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Risiko Haltestelle: Die Gefahr wird unterschätzt

29.10.2008 | 19:42 Uhr
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VERKEHR. Nach dem Unfalltod eines Schülers prüfen Polizei, Rheinbahn und Stadt Konsequenzen vom Gitterschutz bis zur Verkehrserziehung.

Der tragische Unfalltod eines 14-jährigen Schülers am Rather Broich hat eine Diskussion über die Verkehrssicherheit ausgelöst. Experten der Rheinbahn, der Stadt und der Polizei prüfen jetzt, ob das Unfallrisiko an dieser und möglicherweise auch an anderen Rheinbahn-Haltestellen verringert werden kann. Dabei wird auch die Frage erörtert, warum der Übergang an der Haltestelle nicht mit einem Gitter gesichert ist. Der Aufsichtsrat der Rheinbahn wird sich am 26. November mit dem Thema befassen, die städtische Unfallkommission im Dezember.

Die Polizei geht davon aus, dass der Junge am Dienstagmorgen noch seine Straßenbahn der Linie 719 bekommen wollte, auf den Übergang lief und die entgegenkommende Linie 712 übersah, obwohl die gelben Warnlichter blinkten. Der Junge wurde mehrere Meter mitgeschleift und starb noch an der Unfallstelle.

Fremdverschulden wird ausgeschlossen

Fremdverschulden wird bisher ausgeschlossen. Alle Details zum Unfallhergang sind noch nicht geklärt, berichtete gestern der leitende Polizeidirektor Martin Vonstein. "Wir müssen noch zehn Zeugen befragen. Darunter sind fünf Kinder, die unter Schock stehen und mit denen wir sehr behutsam umgehen werden." Außerdem untersuchen Gutachter von der Dekra den Fahrtenschreiber, um genau festzustellen, wie schnell die Straßenbahn-Fahrerin fuhr.

Martin Vonstein und Hauptkommissar Werner Krause von der Verkehrsdirektion machten sich gestern selbst ein Bild von der Situation an der Haltestelle und sehen "Optimierungsmöglichkeiten". Sie werden bis zur Sitzung der Unfallkommission u.a. diese Optionen prüfen lassen:

Die Installation eines Umlaufgitters. Der zwingt den querenden Fußgänger, in die Richtung der Bahn zu sehen.

Änderung des Betriebsablaufes, damit nur eine Bahn die Haltestelle anfährt.

Tempolimit am Übergang. Bisher gilt nur auf der Luegallee Tempo 20, wenn sich Passanten dem Gleis nähern.

Die Polizei stellt auch die Frage, ob die Verkehrserziehung verbessert werden muss und Kindern und Jugendlichen die besonderen Gefahren an Bahngleisen deutlicher gemacht werden müssen. "Hier sind Eltern und Schulen gefordert", erklärte Vonstein. Entsprechende Initiativen gab es nach einem schweren Bahn-Unfall auf der Luegallee vor drei Jahren. Doch an diesem Projekt waren damals fast nur linksrheinische Schulen beteiligt.

MICHAEL MÜCKE

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