Polizei: Rückendeckung von der CDU
23.02.2010 | 05:00 Uhr 2010-02-23T05:00:00+0100Düsseldorf. Zwei Wochen nach den Fußball-Krawallen am Freiligrathplatz hat sich der CDU-Landtagsabgeordnete Olaf Lehne in einem Brief an eine empörte Fortuna-Anhängerin hinter die Polizei gestellt.
Während das Präsidium den Einsatz mit über 450 Beamten rund um das Derby zwischen MSV Duisburg und Fortuna noch intern auswertet, hat Lehne, der am 7. Februar als Abgeordneter die Polizeihundertschaften vor Ort begleiten durfte, einen ausführlichen Erfahrungsbericht verfasst. Sein Tenor: Die Polizei hatte keine andere Wahl. Sie musste eine mit 800 Fans besetzte Stadtbahn-Haltestelle räumen, um Schlimmeres zu verhindern.
Der CDU-Mann kritisiert die „erheblich gestiegene Aggressivität” von gewaltbereiten Fans. Die Geschwindigkeit, mit der sie auf Plätze gelangen, um sich zu prügeln, sei „atemberaubend.” Die Hooligans seien „sehr gut organisiert” und würden die friedlichen Besucher als „Schutz und als Mauer” missbrauchen.
Bei den Ausschreitungen gab es mehrere Verletzte. Zehn Randalierer wurden festgenommen, gegen 19 wurde Strafanzeige gestellt. Lehne habe selbst beobachtet, wie Stadtbahnen demoliert wurden. Hooligans hätten Fenster zerschlagen und Gegenstände aus den Zügen geworfen.
In dieser kritischen Lage hätten Polizei-Einsatzleiter Bahnfahrer angewiesen, trotz aufgerissener Türen und gezogener Notbremse weiter zu fahren, damit sich nicht die Randalierer „untereinander wild prügelten.” Wie Olaf Lehne weiter schilderte, hätten sich am Freiligrathplatz einige bewusst auf die Schienen gesetzt, damit keine Bahn weiterfahren konnte. „Für die Polizei war diese Situation auch neu und sie musste ihre Kräfte nun erst am Freiligrathplatz bündeln. Dies gelang ihnen leider nicht schnell genug und die Räumung der Gleise dauerte auch etwas”, fügte der Politiker kritisch hinzu.
Die Räumung der Haltestelle sei, so Lehne, notwendig gewesen, „da die Polizei die Gefahr sah - und hierauf gab es eine Vielzahl von Hinweisen -, dass im Zuge der einfahrenden Bahn sich einzelne Personen auf die Gleise geworfen hätten. Auch bestand die Gefahr, dass Personen auf die Gleise gedrängt worden wären.” Ohne den Einsatz von Polizeihunden wären Randalierer auf die Beamten losgegangen.
Lehne: Die Polizei habe einen „extrem schweren Job gemacht.” Gleichzeitig bedauerte er, dass „auch friedliche Betroffene in einen solchen Strudel hineingeraten. Wie man dies verhindern kann, ist mir auch nicht klar.” Optisch seien aggressive und friedliche Fans „kaum zu unterscheiden.”
Über Konsequenzen beriet gestern die Arbeitsgruppe „Sport und Sicherheit” des Kriminalpräventiven Rates. Bei künftigen Spielen soll es möglichst oft einen Bus-Shuttle zwischen Fernbahnhof und Arena geben. Geschäftsführer Michael Klein: „Der erste Test hat funktioniert.” Auch wichtig: Grüne Welle für Bahnen zwischen Kennedydamm und Freiligrathplatz. Der „Supporters Club”, der Dachverband der Fangruppen, empfiehlt Fortuna und der Arena-Betreibergesellschaft, „Zuschauer gründlich auf Gegenstände zu untersuchen, die als Wurfgeschosse missbraucht werden könnten.” Auch müssten vom Caterer weiche Plastikbecher angeboten werden. Im Stadion ertappte Täter könnte man mit „ehrenamtlichen Tätigkeiten innerhalb des Vereins” belegen.
15:16
Selbstverständlich weiß die Polizei im Vorhinein, ob potenziell gewaltbereite Fans zu einem Spiel anreisen. Allerdings sollte man bedenken, dass Fortuna Düsseldorf die erste Saison solch hohe Zuschauerzahlen erzielt. Das Spiel gegen den MSV Duisburg war das erste ausverkaufte Spiel mit potenziell gewaltbereiten Fans. Die Polizei in Düsseldorf hatte somit das erste Mal mit einer Eskalation in diesem Ausmaß überhaupt zu kämpfen. Ich finde es sehr anmaßend sodann eine perfekte Reaktion und immer richtige Entscheidungen zu verlangen. Selbstverständlich sind unsere Polizisten auch nur Menschen, die dazu lernen können. Und ich glaube, dass die Polizei in Düsseldorf in Zukunft besser auf solche Ausnahmesituationen reagieren wird. Insofern stimme ich mit Herrn Lehne überein und denke, dass die Polizei ihr möglichstes für die Sicherheit aller friedlichen Fortuna- Fans getan hat.
