Rose Nuggel macht Hunde schick

Oberkassel..  Fern von allem großstädtischen Flair hält am Niederkasseler Kirchweg ein Grüppchen Einzelhändler über viele Jahrzehnte die Stellung. Rose Nuggels Hundesalon gehört dazu. Seit 50 Jahren macht sie Hunde schick, damit sich Frauchen und Herrchen wieder mit ihnen sehen lassen können. „Pudel-Paradies“ steht in großen Lettern am Schaufenster. Doch Pudel sind es nicht, die das lautstarke Begrüßungskomitee bilden, sondern Pinscher „Mary“ Yorkshire-Terrier „Toby“, Mops „Moses“ und Mischling „Vicky“. Es sind Roses eigene Hunde, die die Pflege-Prozedur ihrer Artgenossen täglich verfolgen können. Und die Pudel? „Ich habe das Geschäft vor 50 Jahren übernommen, da hieß es noch „Sonjas Pudel-Salon“, klärt Rose Nuggel auf. „Weil mich aber alle mit Sonja ansprachen, habe ich den Namen weggelassen, nur die Bezeichnung „Pudel-Paradies“ behalten, denn Pudel waren einst in Mode.“ Heute zeichne sich ein neuer Trend für diese Tiere ab, wenn auch eher als Mischlinge. So habe sie erst kürzlich einem „Aprico-Pudel“ einen Püschel fürs Hinterteil geformt.

Auch im Tierschutz aktiv

Schneiden, Trimmen, Waschen, Baden Föhnen, Entfilzen, Krallen- und Ohrenpflege – damit beschäftigt sich die 66-Jährige tagaus tagein mit großer Leidenschaft, die weit über das Geschäftliche hinausgeht. So setzt sie sich ehrenamtlich für den Tierschutz ein, rettet heruntergekommene Vierbeiner und vermittelt sie auch an Tierfreunde weiter. Kein Wunder, dass auch ihre vier Hunde alle eine Geschichte haben. „Toby zum Beispiel war verhaltensgestört. Er kam mit seinem Frauchen nicht zurecht und umgekehrt. Regelmäßig machte er Rabatz“, erinnert sie sich. „Weil er bei mir immer ruhig war, habe ich ihn schließlich in meine Hundefamilie aufgenommen.

Woher dieses Engagement, diese grenzenlose Liebe zu den Hunden kommt, weiß sie nicht so genau. „Es ist mir wohl in die Wiege gelegt worden.“ Als Dreijährige sei sie zu einem Hund in die Hütte gekrochen und für eine Weile verschwunden gewesen. „Bin ausgebüxt“, sagt sie und lacht fröhlich. „Anschließend hat meine Mutter mich in einer Zinkwanne kräftig abgewaschen. Der Hund hatte Flöhe.“

Die Eltern haben die Vorliebe der Tochter aber ignoriert, „denn erst sollte ich einen ordentlichen Beruf ergreifen.“ Doch dann gelang es der 14-Jährigen, eine Ausbildung als Hundepflegerin zu machen. Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte sie 1965 an der Steffenstraße, vor 33 Jahren wechselte sie an den Niederkasseler Kirchweg.

Müde ist sie auch nach 50 Jahren nicht. Sicher helfen ihr der Lebensgefährte und Freundin Christiana, wenn es mal eng wird, aber täglich steht die Tierfreundin von 10 Uhr „bis ich fertig bin“, im Laden. Eine Mittagspause kennt sie nicht, gegessen wird irgendwann zwischendurch und dann allermeist ein Butterbrot. Denn ihr Service ist nachgefragt, das Geschäft einmalig im linksrheinischen Düsseldorf. Darüber hinaus ist es nicht nur Anlaufstelle für alle, die sich um ihre Vierbeiner sorgen, sondern auch als Meinungsbörse im Viertel bekannt und geschätzt. „Und das soll auch so bleiben – bis ich nicht mehr kann“, sagt sie mit fester Stimme.