Raucherdrama um Friedhelm Adolfs geht in die letzte Runde

Die letzte Zigarette daheim? Friedhelm Adolfs muss fürchten, dass er seine Wohnung verliert. Der Rechtsstreit ist inzwischen vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gelandet.
Die letzte Zigarette daheim? Friedhelm Adolfs muss fürchten, dass er seine Wohnung verliert. Der Rechtsstreit ist inzwischen vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gelandet.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nun entscheidet der Bundesgerichtshof, ob Friedhelm Adolfs (76) nach 40 Jahren seine Düsseldorfer Wohnung verlassen muss, weil er zu selten lüftet. Die Entscheidung gilt dann als endgültig. Der Raucher beteuert weiterhin, genug zu lüften.

Düsseldorf/Karlsruhe.. Ein Raucherurteil am Aschermittwoch, das klingt nach einem mittelmäßigen Karnevalskalauer. Friedhelm Adolfs ist nach Späßen allerdings nicht zumute. Denn der 76-jährige Witwer aus dem Düsseldorfer Zooviertel steht in ein paar Tagen womöglich ohne Wohnung auf der Straße. Weil er im Souterrain zu viel raucht und zu wenig lüftet, wie seine Vermieterin beklagt. Der Qualm ziehe ins Haus und belästige die Nachbarn; mittlerweile sind fast alle Wohnungen in Firmenbüros verwandelt worden.

„Das Fenster steht immer auf Kipp“, beteuerte der Beschuldigte mehrfach vergeblich: Die Anwältin der Frau hat Gerichte in zwei Instanzen überzeugt. Das Düsseldorfer Landgericht hielt Friedhelm Adolfs zuletzt einen „schwerwiegenden Pflichtverstoß“ vor. Natürlich dürfe man zu Hause so viel rauchen, wie man wolle, aber man müsse alles unternehmen, um die Geruchsbelästigung im Hausflur so niedrig wie möglich zu halten.

Die Entscheidung, ob die fristlose Kündigung des Mietvertrags rechtens ist, fällen sie am Mittwochmittag am Bundesgerichtshof. Danach geht nichts mehr. Adolfs und sein Anwalt Martin Lauppe-Assmann fahren am Morgen nach Karlsruhe. Dass Prozessparteien selbst auftauchen, ist die Ausnahme. Dort haben nur die BGH-Anwälte das Wort. Aber Adolfs will alles über sein Schicksal aus erster Hand erfahren und nicht daheim auf einen Anruf warten.

Deutschlands bekanntester Raucher nach Helmut Schmidt

Lauppe-Assmann, ein ausgesprochen selbstbewusster Rechtsvertreter und um forsche Prognosen nie verlegen, gibt sich optimistisch, aber das muss er wohl auch: „Ich bin guter Dinge, die Verhandlung ist völlig offen“, sagt er und legt die Durchhalteparole nach: „Wir kämpfen bis zum letzten Tintentropfen.“

Aber er gibt sich keinen Illusionen hin für den Fall einer Niederlage: „Dann muss Herr Adolfs, der 40 Jahre in der Wohnung lebt und davon 35 Jahre Hausmeister war, kurzfristig raus.“ Wohin? „Er ist arm, ich sehe im Moment erstmal nur ein Männerwohnheim für ihn“, bekennt der Anwalt. Gericht

So schlimm kommt es womöglich nicht. Aber wieder eine Wohnung für 350 Euro zu finden, ist in Düsseldorf keine leichte Übung. Noch dazu, wenn man qualmt. „15 Zigaretten“ seien es am Tag, hat Adolfs vor Gericht einmal behauptet. Wer ihn lächeln sieht, der ahnt: Es könnten auch 16 sein.

"Wir können uns ja nicht alles verbieten lassen"

Das mittlerweile fast zwei Jahre dauernde Ringen um seine 42 Quadratmeter in der Nähe des Eisstadions an der Brehmstraße hat den schmächtigen Rentner mit dem gelbgrauen Bart für eine Weile zu Deutschlands bekanntestem Raucher nach Helmut Schmidt gemacht.

In den verschärften Auseinandersetzungen um den Nichtraucherschutz wähnte die Nikotinfraktion hier die Entscheidungsschlacht: Darf man mir gar das Qualmen in den eigenen Wänden verbieten? Sympathisanten starteten eine Sammelaktion für den Marlboro-Mann. „Die viertausend Euro liegen da als Sicherheitsleistung, falls der Prozess verloren geht, nicht für mich“, betont Lauppe-Assmann, das ist ihm wichtig.

Im Medienrummel und bei der ständigen Suche nach Helden oder Opfern des Alltags stand Friedhelm Adolfs plötzlich im Mittelpunkt, eine hübsche „Bild“-Reporterin chauffierte ihn gar zum ersten Prozesstermin. Der alte Mann verschwand hinter einem Wald von Mikrofonen und musste in die Rolle des Streiters für die Rechte der Raucher hineinwachsen, weil es die Öffentlichkeit so wollte. Er spielte unter Aufbietung rheinischer Fröhlichkeit mit und artikulierte zuweilen druckreifen Protest: „Wir können uns ja nicht alles verbieten lassen, sonst dürfen wir bald nicht mehr aufs Klo.“

Ob sich die Öffentlichkeit morgen noch für Friedhelm Adolfs interessiert? Man wird sehen.