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Altbausanierung

Prima Klima - kühl kakuliert

03.08.2010 | 18:29 Uhr
Prima Klima - kühl kakuliert
Hauseigentümer Peter H. Nöcker mit einem Stück der Dachisolierung vor seinem Haus in Lohhausen. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

Düsseldorf.Das Geld muss raus: Bei der Stadt warten zwei von ehemals dreieinhalb Millionen Euro auf Abnehmer. Die Serviceagentur Altbausanierung (Saga) fördert Hausbesitzer, die ihre Altbauten modernisieren und dadurch Energie sparen.

Bis jetzt haben erst 450 Düsseldorfer Anträge gestellt. Für weitere 1000 wären noch Mittel da – nur entschlussfreudig müssen sie sein. Denn das Förderprogramm läuft zwar weiter, im nächsten Jahr wird es jedoch weniger Fördermittel geben.

Rundum
gut eingepackt

„Trotz Sommerhitze blieb es bei uns unterm Dach vergleichsweise kühl“, berichtet Peter Nöcker. Da war erstmals zu spüren, dass das Vier-Familienhaus an der Lohauser Pallenbergstraße, Baujahr 1952, jetzt mit 16 Zentimeter dickem Dämm-Material rundum gut einpackt ist.

Dadurch soll der Energieverbrauch um die Hälfte sinken. Ein Lastwagen voller Kohlendioxid, 7,2 Tonnen, wird pro Jahr eingespart, etwas 50 Prozent. Für den Winter verspricht Nöcker eine gleichbleibende Wärme und null Zugluft, dank der neuen Dämmfenster: mehr Behaglichkeit, weniger Schnupfen. „Auch von dem Fluglärm hören sie jetzt weniger“, ruft Nöcker in die Turbinen eines startenden Jets hinein, „unsere Mieter sagen, sie könnten jetzt eine halbe Stunde länger schlafen.“

Ein Gewinn an
Lebensqualität

Die ganz persönliche Klimabilanz will kühl kalkuliert sein: Über 125 000 Euro hat die Eigentümergemeinschaft insgesamt investiert, davon trug die Stadt 8800 Euro. Das entspricht einem Anteil von rund sieben Prozent. Etwa im Jahr 2028 soll sich die gesamte Investition amortisiert haben. „Aber allein den Gewinn an Lebensqualität können sie schlecht gegenrechnen“, sagt Peter Nöcker. Als Marketingleiter eines Baustoffhandels schüttelt er solche Argumente aus dem Ärmel und hat so die Angetraute überzeugt. „Sie war sehr skeptisch.“

Aus dem Blickwinkel seiner Mieter sieht die ganze Rechnung so aus: Sie sparen etwa die Hälfte der bisherigen Nebenkosten ein, 100 Euro pro Monat. Davon hat Nöcker 75 Euro auf die Kaltmiete draufgeschlagen, 25 Euro bleiben monatlich mehr im Portemonnaie der Mieter.

„Herr Nöcker und die Lohauser Eigentümergemeinschaft stehen beispielhaft für die Förderung durch die Saga. Aber es gibt auch die anderen, die kleinen Klimaschritte“, kommentiert die Projektverantwortliche Ricarda Sahl. Denn ganz bewusst habe Düsseldorf sein Förderprogramm so zugeschnitten, dass bereits kleine Investitionen die Chance auf einen städtischen Zuschuss haben.

„Wenn Sie zum Beispiel die Umwälzpumpe ihrer Heizanlage austauschen, dann ist das keine große Umbaumaßnahme, hat aber einen deutlichen Energiespareffekt“, erläutert Ricarda Sahl. Zu den Kosten von rund 500 Euro gibt die Stadt immerhin 80 Euro dazu.

Im Durchschnitt aller Projekte gibt es sieben bis zwölf Prozent von der Stadt. Das geht natürlich nicht ohne Bürokratie. Architekt Juri Vogel rechnet im Auftrag der Saga nach, ob die eingereichten Pläne und Kostenvoranschläge stimmig sind. Notfalls kommt Vogel auch ‘raus und schaut selbst auf der Baustelle nach dem Rechten: „Wir wollen schließlich auch sicher sein, dass unsere Fördermittel tatsächlich zu einer Verbesserung des Klima beitragen.“

Im Haus von Natalja Schlüter erlebte Vogel gestern eine Überraschung. Ein Jahr lang dauerten die Umbauarbeiten im Stockumer Einfamilienhaus aus dem Jahr 1954 mit knapp 80 Quadratmetern Wohnfläche. Zu sehen war ein Kleinod für die nächste Ausgabe von „Schöner Wohnen“ – mit raumschaffenden Durchbrüchen der Etagendecken, einer modernen Küche gleich rechts vom Hauseingang und einem tollen Mix von Farben, Stein- und Holzböden.

„Ich möchte hier schließlich lange wohnen“, begründet Natalja Schlüter, warum sie die große Lösung wollte und den Kampf mit Handwerkern und dem Architekten aufnahm. „Nun fühle ich mich hier richtig wohl.“

Am vergangenen Samstag staunten die Nachbarn und Freunde bei der Einweihungsparty. Die Energiebilanz weist eine Einsparung von rund 80 Prozent aus; der Ausstoß an Kohlendioxid sank von 4,1 auf 1,7 Tonnen pro Jahr. Alles im grünen Bereich – das hat 73 000 Euro gekostet: für die Dämmung von Fassade, Dach und Kellerdecke, die solarbetriebene Warmwasseranlage auf dem Dach und die modernen Fenster. Sie schließen so dicht, dass sogar eine Lüftungsanlage eingebaut werden musste.

Natalja Schlüter sagt: „Als ich die noch nicht hatte, roch es etwas muffig. Aber jetzt ist alles prima.“

Dirk Walter

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