Prozess nach Messerattacke auf „Esmeralda“

Wegen eines Messerangriffs auf die als „Esmeralda“ bekannte Wahrsagerin Zagurka J. muss sich von der kommenden Woche an ein 34-jähriger Kölner vor dem Landgericht verantworten. Die Anklage gegen Metin K. lautet auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Der Angeklagte soll Ende Mai des vergangenen Jahres in der Wohnung der damals 68-Jährigen in Friedrichstadt erschienen sein und sie um ein Gespräch gebeten haben. Hintergrund war ein vorangegangener Besuch seiner Freundin bei der Wahrsagerin: Nach dieser Beratung hatte sich die Frau von dem 34-Jährigen getrennt. Dieser soll die Wahrsagerin daraufhin zunächst per SMS und Telefon bedroht haben.

Als Zagurka J. ihm dann an jenem Tag im Mai in ihrer Wohnung ein Gespräch verweigerte, soll er laut Anklage sofort ein Messer gezogen, auf sie eingestochen und ihr dabei schwere Stichverletzungen in der Brust, am Rücken und im Bauch zugefügt haben. Zudem erlitt die Frau einen etwa zehn Zentimeter langen Schnitt am Hals. Sie schwebte nach der Attacke zunächst in Lebensgefahr, konnte nur durch eine nächtliche Notoperation gerettet werden. Die Anklage geht davon aus, dass K. die Frau töten wollte. Nach der Tat hatte sich der Angeklagte in die Türkei abgesetzt, wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht. Als die zuständige „Mordkommision Jahnstraße“ dann erfuhr, dass er seine Rückreise nach Deutschland plante, nahmen die Beamten den Mann am Flughafen Köln/Bonn in Empfang.

Zagurka J. kam in den 1960er Jahren mit ihrem Mann aus Serbien nach Deutschland, machte sich als Wahrsagerin erst in Neuss einen Namen. Als „Esmeralda“ legte sie in den 1980ern dann auch in Düsseldorf Prominenten die Karten, war bei den Boulevardmedien eine gefragte Seherin, wenn ein Jahreswechsel bevorstand. Inzwischen ist Zagurka J. Rentnerin, empfängt in ihrer „Praxis“ für Lebensberatung und Parapsychologie an der Jahnstraße nur noch gelegentlich Kunden.

Für den Prozess gegen Metin K. sind zunächst 16 Verhandlungstage vor dem Landgericht bis zum 16. März angesetzt.