Premiere mit Bachs Kunst der Fuge
16.12.2009 | 18:42 Uhr 2009-12-16T18:42:00+0100Düsseldorf. Für seinen zweiten Ballettabend hat Martin Schläpfer sein bestes Ballett gewählt. Die „Kunst der Fuge” von Johann Sebastian Bach, mit der er bereits im Jahr 2002 in Mainz einen Triumph feierte und europaweit eingeladen wurde, ist erstmals am Samstag, 19. Dezember, im Opernhaus zu sehen.
Unter dem Titel „b.02” wagt sich der gebürtige Schweizer Martin Schläpfer an ein „Heiligtum europäischer Musikkultur”, das der Leipziger Thomaskantor 1742 begann, aber nie vollendete: die „Kunst der Fuge” von Johann Sebastian Bach.
Schattenspiele eines Harlekins
Doch weder akademisch trockene Atmosphäre noch rein abstraktes Ballett verspricht Schläpfer, sondern einen lebendigen, abwechslungsreichen Bilderreigen. Die Tableaus erzählen von Gefühlen, Geschwätzigkeit und Schweigen der Menschen. Schläpfer nimmt zudem pseudo-esoterische Spiele aufs Korn, entlarvt sie mit Ironie und zeigt Schattenspiele eines Harlekins vor drei entkleideten Männern. Inklusive sind biographische Streiflichter aus dem Leben des Komponisten: Man sieht die alte und die neue Frau Bach und den alten Meister selbst, der gegen seine Erblindung kämpft.
Spielerisch wird mit dem musikalischen „Heiligtum” umgegangen. Darf man das? Schläpfer: „Der Tanz ist als Kunstform der Musik ebenbürtig. Und im 18. Jahrhundert galt die Kunst der Fuge nicht als heilig, sondern gehörte zum Alltag.” Dazu passen die verschiedenen Stile: klassisches Ballett, Modern Dance und Tanztheater, ebenso wie Tanz-Schläppchen, Spitzenschuhe und Pumps. Da zur Rheinopernkompanie 48 Tänzer gehören, hat Schläpfer die Choreografie für zwei Besetzungen kreiert. Dauer: knapp zwei Stunden (inklusive Pause), die im wie Flug vergehen.
Eine eigenwillige Collage
Der Zyklus von 14 Fugen und vier Kanons wird in „b.02” nicht von einem Instrument allein gespielt. „Das wäre zu anstrengend”, meint Schläpfer. Stattdessen fertigte er ein Klang-Mix aus Streichern, Cembalo, Klavier, Blockflöten und Saxophon. Eine eigenwillige Collage, die live von Musikern kaum zu bewerkstelligen ist und deshalb vom Band eingespielt wird.
Der Erfolg, den der neue Ballettchef der Rheinoper mit seinem ersten Stück „b.01” auch bei den Abonnenten verbuchen konnte (die NRZ berichtete), „hat mir geholfen, hier anzukommen, mich heimisch zu fühlen” sagt der 50-jährige Choreograf. Ebenso wachse sein Ensemble langsam zusammen. Es besteht aus seiner Mainzer Truppe, neu engagierten, jungen Bewegungskünstlern und einigen Mitgliedern des ehemaligen Ensembles von Youri Vámos.
"Ich kann nicht alle glücklich machen"
Mit einem Erfolg von „b.02” hoffen der Choreograf und seine Truppe, die Zustimmung der Ballettfans zum Stilwechsel von Vàmos zu Schläpfer zu gewinnen, von den Handlungsballetten des Vorgängers zu eigenen Kompositionen. „Ich kann nicht alle glücklich machen” sagt Schläpfer. Und fügt hinzu: „Eines Tages werde auch ich ein Handlungsballett einrichten. Doch das braucht Zeit.”
Premiere ist am Samstag, 19. Dezember, 19.30 Uhr. Weitere Termine: 21., 23., 26., 28., 30. Dezember, 2., 9. Januar. Karten unter Telefon 8925 211
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cv