Pflegeschüler leiten Station am St. Martinus

Langenfeld..  Zweieinhalb Jahre ist Julia Waßong nun schon Pflegeschülerin am St.-Martinus-Krankenhaus, lernt die praktischen Aufgaben einer Krankenschwester auf den verschiedenen Stationen und paukt gleichzeitig an der Krankenpflegeschule des Katholischen Bildungszentrums Haan (KBZ) Pflegerelevantes aus Bereichen wie Naturwissenschaften, Medizin und Recht. In der vergangenen Woche hatte die Richratherin ihren ersten großen Praxistest zu bestehen: Mit neun weiteren Pflegeschülern ihres Azubi-Jahrgangs leitete sie bis Freitag eine Halbstation der „Inneren Medizin“. Stressig? „Jedenfalls stressiger, als wir gedacht haben“, sagt die 21-Jährige.

„Das Schwerste ist die Organisation. Visiten ausarbeiten, Essen verteilen, Krankentransporte regeln – da kommt viel zusammen“, berichtet die Pflegeschülerin. „Und wenn dann eine Neuaufnahme ansteht, muss man schnell reagieren, ohne an anderer Stelle etwas zu vergessen.“ Für den Fall, dass dies doch mal passieren sollte, sind auf der Station die ausgebildeten Pflegekräfte auch in der „Führungsprojekt“-Woche weiter präsent. „Wir halten uns im Hintergrund auf und beobachten das Ganze, um gegebenenfalls eingreifen zu können“, versichert Pflegeschullehrerin Anne Tillmanns.

Insgesamt nehmen an dem Führungsprojekt des Bildungszentrums 54 Gesundheits- und Krankenpflegeschüler teil – verteilt auf drei katholische Krankenhäuser in der Region. Oder treffender: Schülerinnen. Denn unter den jungen Leuten, die im Sommer ihre Ausbildung abschließen werden, befindet sich nur ein Mann. „So extrem ist das sonst nicht, aber wir hatten schon immer deutlich mehr Frauen als Männer in diesem Beruf“, sagt Schulleiter Christoph van de Loo.

Der Hahn im Korb ist Tessen Hungershausen aus Wiescheid. Auch er gehört zu den zehn, die sich im Richrather Krankenhaus um insgesamt 17 Patienten kümmern. Auf die Idee, Krankenpfleger zu werden, kam der Langenfelder während eines Schülerpraktikums im St. Martinus: „Das hat mir so gut gefallen, dass ich wiedergekommen bin“, sagt der 23-Jährige. Was er nach Abschluss der Ausbildung machen möchte – ob erst mal nur praktische Arbeit oder eine der vielen Weiterbildungsmöglichkeiten in seinem Beruf – weiß er noch nicht so genau.

Mitschülerin Julia Waßong schwebt eine Spezialisierung zur Intensivkrankenschwester vor. „Der Beruf Gesundheits- und Krankenpfleger eröffnet zahlreiche Karrierechancen“, sagt Schulleiter van de Loo. Und bedauert, dass sich so wenige junge Leute für diesen Job interessieren: „Wir haben seit einigen Jahren 50 Prozent weniger Bewerber als früher.“

Gut aufgehoben bei Azubis

Das Führungsprojekt wird bereits zum vierten Mal angeboten – neben dem St. Martinus noch am St.-Josef-Krankenhaus in Haan und an der St.-Lukas-Klinik in Solingen. Inzwischen haben auch die Pflegeprofis, die das Führungsprojekt an Ort und Stelle begleiten, Erfahrung gesammelt mit der Übergabe „ihrer“ Station an die Pflegeschüler: „Das Loslassen fällt uns mittlerweile leichter als in den Vorjahren“, sagt Krankenschwester Klara Fricke aus Richrath.

Und die Patienten? Wie gefällt ihnen die Azubi-Woche? „Die fühlen sich bei den Nachwuchskräften sehr gut aufgehoben und genießen besonders auch die Abwechslung, die das Projekt mit sich bringt“, sagt Pflegelehrerin Anne Tillmanns.