Polierte Luftblasen
06.08.2010 | 17:33 Uhr 2010-08-06T17:33:00+0200
Düsseldorf.Die Vase „Papillon“ aus dem Jahr 1925 harmoniert so wunderbar mit den Farben des Fußbodens, der Wände und auch der kupfernen Wandleuchten im Grünen Gewölbe der Tonhalle. Man möchte fast meditieren vor den schattigen Schmetterlingen auf dem zarten Glas in Türkis- und Rosttönen aus der Verreries Schneider.
Deren Glaskunst des Art Déco in Frankreich ist gegenüber gestellt den Werken von René Lalique (1860 – 1945). Letzterer und landläufig bekanntere, begann seine Karriere als Schmuckkünstler und gestaltete später Parfum-Flakons, die noch heute hohen Sammlerwert haben.
Goldfische und
Wellensittiche
Lalique war ein Tausendsassa, was die Glaskunst betraf, verstand er sich doch in den 20er und 30er Jahren auf das gesamte Spektrum der begehrten zerbrechlichen Schönheiten. Dazu gehörten auch Fenster, Wandverkleidungen, Leuchten bis hin zu monumentalen Glasarchitekturen. Nicht wenige der von ihm angewandten Verfahren sind patentiert.
Das Vitrinenformat der Tonhalle erlaubt allerdings lediglich den Blick auf gängige Formate. Aber auch da gibt es Großartiges zu entdecken: Vom zeitlos schlichten Trinkglas mit farbigem Fuß, eine Form, die man auch heute noch serienweise in Kaufhausregalen findet (für die sich auch Lalique zu seiner Zeit nicht zu fein war) über die naive blaugrau nebelige Glaskanne, die so rührend plump und zart zugleich wirkt, bis hin zu dieser matt schimmernden Fisch-Vase, auf deren tiefseedunkelgrauem Grund sich Goldfische so lebendig tummeln, als würden sie gleich mit dem Schleierschwanz wedeln, während sie ihre polierten gläsernen Luftblasen ablassen. Die Dickwandigkeit einer anderen Vase lässt Platz für Nischen mit geätzten Madonnen. Wiederkehrendes Motiv: schnäbelnde Wellensittiche. Selbst der 1820 in den USA als Imitation des aufwendigen Glaschliffs entwickelten Pressglas-Technik vermochte Lalique einen eigenen Charme einzugravieren.
Seine frühen Gläser, gezeichnet mit R. Lalique, oft mit dem Zusatz „France“, sind seltene Unikate. Spätere Produkte aus dem renommierten Glashaus wurden nur noch mit Lalique gezeichnet.
Überhaupt, die Techniken, die auch die Verreries Schneider mit Bravour beherrschte, sie bereichern so vielschichtig diese zerbrechliche Kunst: Glasschnitt und -schliff, Pulveraufschmelzung, verschiedene Ätzverfahren, orientalisierende Malerei, farbige Glasbröckchen sind wie bunter Schmutz auf einen schlanken Flaschenhals geschmolzen, eine schattige Zypressen-Allee läuft rund um eine abendlichte Vase. Und die glühend chinalackrote Kugelvase mit der Mohnblüte, deren Stengel in einer Art Schriftzeichen ausläuft, thront zu Recht in einer Vitrine für sich allein.
Aus der Glasmanufaktur wurde eine Brauerei
Ein Höhepunkt der Zurschaustellung solch gläsernen Luxus war 1925 die „Exposition internationale des Arts décoratifs et industriels modernes“ in Paris, an der sowohl Schneider als auch Lalique beteiligt waren. Die Glasmanufaktur Schneider erwies sich in den Wirtschaftskrisen zwischen den Weltkriegen als ziemlich zerbrechlich. Deutsche Besatzungstruppen beschlagnahmten sie 1940 und wandelten sie um in eine Brauerei. Auch eine Neugründung mit Konzentration auf Tafelgeschirr und –glas scheiterte und führte letztendlich zur Schließung im Jahr 1981. Die Société Lalique gibt es heute noch, seit 2008 unter dem Dach der Schweizer Gesellschaft Art & Fragance, die das geschliffene Geschäft fortführt.
Bis 31. Oktober, Grünes Gewölbe, Tonhalle. Di. - So. 11 bis 18 Uhr. Eintritt frei.
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Wunderschöne Exponate. Da möchte man gleich eins mitnehmen. Neben Lalique bin ich ein Fan der Lauschaer Glaskunst, die schon seit über 150 Jahren und bis heute Glaskunst erster Güte produziert.