Radio im Bachbett
22.03.2009 | 16:50 Uhr 2009-03-22T16:50:00+0100„Dreck macht Speck” heißt es im Volksmund und den kann Düsseldorf nicht gebrauchen.
Deshalb sind am Samstag wieder über 12 000 Helfer mit Müllsack, Besen und Schaufel ausgerüstet durch die Stadt gezogen und haben fleißig gesammelt. Was dabei so ans Tageslicht kam, wunderte doch den ein oder anderen: Im Bachbett der Düssel, die extra leergepumpt wurde, finden zehn Mitarbeiter und Stammgäste des Lokals „Till Eulenspiegel” zahlreiche Geldbeutel- die Reste von Diebesgut. Als etwas wuchtiger stellt sich die Radio-Anlage heraus, die bei einem Einbruch in einer Bar nebenan entwendet wurde. Die unzähligen Flaschen ziehen die Helfer mit leeren Kästen und Seilen aus dem Bachbett. „Da sollten sich die Büdchen-Besitzer mal Gedanken machen, ob sie sich an der Aktion beteiligen sollten”, so Annette Helmus, Wirtin im „Till Eulenspiegel”.
Doch die Büdchen-Besitzer sehen sich nicht in der Verantwortung, „schließlich ist es der Müll unserer Kunden”, meint Memo Bayraktar. Eine Pfanderhöhung bringe nichts. Die Leute werfen die Flaschen auch so weg und ihn würde es mehr kosten.
Auch linksrheinisch ist die Aktion in vollem Gange. Etliche Kinder unterstützen ihre Eltern und freuen sich besonders auf die Hotdogs, die es zur Stärkung gibt. „Das Wetter passt und wir haben Spaß hier”, sagt Sigrid Krichel, Kindergottesdienstleiterin der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde. Etwas angewidert berichtet sie, auch Damenbinden gefunden zu haben. „Unser bester Fang war aber wohl ein großer toter Fisch.” Der kleinste Teilnehmer in der Gruppe ist Robert Oberländer. „Mit seinen 10 Monaten hilft er schon richtig mit - allerdings bei der Müllproduktion”, lacht sein Vater.
Schlafsäcke, Reifen, eine Spülmaschine, ein altes Fahrrad und ein Grill. Was sich anhört wie die Aufzählung eines Kellerinventars, ist der Müll, den die 250 Jugendlichen der Neuapostolischen Kirche am Rheinufer an der Lausward gefunden haben. Sie wollen die Stadt für ihren Jugendtag im Mai vorbereiten. „Wenn Gäste kommen, muss man halt erst mal aufräumen und wo Dreck liegt, kommt auch welcher dazu - also muss er weg”, denkt sich Sabine Heinrich.
Der wohl älteste Fund ist eine Schokoladen-Packung, deren Inhalt 2004 abgelaufen ist. Als Ansporn haben die Betreuer im Vorfeld vier goldene Tetrapacks versteckt. Die Finder erfahren erst bei der Siegerehrung, was sie gewonnen haben: Sie dürfen sich beim nächsten Gottesdienst Lieder beim Kirchenchor wünschen.
Im Hofgarten schuften die Düsseldorfer Jonges - und das bereits zum elften Mal. „Das Ratinger Tor ist unser Haus des Brauchtums, da kümmern wir uns besonders”, so Rolf Töpfer, Stadtbildpfleger. Hier gebe es dieses Jahr weniger Dreck, „da scheint die Stadt im Vorfeld viel gemacht zu haben.” Einen Dreck-Weg-Tag öfter zu veranstalten hält er nicht für notwendig, „die Sache muss einfach bei den Leuten in den Köpfen sein, das langt schon.”
Besonders engagiert zeigten sich in diesem Jahr auch wieder zahlreiche Schüler. Die Katholische Grundschule Färberstraße hat sich 500 Euro für die Klassenkasse ersammelt.
Insgesamt wurden in wenigen Stunden über 80 Tonnen Müll gesammelt, die von etwa 160 Müllsammelplätzen von 20 Saubermännern der Awista abgeholt wurden. „Der Dreck-Weg-Tag hat sich mittlerweile etabliert”, freut sich Michael Ge´rard, Geschäftsführer der Awista, „und wir werden sehen, wie wir das Konzept optimieren können.”
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