Plakative Kritik

Viel zu selten schafft es das kritische Plakat in den öffentlichen Raum, findet Piotr Zapasnik. Stattdessen reihen sich an Düsseldorfs Litfaßsäulen und Plakatwänden Ankündigungen auf Konzerte, Messen und alle anderen erdenklichen Veranstaltungen, zu denen Besucher kommen können, aneinander. „Genau das stört mich. Ich finde, kritische Plakate gehören gerade in den öffentlichen Raum und müssen weg von Orten wie dem Schwarzen Brett in der Uni“, sagt Zapasnik.

Gesagt, getan: Mit seinem Projekt „D-facto“ widmet sich der 26-jährige Designstudent nun wöchentlich den gesellschaftlich und politisch brisanten Themen in Düsseldorf. Pro Woche entwirft er zwei Plakate, die dann in der ganzen Stadt aufgehängt werden. Zapasnik erhofft sich dadurch, mehr Menschen auf das aktuelle Geschehen in Düsseldorf aufmerksam zu machen. Gleichzeitig ist „D-facto“ seine Abschlussarbeit im Fach Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf. „Auf die Idee zu dem Projekt bin ich durch meinen Dozenten gekommen. Dem hatte ich ursprünglich ein anderes Thema vorgeschlagen. Statt es von mir anzunehmen, hat er mich aber gefragt, was mir im Studium am meisten Spaß gemacht hat – und das war eben das Entwerfen kritischer Plakate“, sagt Zapasnik.

Und so entschied er sich, seine Heimatstadt Düsseldorf kritischer unter die Lupe zu nehmen. „Ich lese jede Woche die Zeitung und schaue mir an, was dabei zum Beispiel in den Online-Kommentaren am meisten polarisiert. Dann entwerfe ich das Plakat“, erklärt der Student. Das könnten aktuelle Nachrichten wie die drohende Schließung des Daimler-Werks sein, aber auch Themen, die Gesellschaft und Politik schon seit längerer Zeit beschäftigen, wie das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“. Ein Plakat fordert zum Beispiel „Worringer Fair Wurzeln“ und beschäftigt sich mit der viel diskutierten Zukunft des Worringer Platzes. Vor kurzem hatte Künstlerin Tita Giese, die bereits viele Plätze in der Stadt durch Bepflanzungskonzepte verändert hat, angekündigt, den Platz umzugestalten.

Doch genau das hatte bei dort bereits ansässigen Künstlern zu Protesten geführt. Und eben dieser Konflikt soll mit dem Plakat dargestellt werden. Wieder ein anderes Plakat fordert, die Straßenbahnlinie 708 zu erhalten.

Mit einem weiteren Poster beschäftigt sich der Student mit dem Verlust vieler alternativer Tanzflächen in Düsseldorf wie dem „Les Halles“, das zum Ende des vergangenen Jahres geschlossen werden musste. „Mein gestalterischer Anspruch ist es dabei, mit möglichst wenig Mitteln viel auszusagen“, sagt Zapasnik.

Deshalb seien all seine Werke in schlichtem Schwarz-weiß und einfachen Formen gehalten.

Bis er „D-facto“ aber überhaupt realisieren konnte, musste der Student auf die Suche nach Sponsoren für Druck und Aushang der Plakate gehen – eine leidige Arbeit: „Ich habe Dutzende Telefonate geführt und noch mehr E-Mails verschickt. Aber dann hatte ich endlich Erfolg: Die Plakatfirma City Billboard hängt meine Werke jede Woche auf. Die meisten sind am S-Bahnhof in Bilk zu finden“, sagt Zapasnik.

Den Druck der Plakate mit jeweils einer Auflage von 120 Stück finanziert er jedoch größtenteils selbst mit Ersparnissen und ein wenig Hilfe der Eltern und einiger Freunde. Deshalb will sich Zapasnik mit seinem Projekt auch bei einigen Designpreisen bewerben, um mit dem Gewinn zumindest einen Teil seiner Ausgaben.