Platz für Reisende ist in der kleinsten Hütte

Ein Schlafplatz für Künstler, Musiker und aufgeschlossene Reisende: Früher bot Anke Jühe ihre Wohnung für die Gestrandeten an. Inzwischen wird das Wohnzimmer der 47-jährigen Düsseldorferin nicht mehr von Musikern besetzt. Stattdessen schlafen sie nun in ihrer kleinen Herberge, der Hütte 91.

Die bietet auf 150 Quadratmetern einer ehemaligen Arztpraxis vier individuell gestaltete Zimmer. In der Hütte 91 geht es familiär und gemütlich zu. In einer gemeinsamen Küche kann gekocht werden, Müsliboxen stehen bereit falls Nachts mal der große Hunger kommt. Ursprünglich richtete sich Anke Jühes Angebot an die Vorbands die unter anderem im „ZAKK“, einem soziokulturellen Zentrum in der Stadt auftraten.

„Mehr Herzblut als Verstand“

„Bei mir haben die geschlafen, bei denen keine 4-Sterne Hotels und drei Schachteln Kippen am Tag im Vertrag stehen. Aber irgendwann war’s dann doch ganz schön mal beim Frühstück etwas Ruhe zu haben“, erklärte die studierte Grafikdesignerin.

Jühe bewegt sich seit langem in der Kulturszene der Stadt, gründete den Kunst- und Kulturverein „damenundherren“ mit. Sie kennt die Stadt abseits von Kö und Rheinpromenade und versucht das auch ihren Gästen zu vermitteln. Neben ihrem „normalen“ Job als Grafikdesignerin für verschiedene Agenturen musste es ein zweites Standbein geben in dem ihr Herzblut steckt. Das ist die Hütte 91. „In dem Projekt steckt vermutlich mehr Herzblut als Verstand“, erklärte die Düsseldorferin.

Jühe wohnt um die Ecke, daher geht es in ihrer Herberge auch nicht zu wie in einem professionell geführten Hotel. Die Check-In Zeiten werden flexibel abgesprochen und auch an der Rezeption gibt es niemanden, der das Treiben in der Hütte 91 überwacht. „Hier ist es wie in einer WG, was für viele auch total super ist. So trifft man sich mal Abends an den Kochtöpfen und redet über’s Leben. Verliebt wurde sich hier auch schon also ist wirklich alles dabei“, berichtet die Grafikdesignerin.

Vier individuell gestaltete Zimmer

Die vier Zimmer gestalteten befreundete Künstler völlig individuell. Vom Jimmy Hendrix Plattencover, über den Star Wars Todesstern bis hin zu Plüschinsekten an der Wand – Hier ist nichts so wie in einem normalen Hotel.

Apropos Plüschinsekten: Eine Spinne wurde von einer Band entwendet. Auch eine schriftliche Vermisstenmeldung an die Kurzmieter blieb leider ohne Erfolg. „Da konnte sich keiner mehr erinnern was überhaupt an dem Abend gelaufen war“, scherzte Jühe. Auch die Fassade der Hütte 91 wurde schon einmal leicht in Mitleidenschaft gezogen.

Eier an der Fassade

Fußballfans aus Manchester, die zum Champions-League Spiel in Leverkusen in Jühes Herberge übernachteten zogen anscheinend den Unmut der Einheimischen auf sich. „Am nächsten Tag war die Fassade voll mit Eiern. Keine Ahnung wo die so viele Eier mitten in der Nacht hergeholt haben. Was da ganz genau los war, wussten die Gäste am nächsten Tag aber auch nicht mehr so genau“, erzählt die Düsseldorferin, nicht ohne dabei zu grinsen. In der Hütte 91 sieht man all das nicht ganz so ernst.

Poetry Slammer und Magier im Hotel

Nicht nur geschlafen werden kann in der Hütte 91. Auch Veranstaltungen wie das „Four Rooms“ fanden in den Zimmern der Herberge schon statt. Hier präsentierten unter anderem Poetry Slammer und Magier ihre Show, die die Gäste von den Betten aus bestaunen konnten.

Für die Zukunft wünscht sich Anke Jühe nur mehr Gäste. „Das würde mir finanziellen Möglichkeiten geben, hier in regelmäßigen Abständen was zu verändern und umzugestalten“.

Ihre Vision hat die 47-jährige Düsseldorferin bereits erfüllt: „Meine Vision war es immer Künstler zu fördern, etwas für die Kulturszene in der Stadt zu tun. Ich denke, dass mir das mit der Hütte 91 gelungen ist.