Philipp ist zurück im Leben
19.12.2010 | 18:59 Uhr 2010-12-19T18:59:00+0100
Düsseldorf/Moers.Das großartigste Geschenk hat Familie Küpperbusch schon vor Weihnachten erhalten. Ihr an Leukämie erkrankter Sohn Philipp ist nach Hause gekommen. Der Fortuna-Anhänger befindet sich nach einer Knochenmarkstransplantation auf dem Wege der Besserung - und schmiedet schon Pläne für seine Zukunft: Philipp will eine Currywurst-Bude eröffnen.
Kein Quatsch! „Ich bin Currywurst-Spezialist“, erzählt der 27-Jährige aufgekratzt. Er plant konkret und schriftlich. Bei ihm soll es mal eine „richtig gute“ Wurst geben, „und wenn du mehrere solcher Buden hast, ist das wie eine Lizenz zum Geld drucken.“
Im Juli kam
die Diagnose
So viel Zuversicht zaubert auch seinen Kollegen vom Fortuna-Fanclub ein Lächeln auf die Lippen. Sie hatten den jungen Mann aus Moers nach Kräften unterstützt und eine große Typisierungsaktion ins Leben gerufen, kräftig die Werbetrommel gerührt und Hunderte von potenziellen Knochenmarkspendern zu dem Termin in die Uni-Klinik gelotst.
Es ist noch gar nicht lange her, da verschwendeten weder Philipp noch seine Eltern und Geschwister einen Gedanken an seine berufliche Zukunft. Im Juli war bei dem ehemaligen Ratsherrn Blutkrebs diagnostiziert worden. Es folgten Monate zwischen Hoffen und Bangen, mit Bestrahlung, Chemotherapien und Schmerzen, Wochen auf der Isolierstation in der Essener Uni-Klinik. „Das war schon krass“, berichtet Philipp. „Ich habe monatelang nur Menschen in OP-Kleidung und mit Mundschutz gesehen, auch meine Familie.“ In dieser Zeit hat ihm nicht zuletzt die Solidarität geholfen. Seine Freunde aus dem Jugendzentrum und aus dem Fortuna-Fanclub organisierten große Typisierungsaktionen, bei denen sich Hunderte als Knochenmarkspender registrieren ließen.
Der Mann, der für Philipp in Frage kommt, stammt allerdings nicht aus diesem Kreis, sondern war schon vorher in der Datei: „Ich weiß nur über ihn, dass er zehn Jahre älter ist als ich, aus dem Raum Münster kommen muss und eine andere Blutgruppe hat“, erzählt er.
Die ersten Monate
sind besonders kritisch
Am 17. November wurde ihm schließlich in Essen das fremde Knochenmark transplantiert. Und es scheint zu funktionieren. „Ich hatte echt Glück“, freut sich der Moerser. „Das Transplantat arbeitet, es produziert Zellen und rote Blutkörperchen, mein Körper hat es bis jetzt nicht abgestoßen. Es läuft wirklich optimal.“
Freilich ist längst nicht alles überstanden, und Philipps Mutter Angelika räumt offen ein: „Wir sind total glücklich, aber manchmal traue ich mich nicht, mich so richtig zu freuen.“ Denn noch immer besteht die Möglichkeit, dass der Körper das lebensrettende Knochenmark abstößt. Die ersten Monate sind besonders kritisch, erst nach einem Jahr wird die Gefahr überstanden sein. Hinzu kommt: Um die Transplantation überhaupt möglich zu machen, musste das körperliche Immunsystem mit Bestrahlung und Chemotherapie komplett zerstört werden. Jetzt baut es sich ganz langsam wieder auf. Philipp darf spazieren gehen, muss aber Menschenansammlungen meiden. Er darf einige wenige Besucher empfangen, aber die müssen die Schuhe ausziehen und sich die Hände waschen. Im Moment kann Philipp selbst Kinderkrankheiten wieder bekommen und alles, gegen das er einmal geimpft worden ist. Täglich nimmt er 30 Tabletten. „Aber das ist schon okay so“, sagt er. „Es geht aufwärts, meine Blutwerte verbessern sich schneller als erwartet.“
Entsprechend gut gelaunt ist Philipp, er reißt Witze, flachst herum. So freut er sich schon jetzt darauf, dass der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist 1. FC Köln wohl im nächsten Jahr wieder gegen seine Düsseldorfer Fortuna in der zweiten Liga spielen wird...
„Das ist das coolste
Weihnachtsgeschenk“
An eine Rückkehr in seinen Beruf als Kaufmann für Bürokommunikation denkt Philipp nicht. Denn kurz nach der Leukämie-Diagnose im Sommer schickte ihm sein damaliger Arbeitgeber die Kündigung. „Wenn du mal diese Erfahrung gemacht hast, willst du nicht mehr für andere arbeiten.“ Auch deshalb will er sich, wenn alles gut geht, im nächsten Jahr mit einer Bude selbstständig machen.
Jetzt freut sich Philipp aber erst mal auf Weihnachten mit seiner Familie. „Das ist das coolste Weihnachtsgeschenk“, sagt er. Was Angelika Küpperbusch auf Wunsch ihres Sohnes als Begrüßungsessen machte? Klar: Currywurst.
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