Quadriennale ohne Blockbuster und Schlangen
25.10.2010 | 19:30 Uhr 2010-10-25T19:30:00+0200
Düsseldorf.Die Bilanz der Quadriennale nach sechs Wochen: Das Kunstfest, in das die Stadt fünf Mio. Euro investiert, ist eines ohne Schlangen, aber mit „hochwertigen“ Gästen. Die 380.000 Gäste aus dem Jahr 2006 scheinen kaum erreichbar.
Mit Schlangen vor Ausstellungshäusern ist das so eine Sache. In gewisser Weise „vergiften“ sie das Kunst-Klima. Denn einerseits wünscht sich ein jeder Museums-Chef dieses Besucher-Signal besonderer Außenwirkung vor der eigenen Türe. Andererseits sind Quantität und Qualität nicht grundsätzlich Zwillinge. Und das Schielen auf Massenresonanz macht es weniger Populärem schwer.
In diesem Dilemma steckt auch die zweite Quadriennale . Wer, wie die Stadt Düsseldorf, fünf Millionen Euro investiert, erwartet die Rückmeldung: Erfolg!
100.000 Besuche heißt die Bilanz nach sechs Wochen. „Ein guter Aufschlag“, so wollte am Montag Kulturdezernent Hans-Georg Lohe diese Zahl bewertet wissen. Mit Blick auf die rund 380.000 Gäste des ersten großen Kunstfestes 2006, könnte es schwierig werden, diese Marge bis 16. Januar zu erreichen. Zumal die attraktive Paik-Ausstellung im museum kunst palast bereits am 21. November schließt.
Den Löwenanteil mit 180.000 Besuchern damals, relativierte Lohe, habe allein die Caravaggio-Schau bestritten. „Blockbuster“ weist die Quadriennale 2010 nicht auf. Beuys lockte bislang rund 32.000 Interessierte. Man habe „ein anspruchsvolles, intellektuelles Programm, das die Kunststadt Düsseldorf positioniert“ präsentieren wollen, führte Quadriennale-Geschäftsführerin Angela Eckert Schweizer ins Feld und verwies zur Bestätigung auf die „überwältigende positive Presse-Resonanz“ Während Werner Lippert vom NRW-Forum das „hochwertige Publikum“ - Kunstvereine, Kuratoren und Co. - herausstellte und das frisch aus Holland reingeschneite Zeitungs-Lob zitierte: „Düsseldorf - zu Recht stolz“.
Entzerrte Eröffnungen
Ob aber wiederum aus den Benelux-Ländern deshalb auch besonders viele Kunstfans nach Düsseldorf strömen? Diese und andere Statistik-Erkenntnisse - auch die Besucherzahlen der einzelnen Museen - sollen erst zum Fest-Finale veröffentlicht werden.
Der Wille zur Fortsetzung ist jedenfalls da - knapp fünf Millionen Euro für die Quadriennale 2014 sind bereits im Haushaltsplan vorgesehen. An der geballten Kunst im Herbst will Lohe festhalten, stellte allerdings eine mögliche Entzerrung der Eröffnungstermine in Aussicht. Aber noch ist die Landeshauptstadt in aktueller lila Festlaune. Und lockt am 30. Oktober und am 13. November insbesondere junge Leute mit nächtlichen Aufeinandertreffen von Kunst und Musik in die Häuser. So führt etwa der Becher-Student und Musiker der Band To Roccoco Rot, Stefan Schneider, im November im NRW-Forum durch die Stephen Shore-Schau „Der rote Bulli“, lädt das museum kunst palast Ende Oktober die disco noise explosion aus Berlin zu Paik ein.
Dass die Liebe zur Quadriennale auch durch den Magen gehen kann, tischte am Montag InterConti-Direktor Jörg Böckeler auf. Ob Gänseleber mit Gelee von Düsseldorfer Altbier oder geröstete Pastinaken, das Quadriennale-Menü sei das erfolgreichste seit drei Jahren.
Und ein bisschen Quadriennale-Gold glänzt auch über Januar 2011 hinaus. Die vor Schloss Benrath auf dem Wasserspiegel schwebende Kugel von James Lee Byars bleibt ein weiteres Jahr, In der Hoffnung, dass sich Sponsoren für den Ankauf finden...
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