) Bielmeier.

Aus dem Ressort
67-jährige Düsseldorferin bei Brand schwer verletzt
Feuerwehr
Schwere Verbrennung hat eine 67-Jährige bei einem Feuer in Düsseldorf davongetragen. Der Brand war im Schlafzimmer ihrer Erdgeschosswohnung ausgebrochen. Zwei Nachbarn retteten der Frau vermutlich das Leben: Sie traten die Wohnungstür ein und holten die Schwerverletzte aus dem verrauchten Zimmer.
Düsseldorfer ersticht Kontrahenten auf offener Straße
Messerstecherei
Auf offener Straße hat in Düsseldorf ein Mann einen Konkurrenten erstochen. Das Opfer erlitt bei dem Angriff so schwere Verletzungen, dass es kurze Zeit später im Krankenhaus starb. Offenbar hatte es lang anhaltende Streitigkeiten zwischen den beiden Männern gegeben.
Umzug beendet - Alltours-Zentrale ab jetzt in Düsseldorf
Reisen
Es war ein Umzug der größeren Sorte: Der Reiseveranstalter Alltours hat seinen Firmensitz am vergangenen Wochenende vom Duisburger Innenhafen ins Düsseldorfer Dreischeibenhaus verlegt. Ein Grund für den Umzug ist Platznot, doch das Unternehmen verspricht sich noch mehr von der Landeshauptstadt.
Sanierung läuft planmäßig
Glasmacherviertel
Viel Aktion auf dem ehemaligen Glashütten-Gelände in Gerresheim. Die Sanierungsarbeiten haben am 1. September begonnen (NRZ berichtete) und sind in vollem Gang. Von dem Gebäude 320/321, direkt an der Bahntrasse gelegen, stehen nur noch die letzten Reste.
Gepäckdiebe am Düsseldorfer Hauptbahnhof gefasst
Kriminaliät
Die Unachtsamkeit eines Touristen am Düsseldorfer Hauptbahnhof haben drei Täter ausgenutzt und einen Trolley samt Inhalt entwendet. Ein 24-jähriger Mann sitzt nun in Haft. Der Tourist erhielt derweil sein Gepäckstück von der Polizei zurück.
Fotos und Videos
Meisterschaft der Bodypainter
Bildgalerie
Körperbemalung
Großbrand in Hilden
Bildgalerie
Feuerwehr
Rockerkrieg in NRW
Bildgalerie
Bilderchronik