Protest gegen Lärm wird lauter

Angermund..  Der Prostest im Norden gegen den Lärm wird lauter. Wütend reagieren zahlreiche Angermunder auf die Planungen der Deutschen Bahn zum Schallschutz im Zusammenhang mit dem Rhein-Ruhr-Express (RRX) aufgenommen. Die Bahn will mit dem künftigen Schnellzug auch den Ausbau von bisher vier auf sechs Gleise und somit einen Kapazitätsausbau im nördlichsten Stadtteil vollziehen. Statt täglich bisher 530 sollen in etwa vier Jahren um die 690 Züge hier entlang rauschen. Lagepläne der Bahn zeigten nun grundstücksgenau, welche Häuser vom passiven Schallschutz betroffen sind. Dies quittiert die „Initiative Angermund“ mit Kopfschütteln.

„Denn neben haushohen Lärmschutzwänden (aktiver Schallschutz), die quer durch Angermund hochgezogen werden sollen und das Dorf noch tiefgreifender als bereits bisher in zwei Teile zerschneiden werden, muss die Bahn zusätzlich den Einbau von Schallschutzfenster und Belüftungssysteme in Wohnhäusern vornehmen (passiver Schallschutz), um die gesetzlichen Grenzwerte für Lärmschutz einzuhalten“, betonen die Protestler.

Bisher sei unklar gewesen, wie viele Angermunder es beim passiven Schallschutz treffen würde. „Viele wähnten sich schon in Sicherheit vor Zwangsbelüftung oder Verbarrikadierung in den eigenen vier Wänden. Da sie nicht unmittelbar an den Gleisen wohnen, glaubten sie durch die Lärmschutzwand von zukünftigen Schallpegeln weniger betroffen zu sein. Durch die vorliegenden Planungen wurde dieses Wunschdenken jedoch von der Realität eingeholt. Etwa ein Drittel aller Wohnhäuser in Angermund müssen mit zusätzlichem passivem Schallschutz ausgestattet werden – und das trotz der geplanten, haushohen Lärmschutzwänden“, heißt von Seiten der Initiative.

Die Befürchtungen vieler Angermunder würden sich bewahrheiten – der Lärm würde durch die Lärmschutzwände lediglich anders verteilt, aber nicht verbannt. Für die Mitglieder der Initiative, die sich seit vielen Jahren gegen den „unerträglichen Bahnlärm in der Rosenstadt wehren, ist das enorme Ausmaß des geplanten passiven Schallschutzes die totale Kapitulation vor Bahnlärm und die vorliegende Lärmschutzplanung der Deutschen Bahn eine nicht hinnehmbare Billiglösung“. Auch wenn es sich bislang um vorläufige Planungen handele, die Mitglieder der Initiative sind sich einig: Die vorgestellten Maßnahmen aus aktivem und passiven Schallschutz seien eine Zumutung für die Menschen in Angermund. Gesundheit, Lebensqualität und Eigentum der Angermunder würden für RRX und den Kapazitätsausbau der Deutsche Bahn geopfert, so Thomas Weidmann, Vorstandsmitglied der Initiative. Deshalb fordert der Verein nachhaltigen aktiven Lärmschutz durch die Untertunnelung der Gleise in Angermund. Nur so könne sichergestellt werden, dass der Bahnlärm effizient aus Angermund verbannt werde. Das ist wegen der ernorm hohen Kosten aber vollkommen unrealistisch.

Nach massiven Protesten der Angermunder bei der ersten Vorstellung des RRX-Projekts im November 2014 scheint das letzte Wort in Sachen RRX und Lärmschutz aber noch nicht gesprochen. Denn die Deutsche Bahn will im Dialog mit den Angermundern in sogenannten Planungswerkstätten das Thema Lärmschutz ausloten. Für die Initiative sind die nun vorliegenden Pläne völlig inakzeptabel. „So nicht“ ist das Credo des Vorstands. In den nächsten Wochen will der Verein alle Kräfte mobil machen. So sollen unter anderem auf einer Bürgerversammlung im März nicht nur informiert, sondern auch „Aktionen zur Gegenwehr“ vorgestellt werden.