Präsidium: Jetzt doch ein Umzug?

Am Jürgensplatz herrscht schlechte Stimmung. Längst hätte der Neubau neben dem denkmalgeschützten Polizeipräsidium sichtbar sein sollen. Dafür war schon ein Altbautrakt abgerissen worden, den knappen Mitarbeiterparkplatz blockieren Bürocontainer und im 80 Jahre alten Haus funktioniert die Heizung nicht immer. Doch weil ein Bauunternehmer gegen die Auftragsvergabe des Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB) für die Tiefgarage klagt, liegt das gesamte Projekt seit einem knappen Jahr auf Eis. Frühestens im Januar soll eine Entscheidung im Rechtsstreit fallen. Und selbst dann, sagt Polizeipräsident Norbert Wesseler, ist noch nicht sicher, ob und wann es losgeht mit dem Bau der Tiefgarage, auf der der Neubau geplant ist.

Nicht zumutbar

„Solange sich da nichts tut, passiert im Altbau gar nichts mehr. Das ist nicht zumutbar.“ Denn dass das Präsidium schon seit gut 20 Jahren aus allen Nähten platzt, ist inzwischen auch am Gebäude selbst nicht mehr zu übersehen. Und dann sind da noch all die Ausweichquartiere in der ganzen Stadt, in die Teile der Polizei für die Dauer der Bauarbeiten umgesetzt wurden – noch bevor die Klage den Bau stoppte. Seither müssen Akten quer durch die Stadt transportiert werden – für eine kurze Bauphase kein Problem.

Aber jetzt läuft das so schon seit einem Jahr, und ein Ende ist nicht absehbar – selbst an einer Fertigstellung 2019, also mit dreijähriger Verspätung, wird bereits gezweifelt. Die Sanierung des 80 Jahre alten Präsidiums, die nach Fertigstellung des neuen Gebäudes folgen sollte, war bereits auf eine „Renovierung“ heruntergerechnet worden. Wesseler, der das Präsidium Anfang Februar übernommen hat – just, als die Vergabeklage das Projekt stoppte – reicht das nicht.

Nicht länger warten

„Mit optischen Verschönerungen und Ausbesserungen hier und da ist es nicht getan.“ Deshalb hat er ein Sanierungskonzept für den Altbau erarbeiten lassen. Und mit behördeneigenen Mitteln soll unabhängig vom übrigen Baubeginn vor allem der Eingang optimiert werden. „Wir werden den Zugang zur Wache von dem des Präsidiums trennen, den ganzen Bereich einladender und damit bürgerfreundlicher machen.“

Im 75 Millionen Euro teuren Gesamtpaket für Neu- und Umbau war der Eingang gar nicht vorgesehen. Das Paket sah aber auch das gesamte Bauprojekt bei laufendem Betrieb vor. Davon ist Wesseler ohnehin kein Freund. Und weil seine Beamten nun seit einem Jahr auf einer Baustelle arbeiten, will er nicht länger warten.

„Wir haben den BLB beauftragt, einen Umzug der gesamten Behörde für die Dauer der Bauarbeiten zu prüfen“, sagt Wesseler, und hat dabei auch schon ein Quartier in der Nachbarschaft im Auge: Das Innenministerium wird im Frühjahr von der Harkortstraße ins Vodafone-Haus ziehen. Da könnte man mit der Polizei über die Straße wechseln, die Leitstelle mit ihrer komplexen Technik im alten Gebäude lassen. Der Minister habe mit diesem Vorschlag kein Problem, heißt es. Aber letztlich „ist das natürlich auch eine Kostenfrage“, sagt Wesseler. Die soll der BLB in den nächsten Tagen beantworten.