Poststreik: Urne steckt bei Trauerfeier im Paketzentrum fest

Zu einer Trauerfeier gehört die Beisetzung der Urne dazu. Die Hinterbliebenen, die sich jetzt von Joachim Kluth verabschieden wollten, warten jedoch noch immer auf seine Urne. Sie liegt im DHL-Frachtzentrum in Krefeld.
Zu einer Trauerfeier gehört die Beisetzung der Urne dazu. Die Hinterbliebenen, die sich jetzt von Joachim Kluth verabschieden wollten, warten jedoch noch immer auf seine Urne. Sie liegt im DHL-Frachtzentrum in Krefeld.
Foto: Stefan Kuhn
Nach seinem Tod in der Eifel wurde der Düsseldorfer Joachim Kluth eingeäschert. Der Bestatter schickte die Asche während des Streiks als Paket. Bei der Trauerfeier fehlte sie.

Düsseldorf.. Mehr als 100 Trauergäste versammeln sich in der Kapelle des Stoffeler Friedhofes, sie alle wollen sich vom verstorbenen Joachim Kluth verabschieden. Der 56-jährige Düsseldorfer war vor rund vier Wochen bei einem Verkehrsunfall in der Vulkaneifel ums Leben gekommen. Doch in der Kapelle wartete am vergangenen Donnerstag ein Schock: Bei der Trauerfeier fehlt die Urne mit der Asche des Toten. Sie liegt im bestreikten DHL Frachtzentrum in Krefeld, auch heute noch.

„Es herrschte Enttäuschung, Frust, Unverständnis und Wut darüber, dass ein Toter behandelt wird wie ein Paar Schuhe“, sagt Klaus Jonas, ein Freund der Familie. „Alle waren fassungslos, dass die Urne fehlte, das wollte niemand wahrhaben.“ Zwar sei es noch eine würdige Verabschiedung gewesen, Kluths alte Schulfreunde, Kollegen und Mitspieler beim Handballverein Turu Düsseldorf waren teils aus ganz Deutschland gekommen.

„Diese Trauerfeier wird aber negativ in Erinnerung bleiben“, ist sich Jonas sicher und macht dem Bestattungsunternehmen Kreusch aus Mayen in der Vulkaneifel, das Kluth einäschern und verschicken ließ, schwere Vorwürfe: „Ein sorgsamer Bestatter wäre selbst von der Eifel nach Düsseldorf gefahren und hätte sichergestellt, dass die Urne ankommt.“

Bestatter weist Vorwürfe von sich

Jürgen Kreusch, dem Geschäftsführer des Bestattungsunternehmens, tut die Situation zwar „außerordentlich leid“, allerdings wehrt er sich gegen den Vorwurf, etwas falsch gemacht zu haben. „Wir haben ordentlich gearbeitet.“ Als er die Urne am 17. Juni aufgeben ließ, will er von dem Poststreik nichts gewusst haben. Daher habe er sich auch nicht für den unbestreikten Expressversand entschieden, bei dem die Post die Zustellung am nächsten Tag garantiert oder entsprechenden Schadensersatz leistet. „Wir hatten bisher nie Probleme mit DHL“, sagt Kreusch, daher habe er sich auch wie gewohnt den normalen Versand gewählt.

Lokales Für Antje Bisping, Justiziarin des Bundesverbands Deutscher Bestatter, habe das Unternehmen Keusch im vorliegenden Fall jedoch „Qualitätsmaßstäbe klar missachtet“. Denn der Verband empfiehlt seinen Mitgliedern den eigens mit der DHL ausgehandelten Urnenspezialversand. Dieser ist allerdings deutlich teurer. Die Post berechnet für jeden Geschäftskunden individuelle Preise, eine so verschickte Urne im Spezialkarton kann aber durchaus 85 Euro kosten. „Dafür wird er aber von Hand zu Hand weitergegeben“, sagt Postsprecher Rainer Ernzer, und es ist ebenfalls garantiert, dass das Paket pünktlich ankommt.

Dass das Bestattungsunternehmen aus Mayen während des Streiks lediglich den normalen, den günstigsten Versand wählte, ärgert Klaus Jonas nichtmal am meisten. „Es ist ein Unding und pietätlos, dass ein eine Urne überhaupt mit der normalen Post verschickt werden darf.“ Das passe nicht zu den übrigen strengen Regelungen im Umgang mit Verstorbenen. Daher fordert er, nicht zuletzt wegen seiner Erfahrungen, dass die Gesetze verschärft werden.

Bald soll die Beerdigung folgen

„Die Familie ist in mehrfacher Hinsicht der Leidtragende in diesem Fall“, findet Ivona Husemann, Juristin und Postexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW. Sofern nämlich kein Spezialversand für die Urne mit dem Bestatter vereinbart war, müssen die Verwandten die verpatzte Beisetzung bezahlen – übrigens auch, wenn kein Streik gewesen wäre.

Immerhin ist Bestatter Jürgen Kreusch regelmäßig mit der Post in Kontakt. Jetzt wurde ihm mitgeteilt, dass nach Streikende die Urne noch in dieser Woche ausgeliefert wird.

Dann kann Joachim Kluth endlich beerdigt werden.