12:18
@ #3
Die Polizei kennt doch das Vorgehen der Randlierer genau. Mir ist schon klar, dass sich nicht 800 Leute auf einmal auf den Weg machen. Dafür muss ich nicht genau lesen. Ich war oft genug im und am Stadion und ich weiß, dass man merken kann, dass etwas im Busch ist. Und die Polizei kennt das auch ganz genau.
Vielleicht sind die Düsseldorfer Hools auch einfach schlauer als die Polizei ;-)
Für mich hat die Polizei gepennt. Egal was der Experte Lehne beschreibt.
12:17
ich kanns nicht mehr hören @Solo
die beschriebenen randalierer durfte ich hautnah erleben. ich habe gesehen wie diese jungs und MÄDELS ... die bahn aufgerissen haben von außen und versucht haben die fans in der bahn hereuas zu reißen.
gerne gehe ich zum fussball... und natürlich wird auch gestänkert und geschriehen, dass gehört dazu, doch was gehört dazu, wenn man dabei kid`s verletzt und vor allen dingen, konnte man leider wieder mal die selben armen ar....löcher sehen, die vom fussball soviel ahnung haben wie von ihrem zeugnis.
und wenn sie sich schon organisieren, dann sollte sie es doch einfach wie die engländer machen:
verabredet euch auf einer wiese und kloppt euch da, aber lasst uns doch einfach fussball schauen
10:09
@Solo
Vielleicht sollten Sie den Artikel noch einmal genau durchlesen. Offensichtlich haben Sie so einiges nicht verstanden. Herr Lehne beschreibt doch , dass die sch... Hools sehr gut organisiert sind. Außerdem war ich auch vor Ort und mir ist aufgefallen, dass die Idioten nicht zusammen anmaschiert sind. Sie kamen aus verschiednen Richtungen!!! Von wegen Tross in Bewegung gesetzt!
M.E. sollte man solche Leute nicht zu ehrenamtlicher Arbeit im Verein heranziehen, sonder spezielle und sehr hohe Strafen einführen.
Beispiel: Ein Randalierer zerstört die Scheibe eine Bahn. Er sollte dann die Kosten für die reperatur tragen, zwei Wochen lang Bahnen und Busse säubern und eine Geldstrafe ab 2000,-€ aufwärts zahlen müssen. Kann er das Geld nicht aufbringen, muss er es mit einem Stundensatz von 5,-€ bei der Rheinbahn oder einer sozialen Einrichtung abarbeiten!
Wir müssen endlich aufhören, solche Deppen mit Samthandschuhen anzufassen!
10:03
Herr Lehne hat schon mal das grundsätzliche Problem, dass er nicht zwischen vollgesoffenen Assis und Prolls, vollgesoffenen Krawall-Youtube-Kiddies und tatsächlichen Hooligans unterscheiden kann. Von daher ist sein Erfahrungsbericht schon mal vollkommen fürs Sitzfleisch.
Ich gönne es Herrn Lehne von Herzen, selber einmal als absolut Unbeteiligter Opfer dieser Polizeiwillkür zu werden und ein schönes Bad zwischen Pfferspray und Gummiknüppel zu nehmen!
Im übrigen ist das ganze kein Düsseldorf spezifisches Problem. Die Willkür der Exekutive zieht sich durch ganz Deutschland. Ein sehr lesenswerter Erfahrungsbericht eines über 50 Jahre alten Fürther Fans vom Auswärtsspiel am 10.02.10 bei 1860 gibt es hier zu lesen: http://www.spvggfuerth.de/leserbrief.pdf
07:38
Ich bin verblüfft, wie gut sich ein Politiker bei der Polizeiarbeit auskennt. Herr Lehne for next Polizeipräsident!!!
Ich kann friedliche und aggressive Polizisten auch kaum auseinanderhalten. Ich war auch dort und habe genauso ausrastende Polizei gesehen wie Fans. Vielleicht kann man das auch verstehen. Irgendwo müssen die Beamten auch ihren Frust loswerden. Bei all den Überstunden und schlechter Bezahlung. Manche freuen sich dann auch mal den Knüppel tanzen zu lassen. Und wer dann gerade im Weg steht, hat Pech gehabt.
Auch wenn man die Gewalt der Fans nicht entschuldigen kann, dass ein Polizeihund ohne Maulkorb auf eine Frau mit Kind gehetzt wird, ist genauso unentschuldbar.
Die Polizei hat in meinen Augen versagt. Denn wie kann es sein, dass sich 800 Leute unbemerkt zusammenrotten können. Und dann noch gewaltbereite Fans. Hat man geschlafen als sich dieser Tross in Bewegung gesetzt hat?