Routine auf dem Snowboard
08.02.2012 | 18:02 Uhr 2012-02-08T18:02:00+0100
Die Crossover-Rocker der Guano Apes präsentierten sich im Stahlwerk gereift, aber auch wenig dynamisch
Ende der ‘90er fegten die Guano Apes mit ihrem brachialen Crossover-Rock so rasant durch die Charts wie ein Snowboard-Fahrer über die Piste. Der passende Track „Lord of the Boards“ aus dem krachenden Debüt-Album „Proud Like a God“ katapultierte das Göttinger Quartett 1997 auf internationale Topplatzierungen und zu millionenfachen Plattenverkäufen.
Streit um den schnöden Mammon führte 2006 zur Auflösung, drei Jahre später folgte die Wiedervereinigung. Die Tour zum 2011 erschienenen Comeback-Album „Bel Air“ führte die Combo nun ins Stahlwerk. Wegen des schleppenden Ticketverkaufs zog man aus der Mitsubishi Electric Halle nach Lierenfeld.
Rund 1000 Fans füllten nun die einstige Industriehalle. Wie die Mitglieder der Band ist das Gros des Publikums in die Mittdreißiger gekommen. Da saust man die Piste nicht mehr ganz so rasant herunter wie noch vor 15 Jahren.
Entsprechend professionell gereift, aber auch zurückgenommen präsentierten sich die Guano Apes. Nach leichter Verspätung starten sie mit „Quietly“ – eher leise klingt auch Frontfrau Sandra Nasic, die weniger schreit, aber auch weniger dominant singt. Nasic hat mitunter Mühe, gegen die klaren Gitarren und den wummernden Bass anzukommen.
So wirkt der Auftritt zwar punktgenau, aber häufig wenig dynamisch. Das Brachiale ist verflogen, routiniert wird das Programm abgespult. Das Publikum reagiert entsprechend. Abgesehen von einem kleinen Kern Hartgesottener vor der Bühne wippt der Rest eher bemüht mit dem Bein.
Dabei nimmt „die geile Crowd“, so Drummer Dennis Poschwatta, dankbar jeden Input auf, verwandelt bei der erdig vorgetragenen Debütsingle „Open Your Eyes“ das Stahlwerk in eine rustikale Hüpfburg. Danach gehen Tempo und Dynamik wieder verloren. Bis zur Zugabe.
Das Alphaville-Cover „Big in Japan“ und „Lord of the boards“ erinnern noch einmal an die krachenden Anfangsjahre, reißen die Halle prompt mit. Dann ist nach rund 105 Minuten Ende. Und es bleibt die Erkenntnis, dass der Ritt auf dem Snowboard mal wilder war.
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