Proteste gegen Flüchtlinge im Osten

Gerresheim/Ludenberg/Hubbelrath..  Der Protest gegen die beiden geplanten städtischen Flüchtlingsunterkünfte an der Blanckertzstraße und möglicherweise Am Bongard in Ludenberg sowie die vom Land geplante Erstaufnahmestelle in der Bergischen Kaserne in Hubbelrath reißt nicht ab.Dagegen regt sich Widerstand, wie Dienstag Abend deutlich wurde (NRZ berichtete). Der frühere Sparkassen-Vorstand Andreas Gossmann bezeichnete den von der Stadt geplanten Standort zur Unterbringung von 200 Flüchtlingen an der Blankertzstraße neben dem Seniorenzentrum Gallberg gar als „Skandal“. Unter anderem, weil den alten Menschen die Freizeitmöglichkeiten genommen würden.

Bedenken, es gebe in Ludenberg und Hubbelrath, wo in den beiden Unterkünften jeweils 200 und in der Kasernen 600 Flüchtlinge unterkommen sollen, außer einem Supermarkt keine Infrastruktur, versuchte die Stadtverwaltung zu entkräften. Sozialdezernent Burkhardt Hintzsche kündigte an, dass es für Flüchtlingskinder mobile Jugendarbeit geben wird. Eine Unterbringung der Kinder in den Kitas der Umgebung und den Grundschulen in Knittkuhl oder Gerresheim sei auch kein Problem. „Wir freuen uns auf die Flüchtlingskinder“, sagte die kommissarische Schulleiterin aus Knittkuhl. Hier sind die Klassen der dreizügigen Schulen unterdurchschnittlich belegt. Unterstützung bei der schulischen Integration in Knittkuhl wird es von der Feridnand-Heye-Schule in Gerresheim geben, die seit 30 Jahren mit Flüchtlingskinder arbeitet. Deren Schulleiterin sagte, dass die Kinder anfangs keine Deutsch-Kenntnisse haben, aber neben ihrem normalen Klassenunterricht spezielle Förderkurse erhalten: „Wir haben mit diesen Kindern gute Erfahrungen gemacht, das sind ganz tolle, leistungsbereite Kinder, die Deutsch lernen wollen.“ Viele von ihnen besuchten später das Gymnasium.

Auch die beiden Kirchengemeinden, die bereits für die 150 Bewohner der 30 Jahre alten Flüchtlingsunterkunft an der Heyestraße vorbildliche Arbeit leisten, wollen bei den neuen Standorten in Ludenberg aktiv mitarbeiten. Pfarrerin Cornelia Oßwald: „In Gerresheim gibt es schon lange eine Willkommenskultur. Diese Willkommenskultur gibt es in Ludenberg offenbar nicht.“

Noch nicht. Denn es gibt auch positive Signale aus der Bürgerschaft: Karl-Heinz Krems aus Gerresheim forderte die Bewohner im Stadtbezirk 7 auf, „den OB zu unterstützen statt ihm Knüppel zwischen die Beine zu werfen“. Und Uwe Koopmann („Ich bin selbst als Flüchtling gekommen und habe alle Diskriminierung erfahren“) forderte die Anwesenden bei der Bürgerversammlung auf: „Öffnen Sie Ihre Herzen, die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Ein schönes Zeichen haben inzwischen SPD, Grüne, FDP und Linke der Bezirksvertretung 7 gesetzt: Gemeinsam haben sie für die nächste Sitzung beantragt, bei der Unterbringung von Flüchtlingen vorhandene Ressourcen zu nutzen und möglicherweise zu erweitern. So sollen auf dem Gelände der Bergischen Kaserne sowie an anderen neuen Flüchtlingsheimen im Stadtbezirk Spielplätze geschaffen werden. Geprüft werden soll, inwieweit die kleine Kirche vor der Kaserne mit orthodoxen Gottesdiensten aktiviert werden kann, ob Anwohner-Patenschaften für Flüchtlinge geschaffen werden können und wie Hilfsbereitschaft und ehrenamtliches Engagement bei Kirchen, Vereinen und Bürgerschaft mobilisiert werden kann.