Projekt gegen Mobbing an Düsseldorfer Schule

Nein, fass mich nicht an!“ Sibylle Wanders
Nein, fass mich nicht an!“ Sibylle Wanders
Foto: dfsaf
Die Initiative „Gewaltfrei Lernen“ zeigt Düsseldorfer Schülern, wie man sich wehren kann. Organisiert von der Sporthochschule Köln werden Kinder, Eltern und Lehrer in Workshops und Fortbildungen gegen alltägliche Gewalt gewappnet.

Düsseldorf..  „Ich will das nicht!“ „Paulo, fass mich da nicht an!“; „Lass das, oder ich sag’s einem Lehrer!“ Im Chor sprechen die Schüler Sibylle Wanders sogenannte Stop-Sätze. Und auch wenn der andere handgreiflich wird, weiß die erfahrene Judo-Trainerin, was zu tun ist. Gemeinsam mit einem Schüler zeigt sie den „Sieger-Griff“, mit dem man sich im Ernstfall befreien kann.

Sibylle Wanders ist Botschafterin der Initiative Gewaltfreies Lernen. Organisiert von der Sporthochschule Köln werden hier an Schulen Kinder, Eltern und Lehrer in Workshops und Fortbildungen gegen alltägliche Gewalt gewappnet. Deutschlandweit nehmen über 400 Schulen teil, davon 90 in NRW.

Heute ist Sibylle Wanders an der Montessori-Grundschule in Flingern. Die Schüler der dritten und vierten Klasse lernen heute, sich zu wehren, wenn sie beleidigt, ausgegrenzt oder geschubst werden. Sibylle Wanders bringt ihnen neben einer selbstbewussten Körperhaltung auch einfach Selbstverteidigungstechniken bei. Die Schüler lernen schnell. Als sie in einer Reihe an einer von Wanders gespielten Handpuppe vorbeigehen, die sie beleidigt, lassen sie die Worte mit einem Schulterzucken abprallen – eine Fähigkeit, die wohl jedem Kind nützen kann.

Im Konzept von Gewaltfrei Lernen gibt es drei Felder, auf die die Schüler vorbereitet werden sollen: körperliche Gewalt, Beleidigungen sowie Ausgrenzung bis hin zu Mobbing.

Für jeden der drei Bereiche hat Wanders Übungen zu den Schülern in Flingern mitgebracht. Ihr Tipp zum Thema Fäkalsprache: Die Kinder sollen sich vorstellen: Was man sagt, nimmt man in den Mund. Mit diesem Bild im Kopf werden Worte wie „Kacke“ oder „Arsch“ wesentlich seltener.

Beim Thema Mobbing hat sich Sibylle Wanders Schüler nennen lassen, die andere ausgeschlossen haben. Diese lässt sie nun versuchen, sich Gruppen anzuschließen. Die ersten beiden Gruppen lehnen sie jedoch ab, erst die dritte nimmt sie freundlich auf. Der abschließende Appell der Trainerin: „Ich wünsche mir so sehr, dass ihr alle Gruppe drei werdet.“

Auch heikle Themen spricht sie an: Intime Berührungen durch andere Kinder. In vielen anderen Klassen bis in die weiterführenden Schulen hinein hätten Worte wie „Penis“ oder „Brüste“ wohl für Lacher gesorgt. Aber Sibylle Wanders geht das Thema so ernst und offen an, dass hier nur zu Beginn der eine oder andere Schüler leise kichert. „Ich will den Kindern vor allem die Angst vor solchen Worten nehmen, damit es ihnen nicht peinlich ist, über Vorfälle zu sprechen“, sagt Wanders.

Neben den Übungen für die Schüler beinhaltet die Initiative Gewaltfreies Lernen auch Fortbildungen für die Lehrer sowie Infoabende für die Eltern.

Ermöglicht wird die Teilnahme durch die Unterstützung von Förderern. In Nordrhein-Westfalen übernimmt die Sparda-Bank einen Großteil der Kosten für die 90 Schulen. Der Rest wird von den Eltern oder Fördervereinen getragen. Sibylle Wanders weiß: „Es gibt immer mehr Kinder aus armen Familien. Sie sind auf diese Unterstützung angewiesen, denn für sie ist Gewaltprävention oft besonders wichtig“. Für sie ist die schönste Rückmeldung, dass fast alle Schulen nach dem Programm in irgendeiner Form weiter mit der Initiative Gewaltfrei Lernen zusammenarbeiten wollen.