Rheinische Grundgesetze

Was dem einen gefällt, muss dem anderen noch lange nicht zusagen.

Steht zum Beispiel ein Riesenrad auf dem Burgplatz, freuen sich die einen über einen ungewöhnlichen Spaß am Rheinufer und drehen vergnügt ihre Runden hoch über den Dächern der Altstadt. Die anderen beschweren sich über Kunstlicht und viel zu viel Helligkeit im Schlafgemach.

Feiern die einen Schützenfest auf der größten Kirmes am Rhein, beklagen die anderen anhaltende Parkplatzprobleme im Linksrheinischen.

Gleiches gilt für eine dort jüngst veranstaltete Karnevalssitzung: Während die einen traditionell feiern, rufen die anderen das Ordnungsamt und unterbinden das närrische Treiben. Die Lautstärke sei eine Zumutung, an Schlaf sei nicht zu denken. Die feiernden Karnevalisten zeigen sich verblüfft, Ratlosigkeit macht sich breit und das eine will nicht recht zum anderen passen. Urbanität und ländliche Stille scheinen nur schwer miteinander vereinbar zu sein oder, dem Sprichwort nach: „Was dem einen Freud, ist des anderen Leid.“

Vielleicht sollten sich beide Seiten etwas lockerer machen und sich darauf besinnen, dass wir hier im Rheinland leben. Wir könnten das rheinische Grundgesetz, Artikel 2 („Et es wie et es“), und dann Artikel 3 („Et hätt noch emmer joot jejange“) anwenden, um abschließend Artikel 10 walten zu lassen. Der stellt nämlich die Frage „Drinks de ejne met?“ In diesem Sinne: Helau!